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Carlo Janka und Patrick Küng hoffen auf den Zauber von Wengen

Patrick Küng und Carlo Janka haben beide schon am Lauberhorn triumphiert. In diesem Jahr kämpfen sie um den Anschluss.
Martin Probst, Wengen
Patrick Küng (links) und Carlo Janka beim Medientreffen in Wengen. (Bild: Anthony Anex, Jean-Christophe Bott/Keystone (Wengen, 16. J)
Patrick Küng (links) und Carlo Janka beim Medientreffen in Wengen. (Bild: Anthony Anex, Jean-Christophe Bott/Keystone (Wengen, 16. J)
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Hoffen auf den Zauber

Beide waren schon ganz oben. Der eine, Carlo Janka, gewann 2010 die Abfahrt am Lauberhorn, ist Olympiasieger und Weltmeister. Der andere, Patrick Küng, siegte 2014 in Wengen und ist ebenfalls Weltmeister.

In dieser Saison stiessen beide noch nie in die Top 10 vor. Aus Champions wurden Kummerbuben. Carlo Janka ist 32 Jahre alt, Patrick Küng bereits 35.

Nun sind sie zurück an jenem Berg, der schon manche Schweizer Saison gerettet hat: das ­Lauberhorn. Mit Ausnahme von 2016 gab es hier seit elf Jahren immer einen Schweizer Podestplatz. 2013 sogar den einzigen im ganzen Winter.

Carlo Janka, in Wengen neben seinem Abfahrtsieg schon zweimal Gewinner der Kombination und weitere fünfmal auf dem Podest, sagt: «Es ist immer gut, wenn das Wochenende in Wengen kommt.» Patrick Küng, in Wengen im Vorjahr nur auf Rang 31 klassiert, sagt: «Swiss Ski muss dieses Mal ja nicht die Saison retten. Und ich? Ich bin schon zu lange dabei, ich kenne Hochs und Tiefs.»

Für beide ist das Lauberhorn wichtig. Ein gutes Resultat könnte vieles verändern und neuen Schwung geben. Ein Scheitern am Zauberberg wäre bitter. Tage der Wahrheit? Janka sagt:

«Wenn es nicht mal mehr hier funktionieren würde, dann wäre wirklich nichts mehr gut.»

Janka hadert seit seinem Kreuzbandriss im Oktober 2017, den er konservativ, also ohne Operation, therapierte. Das Knie ist längst stabil und schränkt ihn nicht mehr ein. «Aber», erklärt er: «Der Kopf zieht zurück.» Janka vertraut dem Körper nicht. Das zu ändern, fällt ihm schwer. «Es funktioniert wohl nur über Kilometer», sagt er und meint, dass ihn jedes Rennen im Kopf stärker macht. Helfen würde aber vor allem ein Erfolgserlebnis.

Wengen kommt da gerade recht. Am Lauberhorn fährt Janka mit Autopilot. Sein Kopf schaltet ab, die Intuition übernimmt. «Wengen muss man darum bei der Vertrauensfrage ausklammern», sagt Janka. «Eine Antwort, ob ich Fortschritte gemacht habe, wird erst Kitzbühel liefern.» Denn nirgends ist es schwieriger, sich zu überwinden, als dort.

Küng und das nahe Ende?

Janka sieht noch viel Verbesserungspotenzial. Er spricht von einem Teufelskreis. «Sobald der Körper müde wird, ziehe ich mich automatisch ebenfalls zurück. Das wiederum hilft dem Kopf nicht, Vertrauen aufzubauen.» Zwar sind die Erschöpfungs­zustände längst nicht mehr so schlimm wie vor einigen Jahren, als ein Virus sein Herz befiel. An leichten Herzrhythmusstörungen leidet er aber bis heute. Diese stören Jankas Erholung ebenso wie Bauchschmerzen, die ihn schon länger quälen. «Mein Darm ist eine Baustelle», sagt er. Nun versucht er, die Darmflora mittels Zusatzpräparaten zu stabilisieren. Rücken-, Herz- und Darmprobleme – Jankas Krankenakte ist lang. Trotzdem: An ein Ende seiner Karriere denkt er nicht. «Jahrelang macht man es nicht mit, einfach nur runterzufahren, das ist klar. Aber im Moment ist die Freude gross, und ich bin ­motiviert, an jedem Rennen am Start zu stehen», sagt er.

Der Wille fehlte auch Patrick Küng zu Beginn des Winters nicht. «Ich war motiviert mit dem neuen Material», sagt er. Doch dann waren die Resultate schlechter als erhofft. Bis heute hat er die Abstimmung nicht gefunden. Zuletzt in Bormio belegte er in der Abfahrt den 42. Rang.

«Skifahren ist kein Mannschaftssport, wo eine schlechte Phase durch das Team kompensiert wird. Es ist knallhart», sagt er.

«Und immer nur 40. werden – das will ich sicher nicht.»

Es sind Worte, die nach Abschied klingen. Endstation Lauberhorn? Nein. Die Saison fährt er zu Ende. Doch die Verträge mit seinem Ausrüster sind nur bis Saisonende gültig. Für eine Verlängerung braucht er gute Resultate.

«Im Skisport kann es schnell gehen», sagt Küng. «Ich kenne das Gefühl, wie es ist, ganz vorne zu sein. Andere haben das vielleicht in einer ganzen Karriere nie», sagt er. Auch das tönt ein wenig nach Abschied. Noch träumt er aber davon, sich für die WM zu qualifizieren. Für die ­Selektion braucht er in Wengen, Kitzbühel und Garmisch mindestens zwei Klassierungen in den Top 15. «Weil ich schon lange keinen Jugendbonus mehr habe.»

Janka und Küng – sie hoffen auf den Zauber am Lauberhorn.

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