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Handball-Trainer Perkovac: «Wer nicht will, darf gehen»

Der HC Kriens-Luzern blieb in der vergangenen Saison weit hinter seinen Erwartungen zurück. Trainer Goran Perkovac ärgert dies am meisten. Er verrät, was künftig besser werden muss.
Interview: Roland Bucher
Goran Perkovac: «Ich spüre so etwas wie Aufbruchstimmung.» (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 4. September 2018))

Goran Perkovac: «Ich spüre so etwas wie Aufbruchstimmung.» (Bild: Philipp Schmidli (Kriens, 4. September 2018))

Kriens oder Luzern?

Goran Perkovac: Ich bin Luzerner, hier lebt es sich wunderbar. Könnte ich das Rad der Zeit zurückdrehen und mich als Kroate entscheiden, wo mein Lebensmittelpunkt sein soll: Ich würde mich wieder für Luzern entscheiden. Aber Ihre Frage birgt wohl auch noch einen handballerischen Aspekt.

Ja. Kriens-Luzern hat letzte Saison entschieden, sich in der eigenen Krauerhalle zu verstecken und die Luzerner Maihofhalle links liegen zu lassen. Hier haben an vielen (Europacup-)Auftritten die Luzerner Fans bewiesen, dass sie näher zum Klub rücken möchten.

Ich kenne die Gründe nicht, weshalb wir keine Heimspiele in Luzern ausgetragen haben. Das ist auch nicht meine Kernaufgabe. Aber es ist schade. Wenn wir erfolgreich in die Zukunft wollen, dann müssen wir alle ins gleiche Boot. Krienser, Luzerner, alle Handball-Zentralschweizer. Nur so können wir erfolgreich sein.

Was lief in der vergangenen Saison falsch? Abstiegsrunde, das Aus im Playoff-Viertel­final gegen Pfadi Winterthur: Das kann ja nicht der Anspruch eines kroatischen Olympiasiegers sein.

Resultatmässig bin ich gar nicht glücklich, ich hätte mir wesentlich mehr erhofft. Aber mit der Einstellung der Spieler bin ich zufrieden. Und, tönt abgedroschen, ist aber sehr wahr: Wir hatten viel Verletzungspech. Also: Der Einsatz war gut, die Cleverness in entscheidenden Momenten mässig. Daran müssen wir arbeiten.

Im Profimodus.

Bisher galt die Faustregel: 60 Prozent ordentlicher Beruf oder Studium, 40 Prozent Handball. Ich will die umgekehrte Version.

Machen alle, die im Kader der Saison 2019/20 stehen, mit?

Ich hoffe das sehr. Es ist kein Geheimnis, dass beruflich vorwärtsstrebenden Leuten wie Tom Hofstetter, Severin Ramseier oder Paul Bar die Entscheidung nicht ganz leicht fällt. Ich als Trainer sage: Wer nicht will und nicht voll hinter unserer Philosophie steht, darf gehen. Konkret: Wer nicht auf unsrer Linie mitzieht, den müssen wir durch hungrige Spieler ersetzen. Ich weiss, dass diese Konsequenz auch die Handschrift von Geschäftsführer Nick Christen trägt. Aber ich weiss auch, dass nicht alle im erweiterten Stammverein so denken.

Riecht nach Polemik.

Nein. Ich will Gradlinigkeit, das ist mein Anliegen. Sonst macht meine Arbeit bei Kriens-Luzern keinen Sinn und keine Freude.

Resigniert?

Nein, nein. Höchst motiviert! Ich will etwas bewegen. Ich spüre, dass einige unserer jungen Leute jene Bereitschaft und Leidenschaft für den Handball mitbringen, die ich fordere. Ich denke an Oertli, Delchiappio, Idrizi, Schlumpf, Goalie Eicher. Moritz Oertli unterbricht seine schulische Ausbildung und will ausloten, wo seine handballerischen Grenzen liegen. Das ist der richtige Weg. Ich spüre so etwas wie Aufbruchstimmung. Das beflügelt mich in meiner Arbeit.

Die Mannschaft erlebt gewaltige personelle Veränderungen. 6 oder 7 Leute gehen, 5 oder 6 stossen neu dazu. Ist das Team nächste Saison stärker oder schwächer?

Ich glaube, dass wir eher ein stärkeres, ausgewogeneres Kader in die neue Meisterschaft schicken werden. Luca Spengler hinterlässt eine Lücke, das weiss jeder. Ihn hätten wir gerne weiterhin in unserem Team. Aber auf dieser Position haben wir eine sehr gute Alternative gefunden. Einer, der für ähnlich viele Tore gut ist, aber defensiv ein Ankermann.

Sie reden von Aljaz Lavric. Er und sein Pendant auf der rechten Aufbauerposition, Jerney Papez, sind die beiden Königstransfers. Verraten Sie, was die beiden können.

Lavric ist ein zuverlässiger Torschütze und wie gesagt einer, der in der Defensive die Muskeln spielen lässt. Papez ist in Slowenien seit Jahren einer der besten Goalgetter. Er will Tore werfen, er will Verantwortung übernehmen. Wir haben uns im Rahmen unserer Möglichkeiten optimal verstärkt.

Die Rahmenbedingungen …

… lauten so: Schaffhausen generiert für die erste Mannschaft ein Budget von über zwei Millionen Franken, bei uns ist die Schmerzgrenze bei knapp einer Million. Ein weiteres Beispiel: St. Otmar St. Gallen wird sich für nächste Saison mit Bundesliga-Star Primos Prost, dem überragenden Goalie von Göttingen, und Flügeltalent Philipp Weber verstärken. So gesehen ist es für uns nicht einfach, dagegenzuhalten.

Droht Kriens-Luzern auch nächstes Jahr die Niederung?

Nein. Mein Ziel für die nächste Saison ist der Playoff-Halbfinal.

Und die mittelfristigen Perspektiven, bis 2023 endlich die neue Halle alles in ein strahlendes Licht rückt?

Man kann in der Formel 1 nicht mit einem VW Polo den Mercedes und den Ferrari ausbremsen. Das ist auch bei uns so. Wir brauchen so schnell wie möglich pro Saison mindestens eine halbe Million Franken mehr, um konkurrenz­fähig zu sein. Wer glaubt, dass wir noch ein paar Jahre überbrücken können, der liegt falsch. Wir müssen jetzt Gas geben, nicht in vier Jahren. Vielleicht ist dann der Zug schon abgefahren.

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