WM-Prognose
Werden es Schweizer Festspiele an der Ski-WM in Cortina? Es spricht einiges dafür

Das gab es schon lange nicht mehr: Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski haben in jedem WM-Rennen Medaillenchancen. Am Montag geht es los in Cortina. Eine Prognose.

Martin Probst
Merken
Drucken
Teilen
Wie gut fahren die Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski an dieser WM. Hier sieht man die Teamweltmeister von 2019.

Wie gut fahren die Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski an dieser WM. Hier sieht man die Teamweltmeister von 2019.

Jean-Christophe Bott / KEYSTONE

2017 an der Heim-WM in St. Moritz gewannen die Athletinnen und Athleten von Swiss-Ski sieben Medaillen. Vor zwei Jahren aus Are kehrten die Schweizerinnen und Schweizer mit vier Medaillen heim. Dieses Resultat sollten Beat Feuz, Lara Gut-Behrami und Co. in Cortina toppen können. Schliesslich hat Swiss-Ski in jeder Disziplin Medaillenkandidaten.

8. Februar: Kombination der Frauen

Wendy Holdener.

Wendy Holdener.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Kombi ist, wenn eine Schweizerin gewinnt. Zu­mindest seit 2017. Damals wurde Wendy Holdener in St. Moritz Weltmeisterin. 2019 konnte sie ihren Titel verteidigen. Und dazwischen wurde Michelle Gisin 2018 Olympiasiegerin.

Alles bereit für Gold also? Nein. So einfach wird das nicht. Besonders Petra Vlhova hat etwas dagegen. Überhaupt ist die Konkurrenz gross. Und Holdener sucht ihre Sicherheit und Gisin den Speed im Super-G. Aber Bronze sollte für beide in Reichweite liegen.

Medaillenchance: 75 Prozent

9. Februar: Super-G der Frauen

Lara Gut-Behrami.

Lara Gut-Behrami.

Giovanni Auletta / AP

Wenn nicht jetzt, wann dann? Das hat es bei Lara Gut-Behrami schon ein paar Mal geheissen. Und doch fehlt eine Goldmedaille in ihrem Palmarès. Dreimal WM-Silber hat sie schon gewonnen, zweimal Bronze auch, dazu kommt ein dritter Rang an Olympischen Spielen.

Nach Cortina reist die 29-Jährige mit vier Super-G-Siegen in Serie im Gepäck. Und vor allem siegte sie oft in überragender Manier. 2014 weinte sie trotz Olympiabronze wegen des Verpassens von Gold. Was würde wohl jetzt passieren?

Medaillenchance: 95 Prozent

9. Februar: Super-G der Männer

Mauro Caviezel.

Mauro Caviezel.

Guillaume Horcajuelo / EPA

Die wichtigste Frage: Gelingt Mauro Caviezel sein Comeback nach einer Aussenbandverletzung und Knochenprellung? In Garmisch will er am Samstag starten. Das wird Aufschluss für die WM geben.

Dass der 32-Jährige sofort bereit sein kann, bewies er zu Saisonbeginn in Val d’Isère, als er beim Comeback nach einer Achillessehnenverletzung siegte. Gelingt seine Rückkehr, ist für ihn alles möglich. Und sonst kann es auch Marco Odermatt richten, der zuletzt in Kitzbühel Zweiter wurde.

Medaillenchance: 75 Prozent

10. Februar: Kombination der Männer

Loïc Meillard.

Loïc Meillard.

Peter Schneider / KEYSTONE

Gold ist quasi schon vergeben: an Alexis Pinturault. Der Franzose kann sich wohl nur selbst schlagen. Aber dahinter? Da wird es ausgeglichener, gibt es einige Kandidaten, welche die Kombination aus Super-G und Slalom schnell meistern können.

Dazu gehört Loïc Meillard. Besonders dann, wenn der Super-G einem Riesenslalom ähnlich gesteckt würde. Und wie gut fährt Marco Odermatt Slalom? Und Luca Aerni, der Kombi-Weltmeister 2017, Super-G? Und wer fährt überhaupt? So viele Fragen.

Medaillenchance: 70 Prozent

13. Februar: Abfahrt der Frauen

Corinne Suter.

Corinne Suter.

Philipp Guelland / EPA

Gold war für Sofia Goggia reserviert. Vier Abfahrten in Folge hatte die Italienerin zuletzt gewonnen. Dann verletzte sie sich ausgerechnet auf einer Touristenpiste auf dem Weg ins Tal und verpasst die Heim-WM. Was für ein Drama.

Doch dadurch ist der Weg frei für eine andere Athletin. Für Corinne Suter, die einzige Fahrerin, die in diesem Winter neben Goggia eine Abfahrt gewinnen konnte? Doch die Formkurve spricht eher für Lara Gut-Behrami. Werden es am Ende goldene Tage für sie?

Medaillenchance: 80 Prozent

14. Februar: Abfahrt der Männer

Beat Feuz.

Beat Feuz.

Angelika Warmuth / dpa

Nach seinen zwei Siegen in Kitzbühel ist Beat Feuz fast automatisch Favorit auf Gold. Sein zweiter Platz am Freitag in Garmisch ist nur noch eine Randnotiz. Aber Achtung: Die Piste in Cortina ist für die Männer neu. Weil der Weltcup-Final im vergangenen Jahr aufgrund von Corona abgesagt wurde, fehlt ein Hinweis, wem die Piste liegen könnte.

Doch Feuz kann das egal sein. Er kann überall schnell sein, wenn es zählt. Oder überrascht am Ende sogar einer wie Carlo Janka? Das wäre eine Geschichte.

Medaillenchance: 90 Prozent

16. Februar: Parallelrennen Männer und Frauen

In dieser Disziplin werden erstmals WM-Medaillen vergeben. Eingeführt wurde sie, um den Sport zu modernisieren. Etabliert haben sich die Parallelrennen allerdings noch nicht. Dafür sorgen sie für Über­raschungen.

Gut möglich, dass eine oder einer aus der zweiten Garde unverhofft zu Edelmetall kommt. Die Schweiz hat allerdings auch Spezialisten für die Disziplin: Wendy Holdener oder Ramon Zenhäusern in der Regel. Aber auch Loïc Meillard oder Gut-Behrami können gewinnen.

Medaillenchance: 75 Prozent

17. Februar: Teamwettkampf

Wenn Einzelsportler zusammenspannen, ist Swiss-Ski gut. Das war zumindest in den vergangenen Jahren so. 2018 gewann das Team Olympiagold, 2019 wurde es Weltmeister.

Das hat gute Gründe: Swiss-Ski verfügt über starke Sportlerinnen und Sportler, die nicht nur den Einzelerfolg suchen. Während für einige der Teamwettkampf ein unnötiger Plauschwettkampf ist, zelebrieren Wendy Holdener, Ramon Zenhäusern und Co. den Teamgedanken mit vollem Einsatz. Und sie werden oft belohnt.

Medaillenchance: 90 Prozent

18. Februar: Riesenslalom der Frauen

Michelle Gisin.

Michelle Gisin.

Giovanni Auletta / AP

Lara Gut-Behrami nannte den Riesenslalom immer wieder als Grundlage für Erfolg. Läuft es hier, läuft es auch sonst. Nach schwierigen Jahren ist sie im Riesen zuletzt wieder auf das Podest gefahren. Und der Erfolg ist – wie von ihr prognostiziert – auch in anderen Disziplinen zurück.

Weil Swiss-Ski mit Michelle Gisin über eine zweite Athletin verfügt, die im Riesenslalom in diesem Winter einen grossen Schritt nach vorne machte und zweimal auf dem Podest stand, sind das recht rosige Aussichten.

Medaillenchance: 80 Prozent

19. Februar: Riesenslalom der Männer

Marco Odermatt.

Marco Odermatt.

Christian Bruna / EPA

100 Prozent beträgt die Podestplatz-Quote von Swiss-Ski im Riesenslalom der Männer in dieser Saison: Marco Odermatt stand in sechs Rennen viermal auf dem Podest, davon einmal als Sieger. Loïc Meillard und Justin Murisier wurden beide je einmal Dritter.

So ist die jahrelange Sorgendisziplin plötzlich ein Garant für Erfolg geworden. Wer hätte das noch vor einigen Jahren gedacht? Doch der Erfolg schürt die Erwartungen. Keine Medaille im WM-Rennen – es wäre eine grosse Enttäuschung.

Medaillenchance: 90 Prozent

20. Februar: Slalom der Frauen

Mit Ausnahme des ersten Rennens der Saison stand immer eine Schweizerin auf dem Podest. Aber meist nicht Wendy Holdener, wie es zu erwarten war, sondern Michelle Gisin. Die Engelbergerin war es dann auch, die als erste Schweizerin seit 2002 einen Slalom gewinnen konnte, während Holdener weiter wartet.

Immerhin war Rang drei zuletzt in Flachau ein wichtiges Lebenszeichen der 27-Jährigen und der Beweis, dass auch mit ihr zu rechnen ist. Es wäre ein guter Ort für eine Siegpremiere.

Medaillenchance: 80 Prozent

21. Februar: Slalom der Männer

Ramon Zenhäusern.

Ramon Zenhäusern.

KEYSTONE

In der vergangenen Saison war die Schweiz bei den Männern Slalomnation Nummer eins. In diesem Winter hat uns Österreich klar abgelöst. Einzig Ramon Zenhäusern konservierte seine Form mit einem Sieg und zwei Podestplätzen.

Daniel Yule hingegen, im vergangenen Winter dreifacher Sieger, muss sogar um seinen Startplatz zittern, da insgesamt sechs Schweizer die WM-Norm erfüllten. Dem 27-Jährigen bleiben aber noch mehr als zwei Wochen Training, um es dann mit der Wut im Bauch allen zu zeigen.

Medaillenchance: 75 Prozent