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Zwei Schweizer in den Viertelfinals: Wie Stan Wawrinka und Roger Federer alle Lügen strafen

Stan Wawrinka und Roger Federer stehen bei den US Open bereits in den Viertelfinals. Nur noch je ein Sieg trennt sie von einem Schweizer Duell in den Halbfinals. Doch schon jetzt ist es das Turnier, indem die beiden alle Kritiker und Zweifler Lügen strafen.
Simon Häring
Roger Federer und Stan Wawrinka trennt noch je ein Sieg vor einem Wiedersehen in den Halbfinals der US Open (Bild: Keystone).

Roger Federer und Stan Wawrinka trennt noch je ein Sieg vor einem Wiedersehen in den Halbfinals der US Open (Bild: Keystone).

Genügsam sei er geworden, vielleicht ein wenig bequem. Ein bisschen zu dankbar, zwei Jahre nach zwei Operationen am linken Knie, den Anschluss an die Weltspitze wieder geschafft zu haben. Eingereiht irgendwo im Nirgendwo zwischen jenen, die um die grossen Titel spielen und jenen, die zwischendurch einmal für Glanzpunkte sorgen. Dort, wo der Verdienst gross, die Aufmerksamkeit und die damit verbundenen Verpflichtungen dafür klein sind – in der Komfortzone. Und nach dem enttäuschend verlaufenen Sommer wurde nicht nur hinter vorgehaltener Hand moniert, Stan Wawrinka lasse den nötigen Biss vermissen, der ihm geholfen hatte, spät in seiner Karriere die Metamorphose vom Mitläufer zum Sieger zu vollziehen.

Doch in der Nacht auf Montag demonstrierte Stan Wawrinka, dass es noch immer in ihm steckt. Dass er noch immer der Mann für die besonderen Momente auf den grössten Bühnen sein kann, als er gegen Titelverteidiger Novak Djokovic in den Achtelfinals der US Open die ersten beiden Sätze gewann, ehe dieser beim Stand von 6:4, 7:5, 2:1 für den Schweizer wegen einer Blessur an der linken Schulter aufgeben musste. Djokovic ist der dominierende Spieler des letzten Jahrzehnts, der Serbe hat seit 2014 10 von 23 Grand-Slam-Turnieren gewonnen und dabei 122 Siege gefeiert. Nur 13 Mal hat er in dieser Zeit den Platz als Verlierer verlassen, nie gegen Roger Federer, nur gegen zwei Spieler mehr als ein Mal – zwei Mal gegen Dominic Thiem. Aber vier Mal gegen Stan Wawrinka, letztmals 2016 im Final der US Open.

Wawrinkas Rückkehr wie ein Wunder

Zeit seines Lebens war es seine Rolle, jene Lügen zu strafen, die in ihm einen Verlierer sahen, nicht zuletzt sich selbst. Unvergessen der Satz, den er einst selber formuliert hatte: «Ich bin der Schweizer, der verliert.» Wenn er am Dienstag auf den 23-jährigen Daniil Medvedev (ATP 5) trifft, ist das für den 34-Jährigen auch ein Rendez-vous mit der Vergangenheit. Es war am 3. Juli 2017, als Wawrinka in Wimbledon zum bisher einzigen Mal auf den Russen traf und verlor. Wawrinka brach danach die Saison ab, liess in zwei Eingriffen einen Knorpelschaden im linken Knie beheben und pausierte für ein halbes Jahr. Angesichts der Schwere der Verletzung sprechen selbst die Ärzte von damals von einem Wunder, dass Wawrinka wieder Tennis spiele. Auch hier strafte er Zweifler und Kritiker Lügen. Einmal mehr.

Auch Roger Federer begleiten solche Stimmen. Über zehn Jahre ist es her, dass er erstmals mit der Frage nach dem Rücktritt konfrontiert wurde. Gar seit elf Jahren wartet er nun auf einen Sieg bei den US Open, die er von 2004 bis 2008 fünf Mal in Folge gewonnen hat. 2016, als er sich den Meniskus im linken Knie riss und ein halbes Jahr pausieren musste, hatte er schon seit vier Jahren kein Grand-Slam-Turnier. Auch dem Baselbieter traute damals kaum jemand die Rückkehr an die Weltspitze zu. Selbst er, der Sieger, stellte sich diese Frage. Doch es kam anders. Federer gewann drei weitere Grand-Slam-Turniere, und wurde noch einmal die Nummer 1 der Welt. Während der US Open stellte der inzwischen 38-Jährige in Aussicht, auch mit 40 Jahren noch auf dem Platz zu stehen. Denn so gut, wie er sich derzeit fühle, spreche wenig gegen dieses Szenario, das vor zweieinhalb Jahren noch utopisch schien.

2010: Achtelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 6:3, 7:6 (7:5), 6:2Das erste Duell zwischen den beiden Schweizern auf Stufe Grand Slam geht in Paris klar und deutlich in drei Sätzen an Roger Federer. Eine Runde später unterlag er allerdings Robin Söderling und konnte seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. (Bild: Keystone)2010: Achtelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 6:3, 7:6 (7:5), 6:2
Das erste Duell zwischen den beiden Schweizern auf Stufe Grand Slam geht in Paris klar und deutlich in drei Sätzen an Roger Federer. Eine Runde später unterlag er allerdings Robin Söderling und konnte seinen Titel aus dem Vorjahr nicht verteidigen. (Bild: Keystone)
2011: Viertelfinal Australian Open: Federer s. Wawrinka 6:1, 6:3, 6:3Beide lachen, aber nur einer hat gewonnen. Roger Federer räumt in Melbourne in der Runde der letzten 8 seinen Landsmann ohne Probleme aus dem Weg. Im Halbfinale schied Federer schliesslich gegen Djokovic in drei Sätzen aus. (Bild: Keystone)2011: Viertelfinal Australian Open: Federer s. Wawrinka 6:1, 6:3, 6:3
Beide lachen, aber nur einer hat gewonnen. Roger Federer räumt in Melbourne in der Runde der letzten 8 seinen Landsmann ohne Probleme aus dem Weg. Im Halbfinale schied Federer schliesslich gegen Djokovic in drei Sätzen aus. (Bild: Keystone)
2011: Achtelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 6:3, 6:2, 7:5Wieder Paris, wieder Achtelfinal, wieder ein Drei-Satz-Sieg für den «Maestro». Für einmal aber ist das Turnier für Federer nach dem Sieg gegen Wawrinka nicht in der nächsten Runde vorbei. Er kämpft sich in den Final vor, unterliegt dort aber Rafael Nadal in vier Sätzen. (Bild: Keystone)2011: Achtelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 6:3, 6:2, 7:5
Wieder Paris, wieder Achtelfinal, wieder ein Drei-Satz-Sieg für den «Maestro». Für einmal aber ist das Turnier für Federer nach dem Sieg gegen Wawrinka nicht in der nächsten Runde vorbei. Er kämpft sich in den Final vor, unterliegt dort aber Rafael Nadal in vier Sätzen. (Bild: Keystone)
2014: Viertelfinal Wimbledon: Federer s. Wawrinka 3:6, 7:6 (7:5), 6:4, 6:4Zum ersten Mal kann Wawrinka Federer an einem Grand Slam einen Satz abnehmen. Dennoch jubelt am Ende der «Rasenkönig». Er zieht dank einem Vier-Satz-Sieg in den Halbfinal ein, wo er Milos Raonic ausschaltet und zum Schluss gegen Novak Djokovic den Final verliert. (Bild: Keystone)2014: Viertelfinal Wimbledon: Federer s. Wawrinka 3:6, 7:6 (7:5), 6:4, 6:4
Zum ersten Mal kann Wawrinka Federer an einem Grand Slam einen Satz abnehmen. Dennoch jubelt am Ende der «Rasenkönig». Er zieht dank einem Vier-Satz-Sieg in den Halbfinal ein, wo er Milos Raonic ausschaltet und zum Schluss gegen Novak Djokovic den Final verliert. (Bild: Keystone)
2015: Viertelfinal French Open: Wawrinka s. Federer 6:4, 6:3, 7:6 (7:4)Auf dem Weg zu seinem zweiten Grand-Slam-Titel ist auch für Roger Federer gegen Stan Wawrinka kein Kraut gewachsen. Der Romand spielt sich in einen regelrechten Rausch und siegt glatt in drei Sätzen. Es ist sein erster Sieg bei einem Turnier der höchsten Stufe gegen Federer. (Bild: Keystone)2015: Viertelfinal French Open: Wawrinka s. Federer 6:4, 6:3, 7:6 (7:4)
Auf dem Weg zu seinem zweiten Grand-Slam-Titel ist auch für Roger Federer gegen Stan Wawrinka kein Kraut gewachsen. Der Romand spielt sich in einen regelrechten Rausch und siegt glatt in drei Sätzen. Es ist sein erster Sieg bei einem Turnier der höchsten Stufe gegen Federer. (Bild: Keystone)
2015: Halbfinal US Open: Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1Die Haltung Federers bei diesem Smash sieht zwar unkonventionell aus, dennoch hat der Baselbieter in New York alles im Griff - vor allem seinen Schweizer Gegner, Stan Wawrinka. Dank einem problemlosen Drei-Satz-Erfolg zieht er in der amerikanischen Metropole in den Final ein, wo er aber wieder einmal seinen Meister in Novak Djokovic findet.2015: Halbfinal US Open: Federer s. Wawrinka 6:4, 6:3, 6:1
Die Haltung Federers bei diesem Smash sieht zwar unkonventionell aus, dennoch hat der Baselbieter in New York alles im Griff - vor allem seinen Schweizer Gegner, Stan Wawrinka. Dank einem problemlosen Drei-Satz-Erfolg zieht er in der amerikanischen Metropole in den Final ein, wo er aber wieder einmal seinen Meister in Novak Djokovic findet.
2017: Halbfinal Australian Open: Federer s. Wawrinka 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3In einem dreistündigen Abnützungskampf behält Federer bei seinem Grand-Slam-Comeback die Oberhand. Zudem besiegt er den Wawrinka-Fluch. Noch nie hatte er bis zu diesem Turnier einen Grand-Slam-Titel an sich reissen können, nachdem er seinen Landsmann ausgeschaltet hatte. Im darauffolgenden Final bezwingt Federer Dauerrivale Nadal ebenfalls in fünf elektrisierenden Sätzen.2017: Halbfinal Australian Open: Federer s. Wawrinka 7:5, 6:3, 1:6, 4:6, 6:3
In einem dreistündigen Abnützungskampf behält Federer bei seinem Grand-Slam-Comeback die Oberhand. Zudem besiegt er den Wawrinka-Fluch. Noch nie hatte er bis zu diesem Turnier einen Grand-Slam-Titel an sich reissen können, nachdem er seinen Landsmann ausgeschaltet hatte. Im darauffolgenden Final bezwingt Federer Dauerrivale Nadal ebenfalls in fünf elektrisierenden Sätzen.
2019: Viertelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:5), 6:4Wieder liegt Stan Wawrinka auf dem Rücken beziehungsweise wieder einmal hat er gegen Roger Federer das Nachsehen. Im achten Grand-Slam-Duell verliert er zum siebten Mal. Für Federer ist danach im Halbfinal gegen Rafael Nadal Schluss.2019: Viertelfinal French Open: Federer s. Wawrinka 7:6 (7:4), 4:6, 7:6 (7:5), 6:4
Wieder liegt Stan Wawrinka auf dem Rücken beziehungsweise wieder einmal hat er gegen Roger Federer das Nachsehen. Im achten Grand-Slam-Duell verliert er zum siebten Mal. Für Federer ist danach im Halbfinal gegen Rafael Nadal Schluss.
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Federer gegen Wawrinka: Alle acht bisherigen Grand-Slam-Duelle in Bildern

Wie auch jenes, das nun in New York Tatsache werden könnte. Setzt sich Roger Federer in den Viertelfinals gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov (28, ATP 78) durch und Stan Wawrinka bezwingt Daniil Medvedev, der die letzten beiden Partien nur mit Schmerzmitteln überstand und mit diversen Mätzchen den Unmut des Publikums auf sich zog, treffen die beiden Schweizer zum dritten Mal nach den US Open 2015 und den Australian Open 2017 in den Halbfinals eines Grand-Slam-Turniers aufeinander. Roger Federer gewann beide Duelle. Lügen gestraft haben die beiden ihre Kritiker aber bereits heute. Einmal mehr.

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