Wie Kossmann Ambri taktisch schlau macht

Drucken
Teilen
Der Trainer von Ambri-Piotta Hans Kossmann bei einem Spiel im Oktober. (Bild: Keystone/ Jean-Christophe Bott)

Der Trainer von Ambri-Piotta Hans Kossmann bei einem Spiel im Oktober. (Bild: Keystone/ Jean-Christophe Bott)

Spielphilosophie kza. Hans Kossmann (im Bild) hat nicht einfach Ambris Mannschaft umgestellt. Er verändert die Spielphilosophie. Ambri hatte – mit Ausnahme der «Belle Epoque» um die Jahrhundertwende mit dem Qualifikationssieg und der verlorenen Finalissima von 1999 gegen Lugano – nie spielerisch grosse Mannschaften, grosse Einzelspieler hingegen schon, von Andy Bathgate bis Inti Pestoni. Nicht Talent macht Ambri aus, sondern Leidenschaft und Wille. Deshalb ist Ambri dazu verurteilt, im «Polka-Stil» zu siegen. Will heissen: mit Vollgas vorwärts. Die Polka ist ein Rundtanz im schnellen Zweivierteltakt. Eine Polka kann nicht langsam gespielt werden. So wie Carlo Brunner, Hans Muff und Jost Ribary durch rassige Melodien und nicht als Blueser berühmt geworden sind, so steht Ambri für emotionales Vorwärtsspiel und nicht für rationelles Resultathockey.

Aber bei 50 Qualifikationsspielen, bei einem Modus mit zwei Runden in zwei Tagen hat niemand mehr die Energie, um mit wildem «Puckeroberungshockey» fehlendes Talent zu kompensieren. Wer die Playoffs schaffen will, muss dazu in der Lage sein, auch mal berechnendes, taktisches Hockey zu spielen. Nicht immer Polka. Nicht immer Vollgas. Die Voraussetzung dazu: Disziplin, Konzentration, Spielorganisation, funktionierendes Box- und Powerplay sowie die Reduktion der Fehler und Missverständnisse, was in einem so schnellen, auf einer glatten Unterlage ausgetragenen Spiel wie Eishockey schwierig ist. Auch deshalb rutschen die Trainer in Ambri immer wieder aus.

Die erstaunlichen Fortschritte

Hans Kossmann ist ein Anhänger des taktischen Hockeys, des strukturierten, disziplinierten Spiels. Freihändige Offensive mag er nicht. Lieber ruhig und langweilig siegen als wild und dramatisch verlieren. Er ist daran, Ambri nach und nach zu verändern und taktisch schlau zu machen. Vier von sechs Spielen hat er gewonnen, zuletzt hintereinander in der Valascia gegen Langnau (4:2), Lausanne (4:1) und Biel (2:1). Und dabei hat die Mannschaft erstaunliches taktisches Hockey gespielt. Kossmann sagt: «Wir haben gegen ein starkes Lausanne gewonnen, weil wir taktisch erstmals ebenso diszipliniert waren wie der Gegner. Gegen Biel waren wir in diesem Bereich noch besser, und deshalb ist es uns gelungen, den Sieg über die Zeit zu retten.» Ja, das 2:1 gegen Biel war ein taktisches Meisterstück. Bei fünf gegen fünf Feldspielern gewann ein nominell besseres Biel zwar 1:0. Ambri erzielte seine beiden Treffer im Powerplay. Und als Oliver Kamber in der Schlussphase (57:07) auf die Strafbank verbannt wurde, hielt ein müde gewordenes Ambri mit exzellentem Boxplay dem letzten wuchtigen Ansturm des Gegners stand. Noch am 31. Oktober hatte Ambri im zweiten Spiel unter Kossmann gegen dieses Biel ein 2:0 nicht über die Zeit gebracht und in der Verlängerung 2:3 verloren. Ambris taktische Fortschritte seit dieser Niederlage sind erstaunlich.

Verteidiger mit zentraler Funktion

Grosse Teams wie die ZSC Lions, Davos oder Zug kann Ambri so nur in Ausnahmefällen in Schach halten – aber in den letzten Partien hat sich gezeigt, dass die Gegner aus der zweiten Tabellenhälfte mit taktischer Schlauheit besiegt werden können. Eine zentrale Funktion bei der Spielorganisation haben die Verteidiger. Deshalb wird Sportchef Ivano Zanatta den bis Jahresende abgeschlossenen Vertrag mit Ersatzausländer Markus Nordlund (30) bis Saisonende verlängern. Der sanfte schwedische Riese war gegen Biel ein grosser Verteidigungsminister. Kossmann: «Wir haben jetzt sechs Ausländer. So viele brauchen wir, wenn wir die Playoffs erreichen wollen. Wir können es uns nicht leisten, einzelne Partien nur mit drei Ausländern zu spielen, weil einer verletzt ausgefallen ist.»