Kolumne

Schiedsrichter wedeln Fehlentscheide mit Karten weg – und in welchem Punkt Marius Müller sich irrt

Gegen FCL-Torhüter Marius Müller läuft ein Verfahren, nachdem er die Schweizer Schiedsrichter kritisierte. Unser Sportredaktor nimmt Stellung und legt dar, in welchem Punkt Müller falsch liegt.

Turi Bucher
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Marius Müller, der Torhüter des FC Luzern, hat am Sonntag nach der 1:2-Niederlage in Lausanne mit seiner Kritik an Schiedsrichter Luca Piccolo und an den Schweizer Schiedsrichtern generell für Aufsehen beziehungsweise Aufhorchen gesorgt. Sein Frust nach dem Eckball-Fehlentscheid, der in der Folge zum 1:1 für Lausanne und irgendwie auch zur Wende im Spielgeschehen führte, ist nachvollziehbar. Auch seine Kritik darüber hinaus ist in der öden Landschaft der gesichts- und formatlosen Fussballer durchaus beeindruckend. Selbstverliebtheit und Unantastbarkeit bringt die Schweizer Schiedsrichter nicht weiter, nicht in unserer kleinen Liga; international erst recht nicht.

Turi Bucher

Turi Bucher

TV-Experte (und Ex-FCL-Torhüter) Peter Jehle äusserte am Sonntag etwas bieder die Meinung, man habe doch eine Verantwortung gegenüber den Schiedsrichtern (welche?), die Schiedsrichter würden einen unglaublich schwierigen Job machen (jetzt wissen wir es). Die Eröffnung des Verfahrens gegen Goalie Müller wirft tatsächlich die Frage auf: Dürfen Spieler die Schiedsrichter überhaupt kritisieren?

Schiedsrichter können, dürfen und werden weiterhin Fehler machen: Das ist nicht das Problem. Das Thema ist im «Fall Müller» vielmehr, wie Schiedsrichter eigene Fehler auf dem Feld mit gelben Karten wegwedeln. Es kann nicht sein, dass ein Torhüter für eine (immerhin nicht ungerechtfertigte) Reklamation genauso Gelb sieht wie beispielsweise ein Feldspieler, der einem gegnerischen Spieler auf den Fuss springt oder mit einer Grätsche von den Beinen holt. Wir wissen: Gelbe Karten können – wie Eckbälle übrigens auch – Spiele entscheiden. So gesehen hat der Schiedsrichter umgekehrt eine Verantwortung gegenüber den Spielern und der vernünftigen Einschätzung der Emotionen.

Müllers Kritik war nicht blind und einseitig. Er hat die Verteidigungsarbeit seiner Mannschaft in die Kritik mit einbezogen, weil er als Profifussballer durchaus realisiert hat, dass zwischen Corner-Fehlentscheid und 1:1 sehr viel Zeit lag. Zeit, um besser zu verteidigen. Das wiederum ist dann tatsächlich nichts Piccolos Problem. Nur in einer Sache irrt FCL-Torhüter Müller womöglich: nämlich, wenn er sagt, die Schweiz habe nur einen guten Schiedsrichter. Vielleicht sind es auch zwei.