Kommentar

Wie unabhängig ist die neue Ethikkommission beim Turnskandal? Die Glaubwürdigkeit steht auf dem Spiel

Eine neue Ethikkommission soll die Vorfälle rund um den Turnskandal von Magglingen untersuchen. Doch schon jetzt wird die Unabhängigkeit kritisch hinterfragt - weil ein Mitglied vorzeitig ausscheidet. Der STV musste damit rechnen.

Raphael Gutzwiller
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Raphael Gutzwiller

Raphael Gutzwiller

Es ist das nächste unwürdige Kapitel in den Turnskandalen von Magglingen. Voller Stolz präsentierte der Schweizerische Turnverband die neue Ethikkommission mit sechs Mitgliedern, welche die Fälle untersuchen soll. Natürlich völlig unabhängig und objektiv. Noch bevor die Kommission die Arbeit aufgenommen hat, muss ein Mitglied, Dominik Meli, bereits wieder gehen. Wegen Vorwürfen zu Versäumnissen in Bezug auf Missstandsmeldungen, die in Melis Zeit als Präsident des St. Galler Turnverbandes fallen.

Vorgeschlagen wurden die sechs Mitglieder – jetzt noch deren fünf – von den Kantonalturnverbänden. Von den konstituierenden Mitgliedern des Schweizerischen Turnverbands also, dem man vorwirft, ethische Probleme seit Jahren systematisch unter den Teppich zu kehren. Zudem müssen Mitglieder der Ethikkommission nach Reglement einen Bezug zum Turnen mitbringen. Die Frage ist erlaubt: Wie unabhängig kann so ein Gremium überhaupt sein?

Angesichts diese Prozederes musste der Turnverband geradezu damit rechnen, dass genau das passiert, was nun eingetroffen ist: Dass die Unabhängigkeit und die Glaubwürdigkeit der Ethikkommission auf dem Spiel steht. Und dass ihre Untersuchung zur Farce verkommen könnte. Jetzt liegt es an den fünf verbleibenden Mitgliedern der Kommission, den Gegenbeweis zu erbringen. Im Interesse der mutmasslichen, teils minderjährigen Opfer des Turnsports.