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Wasserballerinnen verpassen den EM-Einzug: Wenn «Hopp Schwiiz» auch nichts mehr bringt

Die Schweizer Wasserballerinnen verlieren das Barrage-Spiel um die EM-Qualifikation in Sursee gegen Israel mit 10:16. Eine Reportage vom Beckenrand.
Text: Chiara Zgraggen, Bilder: Jakob Ineichen

Sportlerinnen in schwarz-roten oder blauen Badeanzügen schwingen hochkonzentriert die Arme in alle Himmelsrichtungen, strecken und recken sich. Obwohl das Barragespiel, welches für eine EM-Qualifikation wichtig ist, erst in einer Stunde startet, sind sie bereits hochkonzentriert. Kaum eine spricht mit der Teamkollegin, jede kämpft in den Minuten vor dem Spiel vorerst mit sich selbst. Flüchtig schweifen die Augen zum gegnerischen Team. Zum Glück können Blicke nicht töten, sonst wäre dieser Text bereits zu Ende.

Dieses heutige Spiel ist für die Schweizer Damennationalmannschaft im Wasserball extrem wichtig, denn: Es ist das Barragespiel gegen Israel. Gelingt ein Sieg, darf die Schweiz an die Europameisterschaft im kommenden Jahr nach Budapest reisen. Der Direktor von «Swiss Waterpolo», Michael Badulescu sagt:

«Damit uns ein Sieg gelingt, muss jede Spielerin 150 Prozent Leistung erbringen.»

Der Mann im roten Fanshirt wirkt angespannt. Angespannt ist auch die finanzielle Situation des Teams. So steht die Verbandskasse mit 40'000 Franken in der Kreide – nur schon die Flugreise zum Hinspiel in Tel Aviv kostete pro Person 800 Franken.

«Das hat damit zu tun, dass unser Sport wenig Geld aus der Kasse von Swiss Olympics erhält», erzählt Badulescu. So sammelt das Team zur Zeit Spenden via Crowdfunding für die allfällige Reise zur Europameisterschaft nach Budapest. Bis jetzt sind etwas mehr als 6000 Franken gespendet worden.

Während Badulescu davon berichtet, dass die meisten Spieler zuerst im Schwimmklub waren, trudeln immer mehr Gäste ins Gebäude des Campus Sursee. Einige Männer tragen fast schlichte Abendgarderobe, einige griffen heute das wahrscheinlich letzte Mal zu den kurzen Hosen – passend zum letzten Tag mit Sommerzeit.

Für ihr Ticket bezahlen mussten nicht alle

Es ist 18 Minuten vor Spielbeginn, fast 400 Zuschauer nehmen auf der harten Betontribüne Platz. Neben mir setzt sich ein Herr mittleren Alters, seine Augen blicken mich durch seine runde Brille an. Die Farbe des Nasenfahrrads passt zum grau der Sitzfläche. Weshalb er heute hier sei, möchte ich von ihm erfahren. «Ich bin mit der U15-Mannschaft von Basel hierhergefahren», erzählt er und zeigt auf eine kleine Gruppe am hinteren Tribünenrand. «Einer von ihnen ist mein Sohn», sagt er. Also setze ich mich zu den Nachwuchsspielern.

«Wir sind heute zur Unterstützung des Teams da. Und weil unser Trainer uns die Karten gratis gab», sagen die Pubertierenden unisono. Sie seien zuerst in einem regulären Schwimmklub gewesen, bevor sie mit Wasserball begannen – also haben sie genau den Weg hinter sich, den Michael Badulescu bereits angetönt hatte.

Wenig später marschieren die Mannschaften unter Kuhglockengeläut, Zurufen und schwingenden Schweizerfahnen ein. Während die Schweizerinnen zielgerichtet am Publikum vorbeilaufen, wirken die Israeli unkonzentriert. Doch eines haben sie gemeinsam: Das Gesicht einiger wirkt angespannt, während sich bei beiden Teams einige das Lächeln auf den Lippen nicht zu verkneifen vermögen.

Sie hat heute ihren ersten Tag

Dann ist es soweit: Die Frauen entledigen sich ihrer Bademäntel, setzen die Badekappen auf und kommen ein letztes Mal zusammen. Zu meiner linken entdecke ich ein Mädchen mit kurzem braunen Haar. Auch sie trägt Badebekleidung. Was ich als Laie zu diesem Zeitpunkt noch nicht weiss: Sie ist wichtig für das heutige Spiel, denn sie ist das Ballmädchen. Ähnlich wie beim Tennis ist es ihre Aufgabe, Bälle, die aus dem Spielfeld gelangen, zu holen und weiter zu geben. Wie sie erzählt, ist auch sie aus Basel angereist. Es ist ihr erster Auftritt als Ballmädchen. «Es macht mir viel Spass», sagt sie und muss das Gespräch gleich abbrechen, da wieder ein Ball das Spielfeld verlassen hat.

Die Stimmung ist vergleichbar mit der eines Fussballspiels. Es fehlt nicht an Glockengeläut, Jubelrufen oder lautem Klatschen. Einzig Bier sucht man vergebens. Auch wenn die Schweizerinnen die Israelinnen 10:16 unterliegen, haben sie sich wacker geschlagen. In letzter Sekunde schnappe ich mir nochmals die vier Jungs aus Basel, die enttäuscht sind über den Ausgang der heutigen Partie. Die Schweizerinnen hätten ihre Chancen «eifach ned gnützt», so ihr Fazit. Ganz anders sieht das Michael Badulescu:

«Ich bin sehr zufrieden mit der heutigen Leistung.»

Vor drei Jahren hätte das Team mit 20 Toren im Rückstand verloren, ist er sich sicher.

Mehr Infos zum Wassersport finden Sie unter www.swisswaterpolo.com.

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