Wie stark wackelt das Gerüst des SC Kriens?

Heute (18.15) daheim gegen die Grasshoppers spielt der SC Kriens das drittletzte Spiel der Saison. Doch was kommt danach?

Turi Bucher
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Die Krienser bejubeln das Tor zum 3:1 von Asumah Abubakar gegen Aarau.

Die Krienser bejubeln das Tor zum 3:1 von Asumah Abubakar gegen Aarau.

Bild: Freshfocus (Kriens, 14. Juli 2020)

Gerne hätte man in der Fussball-Innerschweiz gesehen, wie der SC Kriens in den letzten beiden Wochen der Challenge-League-Meisterschaft im Kampf um den zweiten Rang noch ein Wörtchen mitgeredet hätte. Dieser zweite Rang – er bringt am Schluss noch zwei zusätzliche Spiele gegen den Zweitletzten der Super League – öffnet die Tür zu ebendieser obersten Schweizer Liga. Kriens (33 Spiele/50 Punkte) musste in den letzten Partien sportlich abreissen lassen. Zu gross war der Substanzverlust, zu lang die Verletzten- und Absenzenliste im Vergleich mit den Grasshoppers (32/59) und Vaduz (33/58).

Was Kriens aber noch ein wenig beeinflussen kann: Wer es denn im Zweikampf GC – Vaduz am Schluss aufs Barragetreppchen schafft. Denn Kriens spielt gegen beide Clubs noch im heimischen Kleinfeld: heute (18.15) gegen die Zürcher; am Sonntag in einer Woche (16.00) gegen die Liechtensteiner.

So ganz nebenbei könnte der SCK auf diese Weise und in seiner zweiten Saison nach dem Wiederaufstieg auch den hervorragenden Saisonrang 4 verteidigen. Denn ab 11. September, wenn die Saison 2020/2021 losgehen soll, heisst es für die Mannschaft von Trainer Bruno Berner wieder: Abstiegskampf! Mannschaft? Wie soll dieses Team dann überhaupt aussehen? Schliesslich haben sich diverse Spieler diese Saison mit herausragenden Leistungen sozusagen selber in die Notizblöcke von Sportchefs bei höher dotierten Clubs geschrieben. Nach dem vorzeitigen Abgang des letztjährigen Torschützenkönigs Nico Siegrist und Stammtorhüter Sebastian Osigwe – laut Trainer Berner einer der drei besten Goalies der Challenge League –, haben wir fünf weitere Teamstützen unter die Lupe genommen. Wie stark wackelt das SCK-Gerüst?

Follonier: Der FC Luzern bestimmt, wo’s lang geht

Daniel Follonier

Daniel Follonier

Daniel Follonier, der 26-jährige Offensivspieler aus Siders, lieferte in Kriens eine exzellente Rückrunde ab. Aber: Er steht beim FC Luzern unter Vertrag. Und zwar noch bis nächsten Sommer. «Wir würden ihn natürlich gerne behalten», sagt SCK-Sportchef Bruno Galliker. «‹Follo› hat mir signalisiert, dass er nicht abgeneigt sei. Ebenso der FCL.» Den Lohn des ehemaligen Servettien müssten der FCL und der SCK wohl weiterhin gemeinsam in die Buchhaltung nehmen. Follonier selber, der in Root wohnt, erklärt: «Ich werde mit FCL-Sportchef Remo Meyer und mit Bruno Galliker sprechen. Ich will in der Super League spielen. Wenn das nicht möglich ist, dann bleibe ich in Kriens.» Andere Angebote habe er, so Follonier, im Moment keine. Auch von Servette nicht. Der Verbleib Folloniers hängt letztlich auch davon ab, ob FCL-Trainer Fabio Celestini ihn ins FCL-Kader zurückholen will oder nicht.

Abubakar: «Rumors, only rumors»

Asumah Abubakar

Asumah Abubakar

«Wir haben keine Angebote von einem anderen Verein und gehen deshalb davon aus, dass Asumah Abubakar seinen Vertrag bis Sommer 2021 erfüllt und weiterhin für uns Tore schiesst», sagt Galliker. Der SCK-Chef war im letzten Sommer von einem Spielervermittler seines Vertrauens auf den Portugal-Ghanaer aufmerksam gemacht worden und offerierte «Abu» einen Profivertrag. Der 23-jährige, in Kriens wohnhafte Stürmer sagt: «Kriens hat mir das geboten, wozu ich in Holland keine Chance mehr hatte – die Gelegenheit, meine Qualitäten, mein Talent zu zeigen.» Abubakar wurde zuletzt mit dem heutigen Kriens-Gegner GC, aber auch mit dem FCL und dem FC Zürich in Verbindung gebracht. «Rumors, only rumors», («Gerüchte, nur Gerüchte») glaubt der antrittsschnelle und trickreiche SCK-Topskorer.

Dzonlagic: Genesung für nächste Kriens-Saison

Omer Dzonlagic

Omer Dzonlagic

Auch der Verbleib von Flügelsprinter Omer Dzonlagic ist noch nicht gesichert. «Wenn ich den Schritt in die Super League machen kann, dann wird auch der SC Kriens einverstanden sein», meint der 25-Jährige mit bosnisch-herzegowinischen Wurzeln und Berner Dialekt. Wie Follonier schussstark, hatte Dzonlagic zuletzt Pech mit einer kleinen Fraktur am Wadenbeinkopf. «Ich will wieder gesund werden und so schnell wie möglich den Ball am Fuss haben», sagt er. «Er soll genesen, um mit dem SC Kriens in die neue Saison zu starten», blickt Kriens-Trainer Bruno Berner in den nächsten Herbst.

Jan Elvedi: Abschied in Richtung Deutschland

Jan Elvedi

Jan Elvedi

Der Zwillingsbruder von Gladbach-Verteidiger und Nationalspieler Nico Elvedi wird in der nächsten Saison ziemlich sicher nicht mehr für Kriens spielen. Jan Elvedi (23) war am letzten Dienstag im Krienser Auswärtsspiel gegen Stade Lausanne-Ouchy nicht mit dabei, weil er vor medizinischen Tests in Deutschland stand und so Verletzungsgefahr bestanden hätte. Der Weg führt für in die 2. Bundesliga, und zwar zu Jahn Regensburg. Der Medizincheck soll gestern stattgefunden haben. «Ich wollte schon letzten September den Vertrag mit Jan verlängern, doch er wollte abwarten», zeigt Galliker Verständnis. Jan zu Jahn: Für den Abwehrchef muss der SCK dringend ebenbürtigen Ersatz finden.

Burim Kukeli: Mehr Engagement im Verein

Burim Kukeli

Burim Kukeli

Galliker trifft sich nächste Woche mit Captain Burim Kukeli zum Mittagessen. Bei Kukeli ist nicht ein möglicher Wechsel das Problem, sondern das Alter. Der ehemalige albanische Nationalspieler ist 36. «Aber er hat noch die Fitness für eine weitere Saison», ist Galliker überzeugt. Es hängt also von Kukeli selber ab. Dieser meint: «Die Fitness ist noch da. Ich wäre bereit.» Kukeli hat in den vergangenen Wochen in Albanien den Trainerkurs für das Uefa-A-Diplom absolviert. Deshalb wird er Galliker beim Mittagessen folgendes vorschlagen: «Ich möchte beim SC Kriens eine zusätzliche Aufgabe, ein zusätzliches Amt. Nicht zu extrem, denn ich möchte auf dem Platz meine Leistung bringen.»

Das kann Kukeli heute gegen die Grasshoppers nicht. Er kassierte am Dienstag gegen Stade Lausanne-Ouchy (0:2) nach einem Corner einen Ellbogenschlag in den Rücken und musste sich früh auswechseln lassen. Die Diagnose nach einer «schlimmen Nacht»: Rippenbruch und Saisonende.

Für das heutige Spiel gegen Aufstiegskandidat GC sind übrigens nur noch Tickets für insgesamt 50 Stehplätze erhältlich. Sie stehen heute von 15 Uhr bis 16.30 im SCK-Shop im Stadion Kleinfeld zum Verkauf.

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