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Kolumne

WM-Langeweile dank unnötiger Kunstpausen

Die Atmosphäre im Stadion der Leichtathleten in Doha ist oft stimmungslos. Eine Mitschuld hat auch der eigenartig in die Länge gezogene Zeitplan.
Rainer Sommerhalder

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Doha bekommt fast täglich ihr Fett ab. Neben allerlei Skandalen und Skandälchen gibt es weitere Rätsel, die Kopfschütteln auslösen. Eines davon ist der Zeitplan.

Zwar sorgt der konsequente Verzicht auf die traditionelle Morgensession bei den Mehrkämpfern zu einem Dichtestress. Die Zehnkämpfer mussten gestern ihre ersten fünf Disziplinen in weniger als sieben Stunden abspulen. Und heute beenden sie den Wettkampf nachts um halb ein Uhr.

Ansonsten aber bestehen die Titelkämpfe aus eigenartigen Kunstpausen. Sie helfen bestimmt nicht, das ohnehin spärliche Publikum auf den Sitzen zu halten. Am Dienstag durften die Zuschauer mehr als eine Stunde lang exklusiv den Stabhochspringern zuschauen – notabene vornehmlich bei deren Anfangshöhen. Vor dem Final der Frauen über 100 Meter – dem letzten Wettkampf am Abend – gab es eine Pause von 45 Minuten. Die perfekte Gelegenheit, sich vorzeitig zu verabschieden.

Die lokalen Organisatoren haben in ihrem Statement, in dem sie sich für das spärliche Interesse rechtfertigen, neben fehlender Tradition von Sprintrennen auch argumentiert, dass der WM-Zeitplan den Bedürfnissen des internationalen TV-Marktes angepasst werden musste. Damit die sprintverrückten Amis ihre Stars so spät wie möglich am Nachmittag verfolgen können. Einmal mehr schlägt Kommerz Vernunft.

Ebenso eigenartig ist, dass zwischen 18 Uhr und 20 Uhr an mehreren Abenden gar nichts läuft. Die letzte der fünf Gebetszeiten der Muslime kann nicht der Grund sein. Das Nachtgebet findet derzeit bereits um 17.30 Uhr statt. Wieso ich das weiss? Auf dem Gelände des WM-Stadions gibt es auch eine stattliche Moschee mit Muezzin. Dieser ist oft lauter als das gesamte Publikum.

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