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Der EVZ-CEO Lengwiler sagt: «Wir kommen dem Meistertitel näher»

CEO Patrick Lengwiler spricht über die Zuger Titelambitionen, falsche Behauptungen und die Suche nach neuen Einnahmequellen.
Interview: Sven Aregger
Patrick Lengwiler: «Wir werden mit der Stadt als Eigentümerin auch über die Bossard-Arena reden müssen.» Bild: Boris Bürgisser (Zug, 3. September 2019)

Patrick Lengwiler: «Wir werden mit der Stadt als Eigentümerin auch über die Bossard-Arena reden müssen.» Bild: Boris Bürgisser (Zug, 3. September 2019)

Der EV Zug ist der Titelfavorit. Einverstanden?

Nein, das wäre vermessen gegenüber Organisationen wie Bern oder Zürich, die in den vergangenen Jahren Meister geworden sind. Bei uns liegt der Titelgewinn schon 21 Jahre zurück, ich sehe uns deshalb als Her­ausforderer. Aber es ist schon so, wir sehnen uns nach dem Meistertitel – und wir kommen diesem Ziel näher.

Mit den prominenten Neuzugängen Leonardo Genoni und Grégory Hofmann steigt die Erwartungshaltung. Spüren Sie das?

Klar, hohe Erwartungen sind ja auch berechtigt. Damit müssen wir umgehen können. Wir haben schon vor Jahren kommuniziert, dass der EVZ mit ambitionierten Spitzensportlern und eigenen Nachwuchskräften auf den Titel hinarbeitet. Mit der Hockey-Academy und dem Farmteam haben wir die Aufbauarbeit geleistet. Dass es uns gelungen ist, Spieler wie Genoni, Hofmann oder Kovar zu verpflichten, spricht für unsere Organisation. Sie glauben, sie können mit uns erfolgreich sein.

Und wenn der grosse Triumph ausbleibt?

Dann greifen wir eben nächstes Jahr wieder an. Unsere Organisation wird deswegen nicht auseinanderfallen. Wir sind gut aufgestellt und wollen über Jahre hinweg um den Titel mitspielen.

Nach dem verlorenen Playoff-Final im Frühling gegen Bern war die Ernüchterung gross im Zuger Tross. Mit einem zweiten Platz gibt sich der EVZ nicht mehr zufrieden.

Das ist so. Innerhalb von drei Jahren haben wir zweimal den Final gegen Bern verloren. Im Frühling waren wir nahe dran, auch wenn die Serie mit 1:4 ausgegangen ist. Abgesehen von einer Partie waren wir dem Gegner mindestens ebenbürtig. Da und dort hat uns etwas Glück und auch Abgeklärtheit gefehlt.

Trainer Dan Tangnes spricht viel von Siegermentalität. Ist Bern dem EVZ in diesem Bereich voraus?

Ja, die Berner wissen, wie man Titel gewinnt. Sie werden nicht gleich nervös, wenn sie in einer Playoff-Serie ein Spiel verlieren. Uns fehlt hier die Erfahrung, sowohl im Team wie auch im Staff. Deshalb wird beispielsweise Goalie Leo Genoni sehr wichtig sein für uns. Er kann in der entscheidenden Phase sein bestes Hockey abrufen und weiss, worauf es ankommt. Einer Mannschaft und einer Organisation gibt das Vertrauen.

Neben Genoni und Hofmann hat der EVZ auch auf den Ausländerpositionen nachgelegt. Ein NHL-erprobter Center wie Oscar Lindberg wird nicht billig sein...

...richtig, aber wir haben auch gut bezahlte Spieler verloren. Sie wechselten zu Klubs, wo sie mehr verdienen als alle Ausländer bei uns. Ich bin zufrieden mit der Situation. Ein Jan Kovar zum Beispiel ist gejagt worden von anderen Vereinen, er hätte in Russland mehrere Millionen verdienen können. Aber er hat sich für uns entschieden, das ist vor allem der guten Arbeit von Sportchef Reto Kläy zu verdanken. Nur weil wir namhafte Ausländer verpflichten, bedeutet das noch lange nicht, dass wir sie überzahlen. Heute können wir finanziell mit grossen Schweizer Organisationen mithalten, aber wir locken die Spieler nicht primär mit Geld zu uns.

Heisst das, der EVZ hat sein Budget für die erste Mannschaft nicht überstrapaziert?

Das Team kostet etwas mehr als in den Vorjahren, ohne die Organisation damit ins Wanken zu bringen. Unsere Finanzen werden stabil bleiben. In den vergangenen Saisons haben wir Geld für die Digitalisierung oder die Bossard-Arena aufgewendet. Jetzt investierten wir es ins Team, weil sich uns die Chance bot, Topspieler zu verpflichten.

Ärgert es Sie, dass Zug vielerorts als reicher Klub dargestellt wird, der von den Millionen seines Präsidenten Hans-Peter Strebel lebt?

Ja, das ärgert mich aus zwei Gründen: Erstens ist es grundlegend falsch. Wir haben stets transparent dargelegt, in welchen Bereichen uns «HP» unterstützt. Er finanziert das Farmteam und hat die Mittel für den Start der Hockey-Academy zur Verfügung gestellt. Zweitens: Gegenüber unseren Mitarbeitern, die sich täglich mit grossem Elan für die Organisation einsetzen, sind die Behauptungen ein Affront. Ihr Einsatz hat den EVZ dorthin gebracht, wo er jetzt steht. Wir arbeiten nach wirtschaftlichen Prinzipien wie andere Klubs auch. Dann gibt es auch Vereine mit Mäzenatentum, und ich will das nicht verteufeln. Doch bei uns ist das schlicht und einfach nicht der Fall.

Wo ist der EVZ budgetmässig in der National League einzuordnen?

Nach meiner Einschätzung liegen wir beim Kader an vierter Stelle, vielleicht an fünfter. Bern, die ZSC Lions und Lugano haben sicher höhere Personalkosten. Schwierig einzuschätzen sind die aufstrebenden Teams Lausanne und Fribourg.

Das attraktive Eishockey unter Tangnes kommt beim Publikum gut an. Die Nachfrage nach Tickets ist so gross, dass nun sogar Formel-1-Star Kimi Räikkönen seine vier kostenlosen Sitze abgeben muss. Wie viele Saisonkarten-Anfragen haben Sie erhalten?

Sehr viele. Bei rund 6000 Saisonkarten haben wir den Verkauf wiederum gestoppt. In den freien Verkauf kommen etwa 70 Sitz- und zwischen 300 und 500 Stehplätze. Wir könnten heute locker eine Arena mit 8500 bis 9000 Plätzen füllen, vor allem bei den Sitzplätzen ist die Nachfrage riesig. In den letzten Jahren haben wir einen Grossteil unseres Potenzials ausgeschöpft, auch was die Bereiche Sponsoren, Donatoren und Gastronomie betrifft. Es ist eine grosse Herausforderung, dass wir im Vergleich mit anderen Klubs nicht plötzlich ins Hintertreffen geraten.

Also sind neue Einnahmequellen gefragt?

Ja. Wir werden mit der Stadt als Eigentümerin auch über die Bossard-Arena reden müssen. Es stellt sich die Frage, ob sich die Zuschauerkapazität optimieren lässt. Aber ich kenne das Stadion, ein Ausbau ist schwierig. Weiter geht es um die Anzahl Plätze zum Essen und Trinken, dieses Angebot ist sehr begehrt. Wir haben dafür nur 450 Plätze, in Fribourg werden es im neuen Stadion 1300 Plätze sein, in Zürich 2000. Da müssen wir uns Überlegungen machen.

Zug führt in dieser Saison als erster Verein dynamische Preise ein, was bei den Fans nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst hat.

Wir haben uns mit Fans ausgetauscht und die Bandbreite der Preise transparent aufgezeigt. Die Fans befürchten, dass alles teurer wird – auch die Saisonkarte. Aber nehmen wir das Stehplatzticket, das bisher 28 Franken kostete. Die Preisspanne bewegt sich nun zwischen 19 und 31 Franken. Die Tickets sind also bis zu 30 Prozent günstiger und höchstens 10 Prozent teurer. Die Zuschauer beeinflussen mit der Nachfrage den Preis der Partien, hier spielen der Gegner und der Zeitpunkt eine Rolle. Unabhängig von fixen und flexiblen Preisen wird irgendwann auch die Saisonkarte wieder mehr kosten, die Ausgaben für die Spieler werden ja auch höher. Die Stadionauslastung von 97 Prozent ist ein Beleg dafür, dass unsere Preisgestaltung so schlecht nicht ist.

Wenn wir schon beim Stadion sind: Die Bossard-Arena diente beim Eidgenössischen Schwingfest als Infrastruktur fürs VIP-Catering. Und ganz in der Nähe wurde der Schwingerkönig erkoren: ein Berner. War dies ein unangenehmes Déjà-vu für Sie?

Ich gönne Christian Stucki den Sieg, er hat ihn sich verdient. Natürlich habe ich mir einen Innerschweizer König gewünscht, aber schlechte Erinnerungen an den Final gegen den SCB sind nicht aufgekommen. Wir werden im Eishockey alles dafür tun, dass wir die langjährige Dominanz von Bern, Zürich, Lugano und Davos brechen können.

Leonardo Genoni tippte in unserer Zeitung auf Stucki als Festsieger – und lag richtig. Vielleicht haben Sie ein ähnlich gutes Gespür. Wer wird Meister im Eishockey?

Vielleicht bin ich langweilig, aber ich gebe keinen Tipp ab. Es ist erst September, überall herrscht Flitterwochenstimmung, alle Teams sind frohen Mutes. Im März vor dem Playoff-Start kann man die Situation neu beurteilen, wenn man weiss, welche Spieler verletzt sind und wie es um die Form steht. Eines kann ich aber sagen: Eine gesunde und formstarke Zuger Mannschaft ist ein heisser Titelanwärter.

Patrick Lengwiler (40) ist in Arth aufgewachsen und seit 2012 CEO des EV Zug.

Welche EVZ-Ausländer erhalten den Vorzug?

Vor dem Meisterschaftsstart am Freitag in Ambri lautet die Frage: Welche vier der fünf Zuger Ausländer stehen in der Aufstellung? Trainer Dan Tangnes wollte sich noch nicht in die Karten blicken lassen, der Coaching-Staff trifft den Entscheid erst am Spieltag. Beim 6:0-Cupsieg am Dienstag gegen Thurgau hatte der schwedische Flügel Erik Thorell gefehlt, grössere Blessuren gibt es aber keine im Team. Tangnes plant ein Lineup mit sieben Verteidigern und 13 Stürmern.

Im Cup-Achtelfinal muss Titelverteidiger Zug am 20. Oktober beim EHC Visp antreten. Die Mannschaft aus der Swiss League wird von Matti Alatalo trainiert, dem Vater von EVZ-Verteidiger Santeri Alatalo. (ars)

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