Handball
Goran Perkovac freut sich auf das Cup-Halbfinale: «Wir fangen an, Geschichte zu schreiben»

Kriens-Luzern gastiert am Sonntag zum Spitzenkampf bei Leader Winterthur. Davor sorgt die Auslosung des Cup-Halbfinals für Freude.

Stephan Santschi
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Trainer Goran Perkovac bei der Ansprache an seine Mannschaft.

Trainer Goran Perkovac bei der Ansprache an seine Mannschaft.

Urs Flüeler/Keystone

«Das beste Los, das wir erhalten konnten.» Goran Perkovac, der Trainer des HC Kriens-Luzern, ist begeistert über den Gegner, den am Donnerstag die Auslosung der Cup-Halbfinals ergab. Sein Team wird im Verlauf der nächsten Woche auswärts auf das NLB-Team von Chênois Genevè treffen. Im zweiten Halbfinal stehen sich die QHL-Teams aus Bern und Schaffhausen gegenüber. Den Luzernern bietet sich damit die vorzügliche Gelegenheit, erstmals in der Vereinsgeschichte in einen Final einzuziehen. «Chênois ist ein solides NLB-Team, das wir schlagen müssen. Nun fangen wir an, Geschichte zu schreiben», frohlockt Perkovac.

Ungleich schwieriger wird die Aufgabe am Sonntag in der Meisterschaft. Mit Pfadi Winterthur (17 Uhr, live auf handballtv.ch) trifft der HCKL am drittletzten Spieltag der Qualifikationsphase auf den formstarken Tabellenführer. Neun Mal in Serie haben die Zürcher nun gewonnen, die Mannschaft scheint bereits in meisterlicher Verfassung zu sein. «So würde ich es nicht nennen», entgegnet Roman Sidorowicz und lacht. «Wir sind aber schon gut drauf, der Teamgeist stimmt und die gute Statistik motiviert uns zusätzlich.»

Wenn der Teamkollege den Autoschlüssel klaut…

Der 29-jährige Sidorowicz ist einer der Leistungsträger bei Pfadi Winterthur, im letzten Sommer kehrte er nach einem eineinhalbjährigen Engagement bei Bundesligist Melsungen zurück zu den Winterthurern. Als «Traumtransfer» bezeichnete ihn Sportchef Goran Cvetkovic, «für die Chance, ihn zurückzuholen, haben wir alles gegeben.» Mit seinem explosiven Stil, seiner aussergewöhnlichen Sprungkraft und dem breiten Wurfrepertoire zählt Sidorowicz im linken Rückraum zu den Attraktionen des Schweizer Handballs. Auch im Nationalteam nimmt der mit 1,86 Metern relativ klein gewachsene und eher schmächtig gebaute Akteur eine wichtige Rolle ein – mangels Alternativen zuletzt im rechten Aufbau, wie etwa an der WM in Ägypten, wo er mit 17 Toren und 8 Assists sehr effizient agierte.

Der Wechsel in die Bundesliga im Dezember 2018 kam dabei überfallartig und durch ein Telefongespräch mit Heiko Grimm zustande. Der frühere Krienser Trainer meldete sich als Chefcoach von Melsungen bei Sidorowicz, weil viele Titulare verletzungsbedingt ausgefallen waren. Sidorowicz fand sich in Deutschland auf Anhieb zurecht, verhalf dem Team mit starken Leistungen zum Einzug in den EHF-Cup und erhielt zur Belohnung eine Vertragsverlängerung bis 2020. Nicht nur auf dem Platz, auch daneben machte sich der schweizerisch-polnische Doppelbürger mit seiner ruhigen, aber humorvollen Art einen Namen. «Ich spiele gerne kleine Streiche, das ist meine Masche, um Lockerheit reinzubringen. Das führt auch mal zu einer Retourkutsche», erzählt er und lacht. Unvergessen ist der Tag, als er sein Auto suchte, weil es ein Teamkollege während des Trainings schaffte, den Autoschlüssel zu klauen und das Gefährt umzuparkieren. «Ich fand es schliesslich ein Stück weit den Weg rauf im Wald.»

Pfadis Routiniers möchten ihre Karriere vergolden

In Winterthur hat der 73-fache Nationalspieler bis 2024 unterschrieben, die Nähe zu Freundin und Familie waren ausschlaggebend für die Rückkehr aus dem Ausland. Neben Spielmacher Kevin Jud, den Flügeln Marvin Lier und Cédrie Tynowski, den Abwehrspezialisten Michal Svajlen und Stefan Freivogel, sowie dem langjährigen Trainer Adrian Brüngger ist er bei Pfadi einer der Schweizer Routiniers, die ihre Karriere mit einer Meisterschaft vergolden möchten – seit 2004 wartet Winterthur nämlich auf die nächste Meistertrophäe. «Zweiter waren wir oft genug, das spürt man im Team», sagt Sidorowicz. «Für jeden ist nun der Titel das Ziel.» Nicht nur Kriens-Luzern, auch Pfadi Winterthur möchte in den nächsten Wochen also Geschichte schreiben.