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Schweiz gegen Kanada: Womöglich ein Jahrhundert-Spiel

Die Schweiz kann nicht darauf zählen, im WM-Halbfinal (19.15/SRF 2) von Kanada unterschätzt zu werden. Es steht ein spektakuläres Spiel gegen einen Kontrahenten mit Vorwärtsdrang bevor.
Klaus Zaugg, Kopenhagen
The Heroes are coming - die Helden kommen: Die Schweizer Gaetan Haas (links) und Gregory Hofmann. Bild: Andy Mueller/Freshfocus (Kopenhagen, 5. Mai 2018)

The Heroes are coming - die Helden kommen: Die Schweizer Gaetan Haas (links) und Gregory Hofmann. Bild: Andy Mueller/Freshfocus (Kopenhagen, 5. Mai 2018)

Finnland hat Kanada in der Vorrunde mit 5:1 vom Eis gefegt. Also haben wir, da wir ja besser sind als die Finnen, erst recht eine Chance gegen Kanada. Solche «Resultat-Milchbüchleinrechnungen» gehen natürlich nie auf. Sonst wäre Ambri auch schon Meister geworden.

Das Problem ist nicht spielerischer und taktischer Natur. Das Problem ist die Mentalität. Schmähliche WM-Niederlagen gehören zur finnischen Hockeykultur. Wie 2003, als die Finnen im Viertelfinal gegen Schweden 5:1 führten und 5:6 verloren. Vielleicht gehören gelegentliche Schmach-Niederlagen auch ein wenig zur finnischen Mentalität. Schliesslich erzählt kein Filmregisseur kultigere Verlierer­geschichten als Finnlands Aki Kaurismäki. Er ist auf eine gewisse Weise der Gotthelf der Finnen.

Der Gotthelf der Kanadier aber ist der im Jahre 2000 verstorbene Poet Al Purdy. Wenn wir Aki Kaurismäkis Filme sehen, verstehen wir, warum die Finnen gegen die Schweizer verlieren konnten. Wenn wir Al Purdys Gedichte lesen, ahnen wir, dass es im Halbfinal für die Schweiz schwierig wird. Seine Bücher lassen uns auf besondere Weise die Siegermentalität der Kanadier erahnen. Von ihm stammt die so treffende, martialische Formulierung: «Eishockey ist eine Mischung aus Mord und Ballett.»

Eishockey ist als nationaler Wintersport in der kanadischen Verfassung festgeschrieben. Eine ernste Sache also. Natürlich verlieren auch die Kanadier ab und an wichtige Spiele. Das gehört zur Natur eines unberechenbaren Spiels auf rutschiger Unterlage. Aber sie verlieren nie wegen Geringschätzung des Gegners.

Die Kanadier werden uns, anders als die Finnen, nicht unterschätzen. Das ist das grösste Problem. Die kanadischen Coaches bereiten sich akribischer als ihre Berufskollegen auf jedes Spiel vor. Egal wer der Gegner ist. Und die Spieler kümmert es nicht, wer der Gegner ist. Sie setzen einfach, wenn es wirklich zählt, im Namen des Vaterlandes alles daran, den Job zu machen. Deshalb sind sie 26-mal Weltmeister und 9-mal Olympiasieger geworden.

Löcher in der kanadischen Defensive

Die Kanadier werden auch nicht den Fehler der Finnen machen, nach einer Führung zu passiv und zu defensiv zu spielen. Im Gegenteil: Sie haben eine hochkarätige «Spengler-Cup-Mannschaft». In der DNA dieses Teams ist alleine schon von der Besetzung her der Vorwärtsdrang eingebrannt. Die Frage wird also sein: Gelingt es, die enorme offensive kanadische Feuerkraft zu neutralisieren? Möglich ist es, aber schwierig. Die Chancen stehen hingegen gut, dass wir gegen die Kanadier vier Tore erzielen. Die Torhüter sind durchschnittlich, die defensive Organisation ist durchlässig.

Sicher ist nur, dass es ein spektakuläres Spiel wird. Womöglich vom Unterhaltungswert her ein «Jahrhundert-Spiel». Weil wir vielleicht auf 25 Jahre hinaus nie mehr mit einem so guten WM-Team die Kanadier in einem so wichtigen Spiel auf Augenhöhe herausfordern können.

Kopenhagen, Halbfinals, heute 15.15 (SRF 2): Schweden – USA. – 19.15 (SRF 2): Kanada – Schweiz.

Sonntag, 15.45: um Platz 3. – 20.15: Final.

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