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Wieso sein Handy Alex Wilson vor einem Dopingfall schützt

US-Supersprinter Christian Coleman geriet wegen drei verpasster Dopingkontrollen vor der WM in Verdacht. Alex Wilson erklärt die Aufgaben des Athleten bei der Meldepflicht. Kommt er dem nicht gewissenhaft nach, droht eine Sperre.
Rainer Sommerhalder
Alex Wilson braucht das Handy nicht nur, um Selfies zu schiessen. Mit ihm meldet er Antidoping Schweiz seinen Standort. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Bürgenstock, 8. July 2019)

Alex Wilson braucht das Handy nicht nur, um Selfies zu schiessen. Mit ihm meldet er Antidoping Schweiz seinen Standort. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Bürgenstock, 8. July 2019)

Alex Wilson zückt sein Handy. Der Schweizer Rekordhalter über 100 m und 200 m zieht den praktischen Anschauungsunterricht theoretischen Erklärungen vor. Fast täglich loggt er sich auf der Homepage von Antidoping Schweiz ein. Dort muss der EM-Dritte von 2018 einerseits viermal im Jahr jeweils für das nächste Quartal in einem Terminplan eintragen, wo er sich an welchem Tag befindet. Selbstverständlich kann er diese Angaben laufend aktualisieren.

Später muss Wilson für jeden einzelnen Tag eine auf die Stunde genaue Übersicht seiner Tätigkeiten inklusive Standorteingabe vornehmen. Das benötigen die Dopingkontrolleure, um ihn für überraschende Dopingtests jederzeit aufspüren zu können.

Was passieren kann, wenn diese Informationen falsch sind, hat der US-Amerikaner Christian Coleman vor einigen Wochen erfahren. Wer für eine Kontrolle unauffindbar ist, erhält eine Verwarnung. Drei Verwarnungen in einem Jahr ziehen eine Dopingsperre nach sich. Die US-Antidopingbehörde hat den Favoriten des samstäglichen 100-m-Finals an der WM in Doha unlängst provisorisch suspendiert.

Die US-Dopingbehörde kannte das eigene Reglement nicht

Weil das Reglement aber vorsieht, dass ein verpasster Test jeweils auf den ersten Tag des jeweiligen Quartals zurückdatiert wird, entging Coleman einer definitiven Sperre knapp. Obwohl die Usada mit der mangelnden Kenntnis über das eigene Reglement keine gute Figur abgab und den Star zu Unrecht an den Pranger stellte, läuft bei Coleman künftig wohl immer ein Verdacht mit.

Während Coleman als internationaler Topstar dem Kontrollpool des Weltverbandes unterstellt ist, gehört Wilson zu den aktuell rund 230 Schweizer Athleten in den relevanten Sportarten, welche diese Prozedur gemäss Definition der nationalen Antidopingagentur über sich ergehen lassen müssen.

Dabei gibt es Nuancen. Im internationalen System muss der Athlet pro Tag eine Stunde eingeben, in der er auf jeden Fall erreichbar ist. Antidoping Schweiz hingegen verlangt eine durchgehende Agenda. Dafür besteht mehr Handlungsspielraum, sollte der Athlet bei einer überraschenden Visite nicht unmittelbar auffindbar sein.

So geschehen bei Wilson diesen Montag, als er früher als geplant von Basel nach Zürich ins Airport-Hotel reiste. In einem solchen Fall reagiert Antidoping Schweiz situativ, wartet in den meisten Fällen ab oder kontaktiert den Athleten telefonisch.

42 Dopingproben bei Wilson

42 Mal wurde Wilson nach eigenen Angaben in diesem Jahr getestet. Antidoping Schweiz kam auch während des Trainingslagers im Frühjahr in Florida vorbei. Neben der nationalen Agentur kann auch der Fachverband oder die Wada Dopingtest veranlassen.

Oft kommen die Kontrolleure frühmorgens. Etwas, das Wilson nicht sonderlich behagt: «Mein Schlaf ist mir heilig», sagt er und tippt zum Abschluss seiner Instruktion die Adresse des Athletenhotels in Doha in die Eingabemaske ein. Man weiss ja nie.

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