Die Nidwaldner Schützin Nina Christen ist ratlos: «Weshalb wir nicht schiessen? Ich weiss es nicht»

Trotz Corona sind viele Topathleten im internationalen Einsatz. Nicht so die Schützen, wie die Nidwaldnerin Nina Christen bedauert.

Stephan Santschi
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Seit dem Lockdown im Frühjahr hat Nina Christen nur nationale Wettkämpfe und interne Qualifikationsevents bestritten.

Seit dem Lockdown im Frühjahr hat Nina Christen nur nationale Wettkämpfe und interne Qualifikationsevents bestritten.

Corinne Glanzmann / Luzerner Zeitung

Die Wintersportarten sind im Weltcup-Betrieb, die Fussballer und Handballer tragen internationale Spiele aus, selbst die Ringer treffen sich im Dezember in Belgrad zu einem Weltcup. Bei den Schützen allerdings hagelt es weiterhin Absagen, so beispielsweise die Luftgewehr-­Events in Luxemburg (Dezember 2020) sowie Innsbruck und München (Januar 2021) gestrichen worden.

Für die Schützin Nina Christen, die im vergangenen Jahr an der Luftgewehr-EM die Silbermedaille gewann, ist dies nur schwer nachvollziehbar. «Wir betreiben ja keine Kontaktsportart. Weshalb wir nicht schiessen dürfen, weiss ich nicht. Es gäbe schon Möglichkeiten, unsere Wettkämpfe durchzuführen», sagt Christen und sie führt aus: «In der Anlage tragen wir eine Maske, die wir nur für das Schiessen selbst ablegen. Zwischen den Plätzen stehen zudem Plexiglasscheiben.»

Seit dem Lockdown im Frühjahr hat die 26-jährige Nidwaldnerin aus Wolfenschiessen deshalb nur nationale Wettkämpfe und interne Qualifikationsevents bestritten. Die Schützin, die sich mit dem Kleinkaliber- und dem Luftgewehr für die Olympischen Spiele in Tokio qualifiziert hat und dort als Medaillenkandidatin gilt, sagt:

«Es lief nicht so viel, ich habe fast nur trainiert. Manchmal ist es etwas eintönig, zudem nervt die ständige Änderung in der Planung, wenn ganze Events abgesagt werden.»

Dass sie ihre Form konservieren konnte, bewies Christen im Sommer und Herbst mit Schweizer Rekorden im 50-Meter-Dreistellungsmatch mit dem Kleinkalibergewehr und über 10 Meter mit dem Luftgewehr. Ausserdem gewann sie in Glarus den Shooting-Masters-Final gegen die gesamte weibliche und männliche Luftgewehr-Konkurrenz der Schweiz.

Ungewissheit über die Stärke der Konkurrenz

Nina Christen kommt dabei zugute, dass sie den Ernstkampf im Training realitätsnah simulieren kann. «Ich kann mich sehr gut auf Trainingswettkämpfe einlassen und meine Qualität abrufen», erklärt sie, «ich weiss, was ich kann.» Ohne die internationalen Auftritte sei sie aber nicht imstande, die Entwicklung ihrer Konkurrenz mitzuverfolgen. «Was macht aktuell die beste Athletin aus Russland, China oder Deutschland? Nutzen zwei Inderinnen womöglich die Pause, um nach vorne zu stossen?» Solche Fragen kann sie derzeit nicht beantworten.

Und so bereitet sich die Profisportlerin im Nationalen Leistungszentrum in Magglingen etwas im Ungewissen auf das in den nächsten Sommer verschobene Olympiaturnier vor. Während einer Woche finden die Einheiten jeweils unter der Leitung von Teamtrainer Enrico Friedemann statt, in der Woche darauf trainiert sie individuell. Neben dem Üben im Schiessstand betreibt Christen Konditions-, Kraft- und Mentaltraining, gerne setzt sie mit einem Abstecher auf die Langlaufloipe oder mit einer Bergwanderung auch alternative Reize. Die wichtige Phase der Olympiavorbereitung beginnt allerdings erst im März, spätestens dann sollen auch die Schützen auf die internationale Wettkampfbühne zurückkehren.

Luftgewehr-EM im März ist nächster Fixpunkt

Anfang März finden im finnischen Lohja die Europameisterschaften der Luftdruckwaffen statt, «danach folgen wichtige Weltcup-Veranstaltungen, an denen noch Qualifikationsplätze für Tokio ausgeschossen werden», sagt Nina Christen. Auf diese Termine arbeitet sie hin, wobei sie dank der Schweizer Armee finanzielle Planungssicherheit hat. Christens 50-Prozent-Arbeitsvertrag als Zeitsoldatin, der im Januar ausgelaufen wäre, ist bis Ende 2021 verlängert worden.