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Sprint-Star Wilson: «Ich bin in Luzern, um zu siegen»

Beim Spitzenleichtathletik-Meeting von Luzern ist der 28-jährige Schweizer Sprinter Alex Wilson der Mann der Stunde. Wir haben auf dem Bürgenstock mit ihm gesprochen – über «lockeres Mundwerk» und die Zukunft.
Turi Bucher
Der Schweizer Sprint-Star Alex Wilson: ein Selfie mit dem Vierwaldstättersee. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Bürgenstock, 8. Juli 2019)

Der Schweizer Sprint-Star Alex Wilson: ein Selfie mit dem Vierwaldstättersee. (Bild: Alexandra Wey/Keystone, Bürgenstock, 8. Juli 2019)

Es gibt jene, die finden, dass Alex Wilson zu viel rede, und es gibt jene, die finden, dass Wilson viel rede, aber gerade deshalb, weil er sein Herz auf der Zunge trage, faszinierend authentisch und ehrlich sein Wesen nach aussen kehre. In einem Interview mit der «Schweizer Illustrierten» war in einer Frage an Wilson vom «lockeren Mundwerk» die Rede. Seine Antwort darauf: «Klar! Das ist doch okay. Dieses Interview, diese Fragen, das wollten Sie. Und ich bin dabei. Ich könnte jetzt irgend­einen ‹Schissdrägg› erzählen, Sie müssten es ja glauben. Aber ich gebe den Medien nur ehrliche Antworten auf das, was ich gefragt werde.»

Nun steht er also hier im Waldhotel des Bürgenstock Resorts, posiert am Medientermin vor dem Luzerner Leichtathletik-Meeting für die Fotografen, nimmt sich Zeit für jede, wirklich jede Interviewfrage. Als die Videoreporterin von Tele1 höflich bittet, Frage 1 nochmals wiederholen und aufs Video bannen zu dürfen, weil direkt neben ihr die Fotografen viel zu laut die Stühle am Boden herumgerückt hätten, nickt Wilson verständnisvoll. Auch er hat den Lärm realisiert. Und er formuliert seine Antwort 2 im Take 2 von Frage 1 nun sogar noch etwas origineller.

Lockeres Mundwerk? Es ist nicht eigentlich das Mundwerk. Der schnellste Mann der Schweiz, der im Alter von 15 Jahren aus Jamaika in die Schweiz kam, kommt ganz einfach als Gesamtpaket total locker daher. Nicht gesucht übertrieben lässig leger, sondern authentisch locker. Auf dem Bürgenstock sagt er:

«Ob ich gewinne oder verliere, ich bin immer derselbe.»

Nur eine Frage will er dann nicht beantworten, bittet um Verständnis. «Das möchte ich wirklich so privat wie möglich halten.» Wilson ist vor kurzem zum zweiten Mal Vater eines Knaben geworden, die Namen seiner beiden kleinen Söhne sind nicht für die Öffentlichkeit bestimmt.

In Luzern startet Wilson nur 
über die 200-m-Strecke

Nach seinen beiden Schweizer Rekorden über 100 m (10,08) und 200 m (19,98) vor etwas mehr als einer Woche in La Chaux-de-Fonds erklärte er seinen eher enttäuschenden 200-m-Auftritt vom vergangenen Freitag in Lausanne mit starken Rippenschmerzen. Die waren auch am Montagnachmittag noch zu spüren, als Wilson im Leichtathletikstadion in Luzern trainierte:

«Ich kann jetzt wieder besser atmen. Ich muss nun gut und genug schlafen, dann bin ich zuversichtlich.»

Wilson fuhr nach dem Meeting in Lausanne heim nach Basel, verbrachte das Wochenende mit seiner Familie. Gestern übernachtete er nicht wie zahlreiche am Dienstag in Luzern startende Leichtathletik-Stars auf dem Bürgenstock, sondern in der Stadt Luzern im Hotel Continental. Auch nach dem Meeting wird er dort schlafen und am Mittwochvormittag abreisen. Wilson entschied sich erst am Montagabend, in Luzern nur über die 200-m-Strecke zu laufen.

«An die Zukunft denke ich, 
wenn ich langsamer werde»

Wilsons Saisonplanung ist auf den Herbst fokussiert, vom 28. September bis 6. Oktober finden nämlich in Katar die Weltmeisterschaften statt. «Ja», sagt er, «ich will über die 200 m eine Medaille holen.» Seine Schweizer Bestmarken über 100 und 200 m will er sowieso laufend verbessern:

«Ich bin nie zufrieden. Sonst könnte ich ja gleich aufhören.»

Alles andere als Aufhören ist angesagt: Wilson absolvierte die Saisonvorbereitung bei seinem Trainer Clarence Callender in London inklusive dreimonatigem Trainingslager in den USA. Dort wurde insbesondere der Start des Basel-Jamaikaners verbessert.

Alex Wilson sagte einmal, als Sprintprofi habe man zehn Jahre Zeit. Doch was ist, wenn er, jetzt 28 Jahre alt, einmal in die 30er kommt und er als Papa für seine Familie sorgen muss? Wilson bleibt ... locker: «Ich bin jetzt am schnellsten, ich laufe jetzt meine besten Zeiten, die besten Plätze. Wenn ich dann einmal langsamer werde, dann ist die Zeit gekommen, an die Zukunft zu denken.»

Über Wilson existiert auch die Geschichte, dass er einst in Basel in eine Garage gelaufen sein soll, um höchstpersönlich einen Autosponsor für sich selber zu finden. «Ich bin Alex Wilson, der schnellste Schweizer, und ich brauche ein Auto», soll er gesagt haben. Eine wahre Geschichte? Auf dem Bürgenstock ist nun die Zeit gekommen, die Wahrheit zu erzählen. «Die Geschichte ist halb wahr», sagt Wilson lachend. «Ich bin tatsächlich in diese Garage gelaufen, um ein gesponsertes Auto für mich zu organisieren. Aber der Garagist war kein völlig Unbekannter, wir kannten uns schon vorher.»

Wilson formuliert die 
Journalistenfrage kurzerhand um

Nun also der Auftritt von Alex Wilson in Luzern. Er müsse ja nicht speziell betonen, wie schön Luzern sei, das würden schon die Millionen von Touristen bestätigen. «Aber das Meeting von Luzern betrachte ich als einer der wichtigsten Saisonwettkämpfe in der Schweiz.» Was also ist heute von ihm zu erwarten? «Der Sieg. Ich will den Sieg. Ich bin in Luzern, um zu siegen», sagt er, und zwar für einmal überhaupt nicht locker, sondern sehr bestimmt. Doch was ist mit der starken Konkurrenz? «Man kann die Frage auch anders stellen», interveniert Wilson, «nämlich so: Wie schwierig wird es für die Konkurrenz, mich zu schlagen?»

Zum Schluss haben wir mit Alex Wilson noch ein kleines Spielchen mit jeweils zwei Namen veranstaltet.

Bob Marley oder Jimmy Cliff?

Alex Wilson: Bob Marley. Er ist der Grösste in der Reggae-Musik, er ist der Hammer.

Roger Federer oder Stan Wawrinka?

Federer – und zwar deshalb, weil er wie ich Basler ist.

Cristiano Ronaldo oder Lionel Messi?

Messi. Ich liebe seine Art, Fussball zu spielen.

Donald Trump oder Barack Obama?

Natürlich Obama. Da braucht es nicht viele Worte, das erklärt sich von allein.

Mujinga Kambundji oder Sarah Atcho?

Hier wähle ich beide. Als Schweizer Top-Sprinterinnen sind beide gute Kolleginnen von mir.

FC Basel oder FC Luzern?

Tut mir leid, ich wähle meinen Heimclub, den FCB.

Zeitplan

Spitzenleichtathletik Luzern. Nationales Programm. Männer. 15.36: Chatzestrecker 60 m. – 16.03: Hammer. – 16.05: Chatzestrecker 80 m. – 16.19: 1000 m. – 16.39: 1500 m. – 16.58: Speer. – 17.41: 200 m. – 18.06: 100 m. – 18.35: 400 m Rollstuhl. Frauen. 15.34: Speer. – 15.36: Chatzestrecker 60 m. – 16.05: Chatzestrecker 80 m. – 16.29: 1000 m. – 16.49: 1500 m. – 17.24: 100 m Hürden. – 17.34: 200 m. – 17.52: 100 m. – 18.20: Stab. – 18.24: Hammer. – 18.28: 400 m Rollstuhl. – 18.42: 400 m.
Internationales Programm. Männer. 19.11: 100 m Vorläufe 1 und 2. – 19.22: Präsentation der Athleten. – 19.54: 110 m Hürden. – 20.31: 100 m Final. – 20.37: Speer. – 20.48: Weit. – 21.02: 400 m Hürden. – 21.14: 3000 m. – 21.48: 200 m. Frauen. 18.52: 100 m Vorläufe 1 und 2. – 19.06: Speer. – 19.22: Präsentation der Athletinnen. – 19.36: 100 m Hürden. – 20.12: 800 m. – 20.23: 100 m Final. – 20.52: 400 m Hürden. – 21.33: 200 m. – 22.08: Feuerwerk.

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