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Wieder versagen die Rockets in der NBA - und damit auch Clint Capela

Noch vor wenigen Tagen hatte Clint Capela beste Aussichten, als erster Schweizer der Geschichte NBA-Champion zu werden. Doch wieder einmal versagten den Houston Rockets im Playoff die Nerven.
Nicola Berger
Clint Capela verpasst den NBA-Triumph. (Bild: AP Photo/Eric Christian Smith/AP (Houston, 6. Mai 2019))

Clint Capela verpasst den NBA-Triumph. (Bild: AP Photo/Eric Christian Smith/AP (Houston, 6. Mai 2019))

Der Ton im Umgang mit den Houston Rockets hat sich verschärft, er ist unversöhnlich ­geworden. Sogar die offizielle Ligaseite «nba.com», eine PR-Schleuder, schrieb von einem «Kollaps» und dass nun «grosse Fragen» auf die Rockets warten würden. Schon wieder ist Houston im Playoff an den Golden State Warriors gescheitert, zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren.

Die Warriors sind die Nemesis dieser Organisation, die Rockets schaffen es einfach nicht, sie zu überwinden, sie versagen auf immer andere Weise. Im Vorjahr schafften sie das Kunststück, im Spiel 7 des Western-Conference-Finals 27 3-Punkte-Würfe in Folge zu verfehlen. Dieses Mal unterlagen sie dem Serienmeister aus Oakland in sechs Spielen. Und das obwohl der beste Warriors-Skorer Kevin Durant zuletzt verletzt fehlte. Daryl Morey, der General Manager der Rockets, sagte: «Wenn du dich mit dem König anlegst, verfehlst du dein Ziel besser nicht.» Doch just das geschah den Rockets zu oft. Von den Schlüsselspielern erreichte kaum einer konstant sein Rendement, auch Clint Capela nicht.

Capela entgehen zwei Millionen Dollar

Der 24-jährige Genfer spielte enttäuschende Playoffs. Er bleibt der perfekte Center für das System der Rockets, er ist ein überdurchschnittlicher Verteidiger mit schnellen Händen, der ein sehr effektiver Skorer sein kann, wenn man ihn so in Szene setzt wie der Rockets-Superstar James Harden das oft tut. Doch gegen die Warriors wirkte Capela überfordert, ihm gelang wenig. Darunter litt offenkundig sein Selbstvertrauen, was zur Konsequenz hatte, dass er nur 42,9 Prozent seiner Freiwürfe verwandelte. Niemanden wird das mehr ärgern als ihn selber: Durch das Verpassen des Conference Finals entgeht ihm ein Vertragsbonus in der Höhe von einer Million Dollar. Schon die Qualifikationsphase hatte ihn eine Million gekostet: Je 500 000 Dollar wären ihm garantiert gewesen, hätte er gewisse statistische Werte erreicht, in den Kategorien Offensivrebound und Freiwurf-Quote. Er verpasste beide, sein Salär in der abgelaufenen Saison betrug aber noch immer 15,39 Millionen Dollar.

Auf Capela und die Rockets wartet nun ein langer Sommer – und die Frage, was das Team noch unternehmen kann, um zu verhindern, dass das Warten auf einen Titel ein 25. Jahr anhalten wird. Der Coach Mike D’Antoni sagte:

«Diese Niederlage hinterlässt Spuren. Dieses Mal kommt man nicht einfach darüber hinweg.»

Und der Teambesitzer Tillman Fertitta sagte:

«Sie haben uns vor dem eigenen Publikum in den Arsch getreten, das ist inakzeptabel.» Er versprach Besserung – und stellte Veränderungen in Aussicht.

Doch es fragt sich, wie diese aussehen könnten. Der Manager Morey hat kaum Handlungsspielraum, praktisch alle Verträge laufen weiter, die Rockets bewegen sich überdies nahe an der Salär­obergrenze – alleine Harden, Capela und Chris Paul sind zusammen mehr als 90 Millionen teuer. Schon im Sommer 2018 war das so, damals entschied sich Morey dafür, mit der Verpflichtung des in die Jahre gekommenen früheren All-Stars Carmelo Anthony ein Experiment zu wagen. Es scheiterte krachend – Anthony wurde nach zehn Einsätzen aus dem Kader gestrichen, kein anderes Team verpflichtete ihn mehr.

Hoffen auf das Ende der Dynastie

Die Hoffnung auf bessere Zeiten nährt sich darum vor allem auf der Annahme, dass die Dynastie der Warriors nicht ewig bestehen wird. Die Verträge von DeMarcus Cousins, Klay Thomp­son und Kevin Durant laufen aus, Durant wird seit Monaten mit den New York Knicks und den Los Angeles Clippers in Verbindung gebracht. Zuletzt sorgte für Aufregung, dass er seine Strandvilla in Nordkalifornien verkauft – in Nordamerika wird ja alles als Indiz gewertet, beispielsweise, ob ein Spieler einem bestimmten Klub auf Instagram oder Twitter folgt – es ist ein bisschen irre.

Auch Capela und Co. werden die Entwicklungen mit grossem Interesse verfolgen. Ihnen ist nach der desillusionierenden letzten Woche klarer denn je, dass sich etwas ändern muss, soll die Durststrecke ein Ende finden – die Lichtgestalt Harden kann den Titel nicht alleine gewinnen. Harden wird im August 30 Jahre alt. Noch bleiben ihm Jahre in der Blüte seines Schaffens. Doch mit jeder Playoff-Enttäuschung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er Aufnahme im inoffiziellen Klub der besten Spieler der Basketballgeschichte finden wird, die nie einen Titel gewinnen konnte. Wie vor ihm Charles Barkley, Allen Iverson, Karl Malone oder Patrick Ewing. Auch dem Rockets-Besitzer Fertitta ist bewusst, dass die Uhr tickt. Er sagt: «Auch Hakeem Olajuwon hat seinen ersten Titel mit den Rockets erst mit 31 Jahren gewonnen. Wir werden mit James Harden viele Meisterschaften feiern.» Sein Optimismus klang auch schon überzeugender.

NBA. Playoffs (best of 7). Viertelfinals. Eastern Conference: Toronto (2. der Qualifikation) – Philadelphia (3.) 92:90; Schlussstand 4:3. – Western Conference: Denver (2.) – Portland (3.) 96:100; Schlussstand 3:4. -
Halbfinals: Milwaukee (1.) – Toronto (2.); Golden State (1.) – Portland (3.).

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