Luzerner Volleyballer vor dem grossen Halbfinal-Auftritt

Die Luzerner spielen heute (19.00) im ersten NLA-Playoff-Halbfinal bei Titelfavorit Amriswil. Jörg Gautschi, Libero und Sportchef, sagt: «Wir glauben an unsere Chance.»

Interview: Roland Bucher
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Luzern-Libero Jörg Gautschi vor einer Woche: Jubel nach dem Halbfinal-Einzug. (Bild: Evelin Beerkircher (Luzern, 20. März 2019))

Luzern-Libero Jörg Gautschi vor einer Woche: Jubel nach dem Halbfinal-Einzug. (Bild: Evelin Beerkircher (Luzern, 20. März 2019))

Amriswil, der Krösus der Liga und hohe Favorit auf dem Meisterpokal, wirft ein Budget von rund 700 000 Franken in die Waagschale. Volley Luzern operiert mit der Hälfte. Chancenungleichheit im Halbfinal?

Jörg Gautschi: Die Buchhaltung ist ein wichtiges Instrument, um ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen und mit guten finanziellen Leistungen die Spieler bei Laune zu halten. Volleyball-Matches werden auf dem Spielfeld entschieden. Wir glauben absolut an unsere Chance, Amriswil an den Karren fahren zu können.

Das hat Volley Luzern ja bereits vor sechs Wochen bewiesen, als man der Übergrösse aus der Ostschweiz die erste Saisonniederlage beifügte. Verraten Sie uns das Rezept.

Im Prinzip kann man die David-und-Goliath-Affiche nicht abstreiten. Wichtig ist, dass wir als nomineller Aussenseiter nicht die Idee aufkommen lassen, jetzt Extras einflechten zu lassen, ganz besonders brillieren und individuell über sich hinauswachsen zu wollen. Das kommt nie gut. Man kann den «Match des Lebens» nicht erzwingen. Kurzum: Wir müssen versuchen, im Teamverbund unseren höchsten Standard abzurufen, so wenig Fehler wie möglich zu begehen. Wenn wir den Volleyball spielen, den wir beherrschen – dann können wir Amriswil ärgern.

Zehn Tage Pause bis zum Halbfinalheimspiel gegen Amriswil: Das tönt nach Fehlplanung des Verbandes.

Das ist Interpretationssache. Amriswil bestreitet am Wochenende den Cupfinal gegen Zürich Unterland, könnte von unserer Playoff-Serie abgelenkt werden. Ich tendiere eher für die Kraft des positiven Denkens: Wir haben zehn Tage und einiges mehr Zeit, uns auf unser Heimspiel am übernächsten Samstag scharfzumachen.

Wenig Zeit indes bleibt, um im Hinblick auf die kommende Saison noch Budgetkorrekturen gegen oben vorzunehmen.

Davon spricht niemand. Realistisch gesehen werden wir unseren Etat in die Nähe von 300 000 Franken straffen müssen.

Das wird Konsequenzen auf die Kaderqualität haben. Beginnt Volley Luzern wieder einmal von vorne?

Es ist illusorisch, daran zu glauben, dass Leute wie Strahinja Brzakovic oder Kevin Saar, sie, die beiden besten Skorer der Liga, in Luzern bleiben. Sie haben die Begehrlichkeit grösserer Vereine geweckt. Aber wissen Sie was: Wir sind weit unten und mit vielen neuen Leuten in diese Saison gestartet – und, wer weiss, stehen vielleicht plötzlich im ­Final.