Andorra - Schweiz
Wie ein junger Modell-Athlet den grossen Marco Streller erzürnte – und nun Nationalverteidiger wurde

Léo Lacroix wechselte im Sommer vom FC Sion zu St. Etienne in die Ligue 1. Der 1,97 Meter grosse Innenverteidiger hat sich durchgesetzt – und einen grossen Namen verdrängt: Pogba.

Sebastian Wendel
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Der Neue: Ex-Sion-Verteidiger Léo Lacroix hat via St. Etienne den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft geschafft.

Der Neue: Ex-Sion-Verteidiger Léo Lacroix hat via St. Etienne den Sprung in die Schweizer Nationalmannschaft geschafft.

Keystone

Es ist der 7. Juni 2015. Cupfinal zwischen Basel und Sion. Und: Das allerletzte Spiel in der Karriere von Marco Streller. Für den Captain soll es ein Feiertag werden. Bei wunderbarem Wetter im «Wohnzimmer» St. Jakob-Park gegen die Sittener Cupmannschaft schlechthin – eine schönere Kulisse für den Abgang von der Profibühne kann man sich kaum vorstellen.

Doch Streller macht die Rechnung im Voraus ohne Sion-Verteidiger Léo Lacroix. Der braungebrannte Modellathlet mit brasilianischen Wurzeln hat an diesem Nachmittag nur eine Aufgabe: Streller aus dem Spiel nehmen. Lacroix versteht und zieht alle Register: Er zerrt an Strellers Trikot, steht ihm auf den Fuss, tritt ihm in die Waden und haut der FCB-Legende - wohl unabsichtlich –den Ellbogen ins Gesicht.

Tönt fies – aber: Lacroix überschreitet in keiner Szene die Fairness-Grenze. Streller sieht kein Land, verliert gefühlt jeden Zweikampf und lässt sich nach 75 Minuten entnervt auswechseln. Das letzte Spiel der Karriere endet in einem Albtraum: 0:3 verloren und im Direktduell so unterlegen wie selten zuvor. Streller ist danach angesäuert, hat aber lobende Worte übrig für Lacroix: «Er hat einen sehr guten Match gemacht und mich aus dem Spiel genommen. Ich gratuliere ihm!» Die Sätze aus Strellers Mund sind für Lacroix wie ein Ritterschlag. Nun kennt man ihn auch in der Deutschschweiz.

Dabei schaffte der Innenverteidiger bereits 2011 als 19-Jähriger den Sprung von der Sion-Jugend zu den Profis. Im Rhone-Tal schätzen sie Lacroix für seine bescheidene und ruhige Art – und verzeihen ihm die Patzer, die ihm den Durchbruch lange verwehrten. Doch der Cupfinal in Basel gegen Streller ändert alles: Lacroix macht in der kommenden Saison dort weiter, wo er im St. Jakob-Park aufgehört hat. Der Lohn ist ein Vertrag in Frankreich. Was für die Deutschschweizer die Bundesliga ist, ist für die Welschen die Ligue 1. Lacroix unterschreibt vor einem Monat bei der AS St. Etienne und sagt: «Ein Traum geht in Erfüllung.»

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So schön wie der Traum ist auch die Realität: Lacroix ist seit Anfang an Stammspieler, hat keine Minute verpasst. Übrigens: Auf Kosten von Pogba, der seither auf der Ersatzbank sitzt. Nicht 102-Millionen-Mann Paul Pogba von Manchester United. Sondern dessen Bruder Florentin. Aber immerhin.

Und nun also das erste Aufgebot für die Nationalmannschaft als Ersatz für Abwehrchef Johan Djourou. Wobei Lacroix nicht auf Anhieb mit einem Einsatz rechnet: «Hier sind viele grosse Spieler, die in grossen europäischen Ligen spielen. Ich bin hier, um die Gruppe kennen zu lernen und bereit zu sein.» Im ersten Moment bescheidene Töne – doch zwischen den Zeilen sagt Lacroix: «Ich bin nicht das erste und letzte Mal hier. Nach der Angewöhnungszeit will ich spielen.»