Final der US-Basketballer: Willkommen in Jurassic Park

Der NBA-Finalist Toronto Raptors bedient sich Dinosaurier-Nostalgie. Doch es besteht die Gefahr, dass alles in einer Katastrophe endet – so wie in der «Jurassic Park»-Filmreihe.

Nicola Berger
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Kyle Lowry (in Weiss, Nr. 7) punktet für die Toronto Raports. (Bild: Mark Blinch/NBAE via Getty Images, Toronto, 2. Juni 2019)

Kyle Lowry (in Weiss, Nr. 7) punktet für die Toronto Raports. (Bild: Mark Blinch/NBAE via Getty Images, Toronto, 2. Juni 2019)

Es war 1994, als Toronto ein NBA-Team zugesprochen wurde. Das Besitzerkonsortium um den Geschäftsmann John Bitove suchte via der Lokalzeitung «Toronto Star» nach einem Na­men; Leser konnten Vorschläge einbringen. 1994, das war das Jahr, in dem Steven Spielberg den Abenteuer-Spielfilm «Jurassic Park» in die Kinos brachte, einen Welthit, der global mehr als eine Milliarde Dollar eingespielt hat. Ein Vorschlag lautete: «T-Rexs». Bitove dachte darüber nach, doch sein Sohn, ebenfalls dem Jurassic-Park-Fieber erlegen, sagte ihm: «Dad, warum magst du die Raptors nicht?»

Und so wurden die Toronto Raptors geboren – es war ein Marketinggag, um Aufmerksamkeit zu erlangen; niemand hatte knalligeres Dekor als die Raptors mit ihren lilafarbenen Trikots und Designs der bissigen Dinosaurier. Bitove hatte den Auftrag gegeben, Trikots «wie aus dem Happy-Meal von McDonald’s» zu erschaffen. Besser kann man den damaligen Raptors-Chic nicht umschreiben. Es war das Mittel, um in einen neuen Markt einzudringen, einen, in dem das ungeheuer populäre Eishockeyteam Toronto Maple Leafs eine Monopolstellung innehatte.

Das Experiment gelang. Toronto bedient sich bis heute mit Hingabe dieser DinosaurierNostalgie. Die Play-off-Partien der Raptors gleichen einem Volksfest, der Public-Viewing-Bereich vor den Toren der mondänen Arena hat den Übernamen «Jurassic Park» erhalten. Es gibt Menschen, die sich zwölf Stunden vor der Türöffnung vor den Eingang stellen, um sich einen Platz zu sichern. Für eine TV-Übertragung. Manche ziehen sich dabei selbstgebastelte Dinosaurierkostüme über. In Kanada verfolgten am Sonntag mehr als zehn Millionen Zuschauer die zweite Partie der NBA-Finalserie gegen die Golden State Warriors, so viele wie nie zuvor in der Geschichte des Landes. Die Raptors unterlagen 104:109, es war ein Spiel, das sie hätten gewinnen können. Vielleicht gewinnen müssen. Denn in der Nacht auf Donnerstag findet das Duell seine Fortsetzung in Oakland, weit weg von Jurassic Park, von der flächendeckenden Energie, aus der die Raptors Kraft schöpfen konnten. Die Warriors werden vermutlich ein weiteres Mal auf Kevin Durant verzichten müssen, ihren besten Skorer, der verletzt fehlt. Und doch sind sie weiterhin turmhoher Favorit.

Kann der Star gehalten werden?

Jurassic Park ist heute eine der bekanntesten Filmreihen der Welt, 2021 wird mit «Jurassic World 3» der sechste Teil in die Kinos kommen. In einem Freizeitpark in Orlando wird in diesem Sommer eine neue, atemberaubende Jurassic-Park-Bahn in Betrieb genommen. Die Faszination für computeranimierte Dinosaurier ist ungebrochen. Das Bemerkenswerte ist, dass das Hollywoodstudio «Universal Pictures» mit dem exakt gleichen Plot fünf Filme und seine Kassen hat füllen können: Jemand eröffnet einen Jurassic Park für Touristen, alles endet in einer Katastrophe, viele Menschen sterben.

Es gibt die Befürchtung, dass den Raptors das gleiche Schicksal blüht, metaphorisch gesehen, sollten sie den Warriors unterliegen. Die in ihrem Bestehen noch immer titellose Franchise hat dem Erfolg in dieser Saison alles untergeordnet, doch ihre Perspektive hängt davon ab, ob Kawhi Leonard gehalten werden kann. Der Vertrag des Stars läuft aus, er liebäugelt mit einem Wechsel in die Heimat zu den Los Angeles Clippers. Ersetzt werden kann er auf dem Markt kaum. Die selbstzerstörerische Kraft von Jurassic Park ist in der Geschichte breit dokumentiert. Niemand kann sagen, die Raptors seien nicht gewarnt gewesen.