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Wer ersetzt den Mann aus Sursee? Nach Seferovic-Out sind in der Schweizer Nati Lösungen für den Angriff gesucht

Auch wegen des krankheitsbedingten Forfaits von Admir Mehmedi ist Vladimir Petkovic für die EM-Qualifikationsspiele gegen Georgien und Dänemark gefordert. Der Nationaltrainer muss tüfteln.
Christian Brägger, Tiflis
Nicht an Bord bei der Nati: Haris Seferovic. (Archivbild: Keystone)

Nicht an Bord bei der Nati: Haris Seferovic. (Archivbild: Keystone)

In Georgien beginnt für die Schweizer Nationalmannschaft am Samstag die EM-Qualifikation. Trotz der Favoritenrolle ist die Reise eine ins Ungewisse; längst vor dem Check-in nach Tiflis sind ihr die treffsichersten Akteure abhanden gekommen. Wenn ein gut aufgelegter Xherdan Shaqiri nicht spielen kann und verletzt ausfällt, dann fehlt immer etwas: Die Kreativzentrale, dass offen­sive Herz, das Freche, die Extra­vaganz. Wenn Admir Mehmedi krankheitsbedingt Forfait geben muss, fehlt eine Allzweckwaffe.

Wenn ein gut aufgelegter Haris Seferovic nicht spielen kann und verletzt ausfällt, dann lautete früher das Urteil: Den Mittelstürmer kann man getrost ersetzen, weil er zu wenig Tore erzielt. Und die Räume, die er mit seinem Laufpensum aufreisst, können auch andere schaffen. Seferovic musste schon immer um die Gunst des Publikums buhlen.

Seferovic ist erfolgreichster Torschütze in Portugal

Heute stellen die Kritiker nüchtern fest: Haris Seferovic fehlt tatsächlich. Der Stürmer hat sich nicht nur bei Benfica im wahrsten Sinne des Wortes in die Herzen der Anhänger geschossen mit dem Liga-Spitzenwert von 15 Saisontoren. Im vergangenen November tat er dies auch bei der Nationalmannschaft mit drei Treffern gegen Belgien, der Nummer 1 der Weltrangliste. Der oft Gescholtene hätte das zwar nie laut gesagt, aber es musste ihm Genugtuung sein und Balsam für die Seele. Überdies gab der 27-jährige Surseer endlich dem Nationaltrainer Vladimir Petkovic, der ihm so oft das Vertrauen schenkte, etwas zurück.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic. (Bild: Keystone)

Nationaltrainer Vladimir Petkovic. (Bild: Keystone)

Aber eben: Petkovic braucht nun den Plan B, weil mit Shaqiri und Seferovic 22 respektive 17 Länderspieltore fehlen gegen Georgien und dann am Dienstag gegen Dänemark in Basel. Diesen Plan B zu finden ist nicht einfach, zumal das verletzte Duo längst zum Spielsystem gehört und die Automatismen mit ihm greifen. Shaqiri spielt zwar erst seit der Nations League fix hinter den Spitzen, davor gehörte dieser Part Blerim Dzemaili. Im Sturm ist Seferovic unter Petkovic gesetzt, weil die anderen Zentrum­stürmer ihre Chancen nicht nutzen konnten. Nun aber sagt der Trainer:

«Ich traue dem einen oder anderen Spieler zu, Seferovic zu ersetzen. Ich werde nie sagen, jemand fehlt so sehr, dass es ohne ihn nicht geht.»

Ajeti, Gavranovic und Embolo kommen in Frage

Petkovic interessieren immer nur jene Spieler, die er zur Verfügung hat. Also lamentiert er nicht, vielmehr prüft er Alternativen. Dabei kommen für die Seferovic-Position im Prinzip nur drei Akteure in Frage: Albian Ajeti, Mario Gavranovic und Breel Embolo. Sie alle haben jüngst in der Meisterschaft getroffen, der Formstand könnte also schlechter sein. Zudem: Funktioniert ein Angreifer gegen Georgien, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ihn Petkovic gegen die ungleich stärkeren Dänen nochmals bringt.

Der Basler Ajeti (22) wäre von der Postur her die logische Wahl, auch vom Spielstil. Er ist frech, selbstbewusst. Zwar rennt er nicht so viel wie Seferovic, aber die physische Präsenz im Sechzehnmeterraum ist mindestens vergleichbar. Und damit auch die Wasserverdrängung. Ajeti sagt:

«Vorne ist ein Platz frei. Ich mache mir schon meine Gedanken. Selbst wenn ich im Nationalteam noch kein alter Fuchs bin, will ich zeigen, dass der Trainer auf mich zählen kann.»

Ein Kandidat für die Startformation: Albian Ajeti. (Bild: Keystone)

Ein Kandidat für die Startformation: Albian Ajeti. (Bild: Keystone)

Gavranovic: «Ich werde nie etwas fordern»

In 27 von 34 Pflichtspielen unter Petkovic erzielte die Schweiz 70 Treffer, für die 22 Spieler besorgt waren. Zwölf von ihnen stehen auch gegen Georgien und Dänemark im Kader, einer ist auch Mario Gavranovic (29). Der Tessiner kann ein Schlitzohr auf dem Platz sein, doch er ist auch bekannt dafür, seine Gelegenheiten, wenn er wie gegen Costa Rica an der WM beginnen darf, auszulassen.

Ebenfalls im Rennen: Mario Gavranovic: (Bild: Keystone)

Ebenfalls im Rennen: Mario Gavranovic: (Bild: Keystone)

Noch gut in Erinnerung ist Gavranovics Tor zum zwischenzeitlichen Ausgleich in Belgien im vergangenen Oktober, als er eine Elvedi-Vorlage nach einem Freistoss vollstreckte. Er ist erfahrener als Ajeti, doch es ist fraglich, ob er mit seiner eher schmächtigen Körpergrösse die Idealbesetzung in der Sturmspitze und nicht in der Jokerrolle besser aufgehoben ist. Nach jenem 1:2 in Belgien schlenderte Gavranovic als Letzter aus den Katakomben, damals sagte er:

«Ich werde nie etwas fordern. Ich konzentriere mich auf meinen Job, der heisst: Parat und topfit zu sein, und wenn ich die Chance bekomme, das Tor zu machen.»

Schliesslich ist Breel Embolo (22) in der Sturmspitze ebenfalls denkbar, aber er ist es auch auf dem rechten Flügel oder hinter den Spitzen auf der Shaqiri-Position. Embolo fehlt etwas die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor, in den Jahren mit Schalke ist auch etwas die Umbekümmertheit verloren gegangen. Was Wunder, bei all seinen Verletzungen wie Bruch des Sprunggelenks und Wadenbeins, Riss des Syndesmose- und Innenbandes oder wie zuletzt im vergangenen Herbst mit dem Bruch des Mittelfusses. Embolo ist nur schon froh, wieder gesund bei der Nationalmannschaft zu sein, er sagt.

«Ich weiss, was ich der Mannschaft bringen kann. Ich bin entspannt.»

Embolo sagt, er sei sich nicht schlüssig, wo er am besten sei: «Wichtig ist, dass ich ein Instinktspieler bleibe.»

Breel Embolo im Training des Schweizer Nationalteams. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus, Zürich, 19. März 2019)

Breel Embolo im Training des Schweizer Nationalteams. (Bild: Daniela Frutiger/Freshfocus, Zürich, 19. März 2019)

Petkovic sagt, egal wer ausgefallen sei, es sei immer wieder gut gegangen. «Wir müssen das als Team auffangen.» Genau das dürfte die Stärke der Schweizer Nationalmannschaft sein. Nicht die Qualität der besonderen Einzelspieler, sondern die Tiefe in der Kaderbreite.

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