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Schweizer Liga-Chef Claudius Schäfer: «Wir müssten bluten»

Der Schweizer Liga-Chef Claudius Schäfer spricht über das Leiden kleinerer Ligen in Europa. Und über die Tendenz der Uefa, Grossclubs immer weiter zu bevorteilen. Er fordert Solidarität – und sieht Licht am Horizont.
Interview: Ralf Streule
Schwierige europäische Ausgangslage für die Schweizer Mannschaften: der enttäuschte YB-Spieler Christian Fassnacht nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Dinamo Zagreb. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 22. August 2018))

Schwierige europäische Ausgangslage für die Schweizer Mannschaften: der enttäuschte YB-Spieler Christian Fassnacht nach dem 1:1 im Heimspiel gegen Dinamo Zagreb. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Bern, 22. August 2018))

Claudius Schäfer, diese Woche stehen kapitale Spiele für Basel und die Young Boys an. Für die Schweiz geht es um Punkte in der Uefa-Rangliste. Als CEO der Swiss Football League dürften Sie mitleiden.

Natürlich, diese Qualifikationsspiele gehen nie spurlos an mir vorbei.

Scheitern die Schweizer, wird man in der Saison 2020/21 wohl europäisch noch kleinere Brötchen backen.

Wir müssten bluten. Wenn die Schweiz dereinst nur noch vier Teams stellen könnte, wäre das ärgerlich. Man muss aber sehen: Die Young Boys haben die Gruppenphase der Europa League auf sicher. Ein schwacher Trost zwar, aber es relativiert das Ganze.

Die Woche der Wahrheit

Die Young Boys spielen am Dienstag gegen Dinamo Zagreb, der FC Basel am Donnerstag gegen Apollon Limassol. Für beide Teams geht es in diesen Rückspielen um die Teilnahme an der Champions-League- oder Europa-League-Gruppenphase – und somit um viel Geld. Für die Fussball-Schweiz geht es zudem um Punkte für die Uefa-Fünfjahresliste, welche festlegt, wie viele Teams eines Landes europäisch mitspielen dürfen.

In der vergangenen Saison schaffte es die Schweiz auf Platz 12. Sollten sich YB und Basel nicht für die Gruppenphase qualifizieren, wird man diesen Platz kaum halten können. Aktuell ist die Schweiz auf Platz 15 rangiert. St. Gallen steuerte mit dem Heimsieg gegen Sarpsborg einen Punkt bei, Luzern blieb bei einem Nuller. Qualifiziert sich YB für die Gruppenphase, kommen vier Punkte dazu. Scheitern YB und Basel, liegt es an Cupsieger Zürich und an den Bernern, in der Europa-League-Gruppe Punkte zu sichern.

Bleibt es Ende Saison beim 15. Rang, müsste der Schweizer Meister 2020 schon in der zweiten Qualifikationsrunde zur Champions League antreten, dem Cupsieger bliebe der direkte Sprung in die Europa-League-Gruppe verwehrt. Fällt man auf Rang 16 zurück, stünden nur noch drei Teams der Meisterschaft im internationalen Geschäft. Dänemark, Holland, Griechenland, Tschechien und Kroatien rangeln mit der Schweiz um die Plätze 12 bis 17.

Das fehlende Geld aus der Champions-League-Gruppenphase würde die gesamte Liga schwächen.

Wir würden viel weniger Solidaritätsgelder erhalten. Jeder Super-League-Club, der nicht in einer Gruppenphase eingebunden ist, erhält bei einer Champions-League-Qualifikation von YB rund 600000 Franken von der Uefa.

Die finanziellen Gräben zwischen grossen und kleinen Ligen werden immer grösser, weil die Uefa das Geld hin zu den Topclubs lenkt. Was können Sie dagegen tun?

Die SFL ist Mitglied der European Leagues, einem Zusammenschluss aller europäischen Ligen. Ich bin im Vorstand. Wir kämpfen für «Competitive Balance», für ausgeglichenere nationale Meisterschaften. Dies ist für alle Ligen überlebenswichtig: Wo es spannend bleibt, sind Zuschauer und Sponsoren eher bereit, zu zahlen. Wir bekämpfen den Entscheid der Uefa, die Ausschüttungen für 2018 bis 2021 von der Tradition der Clubs abhängig zu machen.

Weshalb?

Weil es die Schere innerhalb der Ligen weiter öffnet. Der europäische Wettbewerb soll die letzte Saison abbilden, nicht das Erreichte seit den 1950er-Jahren. Stünde Basel in der Champions League und würde gleich gut abschneiden wie 2017, erhielte es in dieser Saison 55 Millionen Franken (vor einem Jahr war es rund die Hälfte, die Red.). Das bringt eine Liga durcheinander. YB erhielte weit weniger, da es nicht dieselbe europäische Tradition vorweist.

Gibt es weitere Forderungen?

Die Solidaritätsbeiträge aus der Champions League an die restlichen Liga-Vereine betragen derzeit gut vier Prozent. Wir fordern mehr. Zudem sollen die Ausschüttungen zwischen Europa- und Champions-League, die inzwischen bei einem Verhältnis von eins zu vier angekommen sind, auf das Niveau der Vorjahre gesetzt werden.

Gibt es Anzeichen, dass die Forderungen bei der Uefa ankommen? Topclubs haben etwas dagegen.

Das Gute ist, dass auch die Topligen – mit Ausnahme der Serie A – unseren Kampf mittragen und solidarisch denken. Natürlich haben die Grossclubs Macht, vor allem mit ihrer zuweilen vorgebrachten Drohung, eine eigene europäische Liga zu gründen. Ligen wie die Premier League haben aber auch ein wichtiges Druckmittel. Setzen sie ihre Spiele künftig öfter unter der Woche an, wenn europäische Spiele anstehen, werden sie zur Konkurrenz der Uefa. Solche Ideen wurden bereits ausgesprochen.

Die Super League soll 2019 den Videobeweis erhalten

Auch die Super League soll den Videobeweis erhalten. Gemäss Claudius Schäfer, CEO der Swiss Football League (SFL), ist die Liga «unter Hochdruck» daran, die finanziellen und technischen Details zu klären, damit der Schweizerische Fussballverband und die Liga-Konferenz im November über die Einführung per 2019 entscheiden können. Noch würden Gespräche mit verschiedenen Anbietern geführt, über die detaillierte Anwendung des Videobeweises seien noch keine Aussagen möglich.

Nach einem allfälligen Ja im November soll sogleich mit umfangreichen Tests begonnen werden. Schon vor der Einführung dürften Liga und der Verband mit Kosten von einer Million Franken und mehr konfrontiert sein, heisst es seitens der Liga.

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Grossclubs bei der Uefa mehr Druckmittel besitzen.

Das Machtvakuum in der Uefa nach Michel Platinis Abgang war ein Vorteil für die Grossclubs. Die Verträge 2018 bis 2021 fielen zu deren Gunsten aus.

Das ist nun anders?

In den Statuten der Uefa steht: Solidarität wird stärker gewichtet als finanzielle Interessen. Die Chancen stehen gut, dass unter Präsident Aleksander Ceferin dies mehr berücksichtigt wird. Er stellte sich bisher hinter das Credo der «Competitive Balance». Für die Laufzeit 2021 bis 2024 kann die Uefa beweisen, dass sie es ernst nimmt und das europäische Fussballsystem von Grund auf ändern will. Klar, sie muss standhaft sein gegen Forderungen von Barcelona und Co.

Alle gegen Barcelona und Co.?

Nein. Grossclubs dürfen Vorteile haben. Dass mehr Teams aus den Topligen direkt in einer Champions-League-Gruppe landen, ist in Ordnung. Dank ihnen verkauft sich das Produkt weltweit, in Asien insbesondere. Unsere Forderung ist eine andere: Die Solidarität muss spielen. Viele Fans lehnen die aktuellen Mechanismen ebenfalls ab, man darf sich nicht weg vom Zuschauer entwickeln. Aber ich bin Realist. Eine Abschaffung oder Reduktion der Entschädigung für Traditionsvereine scheint möglich. In Sachen Verhältnis Europa- und Champions-League wird es schwieriger.

Ganz allgemein bekommt man das Gefühl, die Schweizer Liga verliere an Anziehungskraft auf Spieler.

Ligen wie in der Türkei können schlicht höhere Löhne zahlen aufgrund der TV-Gelder, da wandern attraktive Spieler ab, siehe Michael Frey. Man muss aber auch sehen: Die Löhne werden in gewissen Ländern nicht in allen Clubs regelmässig bezahlt. Das ist ärgerlich. Doch auch hier gibt es einen Hoffnungsschimmer. Die Fifa versucht, Massnahmen zu ergreifen und die Clubs genauer zu überprüfen. Das könnte die richtige Richtung sein.

Ist die Super League attraktiv?

Ja. Zuschauerzahlen und TV-Interesse zeigen nach oben. Gut möglich, dass dies einer grösseren Ausgeglichenheit an der Spitze der Tabelle zu verdanken ist. Wir werden wohl ab 2021 einen weiteren Anstieg an TV-Geldern erreichen. Den Weg als Ausbildungsland müssen wir weitergehen, auch mit Spielern mit Migrationshintergrund. (lacht)

Champions League

Playoffs. Rückspiele. Dienstag, 21.00: Dinamo Zagreb – Young Boys (Hinspiel: 1:1). AEK Athen – Videoton Szekesfehervar (2:1). Dynamo Kiew – Ajax Amsterdam (1:3). – Donnerstag, 19.00: u.a. Apollon Limassol – FC Basel (2:3).

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