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WM IN MOSKAU: Jetzt beginnen die Rechenspiele

Mit dem Spiel gegen Russland startet für die Schweiz heute der härtere Teil der WM-Vorrunde. Das Team von Patrick Fischer braucht für die Viertelfinals dringend weitere Punkte.
Patrick Fischer erklärt seinem Team im Training, wie es gegen Russland spielen soll. Nach wie vor gilt das Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. (Bild: Freschfocus / Victor Berezkin)

Patrick Fischer erklärt seinem Team im Training, wie es gegen Russland spielen soll. Nach wie vor gilt das Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. (Bild: Freschfocus / Victor Berezkin)

Matthias Hafen, Moskau

Platz vier belegt die Schweiz in der Gruppe A vor den abschliessenden drei Begegnungen der WM-Vorrunde. Genau diesen vierten Platz braucht sie am kommenden Dienstagabend, um das Minimalziel, die Viertelfinals, zu erreichen. Doch wie es der Spielplan will, muss die Schweiz noch gegen alle Teams spielen, die in der Tabelle vor ihr klassiert sind: Russland, Schweden und Tschechien. In diesen drei Spielen gilt es für Trainer Patrick Fischer und seine Mannen, den Viertelfinalplatz zu verteidigen, die Verfolger Norwegen, Dänemark und Lettland hinter sich zu lassen. Nur Aufsteiger Kasachstan hat keine realistische Chance mehr auf die Runde der letzten acht.

Sieben Punkte haben die Schweizer bisher auf sicher. Mit dem heutigen Spiel gegen Russland beginnen nun die Rechenspiele. An der letztjährigen Weltmeisterschaft in Prag erreichte die Schweiz mit zehn Punkten die Viertel­finals. Seit der Einführung des aktuellen WM-Modus vor vier Jahren schaffte aber noch nie eine Nation mit weniger als zehn Punkten das Weiterkommen. Die Gruppenvierten kamen einmal auf 15, einmal auf 14, einmal auf 13, dreimal auf 11 und zweimal auf 10 Zähler.

«Wollen Russland überfahren»

Nüchtern betrachtet haben die Schweizer die schlechtesten Karten in der Hand. Die Niederlagen zum Turnierauftakt gegen Kasachstan und Norwegen setzen Fischers Equipe ums Pfingstwochenende enorm unter Druck. Kommt dazu, dass in den Spielen gegen Dänemark und Lettland zwar die Resultate stimmten, Verbesserungen im Spiel musste man aber mit der Lupe suchen.

Vor der Begegnung mit Russland setzt Nationalcoach Fischer auf die Moral seiner Mannschaft und bekräftigt das Motto, mit dem die Schweiz in Moskau bislang mehr schlecht als recht gefahren ist: Angriff ist die beste Verteidigung. «Unser Ziel ist es, die Russen zu frustrieren», sagte er vor der Begegnung mit dem Gastgeber. «Wir sind parat, auch wenn wir wahrscheinlich das ganze Stadion gegen uns haben werden.» An Selbstvertrauen mangelt es Fischer nicht: «Die Russen werden versuchen, uns von Anfang an zu überfahren. Das Gleiche haben wir mit ihnen vor.» Dass Russland zuletzt gegen Dänemark mit 10:1 gewonnen hat, beeindruckt den Schweizer Trainer wenig. «Ich hatte sogar Freude, dass das Resultat so hoch ausfiel. Das 10:1 ist gefährlich für die Russen.» In Fischers Worten schwingt die Hoffnung mit, der WM-Gastgeber möge nach dem zweistelligen Sieg wieder genügsamer auftreten.

Hilft Owetschkin der Schweiz?

Kommt dazu, dass heute erstmals Alexander Owetschkin für Russland auflaufen könnte. Der NHL-Star der Wa­shington Capitals ist einer der besten Eishockeyspieler der Welt. Als solcher zieht er auch die Aufmerksamkeit auf sich. Steht er auf dem Eis, wird das ganze Spiel der Russen auf ihn ausgerichtet sein. Das Kollektiv von Trainer Oleg Znarok und dessen Assistenten Harijs Witolinsch, das zuletzt hervorragend funktioniert hatte, könnte mit Owetschkins Ankunft einen Bruch erleiden.

Du Bois dabei, Diaz wohl nicht

Nationalcoach Fischer kann heute wieder auf die Dienste von Félicien Du Bois zählen. Der Verteidiger des HC Davos musste die Partie gegen Lettland vorzeitig abbrechen, nachdem er bei einem Check eine Schulterverletzung erlitten hatte. Weniger gut sieht es im Fall von Raphael Diaz aus, der gegen Lettland ebenfalls an der Schulter verletzt wurde. Diaz konnte gestern nicht das gesamte Training mittun. Ein Einsatz des NHL-Verteidigers, der nächste Saison nach Zug zurückkehren wird, ist gegen Russland deshalb unwahrscheinlich. Im Schweizer Tor wird aller Voraussicht nach einmal mehr NHL-Profi Reto Berra stehen.

Zurkirchens besondere Aufgabe auf der Tribüne

TorhüterSandro Zurkirchen (26) ist zwar am Ziel seiner Bubenträume angelangt: Er gehört zum WM-Team der Schweiz. Aber er ist sozusagen der Michael Collins des Hockeys. Während Neil Armstrong und Buzz Aldrin auf dem Mond landen durften und weltberühmt wurden, musste Collins oben in der Umlaufbahn warten. Auch Ambris Torhüter muss sich in Geduld üben. Zurkirchen ist die Nummer drei in Moskau, hinter Reto

Berra (29) und Robert Mayer (26). Er hat keine Chance auf einen WM-Einsatz, er muss hinten anstehen. Eine Rolle, die ihm durchaus vertraut ist. «Ich musste mir bis jetzt in jedem Team erst meinen Platz erkämpfen.» Er war noch nie von Anfang an die Nummer eins. Nicht bei den Elitejunioren, nicht beim EV Zug und anfänglich auch nicht in Ambri. Erst letzte Saison, seiner dritten, avancierte er in der Leventina zur Nummer eins. Die Rolle im Nationalteam nimmt er gelassen. «Ich bin ein Teil der Mannschaft. Mein Programm sieht nur ein wenig anders aus.»

Verständnis für Berra-Lapsus

Wenn die Kollegen spielen, sitzt er auf der Tribüne. Dort obliegt es ihm, die Schussstatistik zu führen. «Weil ich die Statistik mache, verfolge ich die Spiele konzentrierter.» Das Tor, das Berra gegen Kasachstan per Fernschuss kassierte, hat er genau gesehen. «Ich sah die flatterhafte Flugbahn des Pucks und dachte: Das ist gefährlich. Und schon war es passiert», erzählt Zurkirchen. «Ich weiss, wie es ist, so einen Treffer zu bekommen. Bei meinem zweiten NLA-Einsatz mit Zug gegen den ZSC hat mich Patrik Bärtschi von der roten Linie aus zum 0:1 erwischt.»

Zurkirchen teilt in Moskau das Zimmer mit Nino Niederreiter. «Für mich ist das auch die Gelegenheit für interessante Gespräche.» Niederreiter, inzwischen Millionär in der NHL, kann ihm vom fernen Traumland des Hockeys erzählen. Ein Land, das für Zurkirchen so weit weg ist wie ein Einsatz bei der WM in Moskau. Aber seine Zeit könnte noch kommen. Was, wenn in einem Jahr Leonardo Genoni (neu SCB) und Zugs Tobias Stephan erneut für die WM absagen und Berra in der NHL noch spielen muss? Zurkirchens Vertrag läuft im nächsten Frühjahr in Ambri aus. Die Goalie-Marktlage ist so, dass er mit einer kräftigen Gehaltserhöhung rechnen kann. Er sagt: «Das Geld ist nicht entscheidend.» Und man glaubt es ihm. Wer so lange um einen Platz an der Sonne kämpfen musste, den beseelt die Leidenschaft für dieses Spiel. Nicht die Aussicht auf Geld.

Klaus Zaugg, Moskau

Sandro Zurkirchen muss an de rWM hinten anstehen. (Bild: Keystone / Salvatore Di Nolfi)

Sandro Zurkirchen muss an de rWM hinten anstehen. (Bild: Keystone / Salvatore Di Nolfi)

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