WM-Vorbereitung
Ausflug in die Wüste und Auszeit am Pool – doch jetzt ist fertig mit Kopflüften für die Schweizer Nati

In vier Tagen startet die Schweiz gegen Kamerun in die WM. Nach der Akklimatisierungsphase muss sie nun in Form kommen.

Christian Brägger, Doha
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Nationaltrainer Murat Yakin im Training.

Nationaltrainer Murat Yakin im Training.

Laurent Gillieron/Keystone

Das Nationalteam hat sich eingelebt in Doha. «Man gewöhnt sich auch an die Hitze», sagt Remo Freuler. Zwar ist für den Mittelfeldspieler die tägliche Übungseinheit um 11 Uhr Ortszeit eher ungewohnt, aber es helfe bei der Akklimatisierung. Die am Donnerstag verlorene WM-Hauptprobe gegen Ghana hat die Mannschaft längst ad acta gelegt. Dass der Begegnung mit allem drumherum etwas die Ernst- und Sinnhaftigkeit fehlte, ist Geschichte. «Das war überhaupt nicht die Schweiz, wie wir sie kennen. Sie sehen wir dann wieder gegen Kamerun, mit viel mehr Grinta», sagt Freuler.

Am Tag nach dem 0:2 ernannte Nationaltrainer Murat Yakin für die Endrunde Gregor Kobel zur Nummer zwei hinter Yann Sommer. Der 24-jährige Goalie hat eine starke erste Meisterschaftshälfte bei Dortmund hinter sich, die Wahl ist logisch.

Wieder zu Kräften zu kommen nach den Anstrengungen, war zuletzt das Motto bei den Schweizern. Und Teambildung. Hierfür diente ein siebenstündiger Ausflug in die Wüste. Es gab ein Programm mit Bogenschiessen, Kamelreiten, einer Falkenschau und einheimische Speisen. Und abends dann freie Sicht auf den Sternenhimmel. Offenbar eindrücklich und stimmig war das alles.

Die Akkus wieder ausgetankt

Am Samstag hatten die Spieler frei, und während die einen zu früher Stunde eine Golfrunde spielten, gönnten sich die anderen eine Auszeit am Pool oder widmeten sich Gesellschaftsspielen; sie sind bei den Schweizern besonders hoch im Kurs. Schliesslich organisierte die Mannschaft für sich ein gemeinsames Nachtessen in der Stadt. Getrennt vom Staff, der dasselbe machte.

Am Sonntagmorgen dann war fertig mit dem Kopflüften. Und Yakin zog die Schrauben nach dem willkommenen Rhythmuswechsel ziemlich an. «Die Trainingsintensität war viel grösser, mit vielen Sprints, oder elf gegen elf. Wir haben jetzt noch zwei, drei Tage richtig Arbeit vor uns, um dann gegen Kamerun bereit zu sei», sagt Freuler.

Alle Spieler, auch Ricardo Rodriguez mit einem einbandagiertem Bein oberhalb und unterhalb des Knies, sind einsatzfähig. Der Linksverteidiger hatte vorsichtshalber auf die Partie gegen Ghana verzichtet nach einer Prellung. Eine WM-Begegnung hätte er aber nicht verpasst. Bloss kein Risiko. Bleibt einzig einmal mehr die Frage nach Sommer, der nach seiner auskurierten Sprunggelenkverletzung gegen Ghana nicht hundertprozentig bereit schien. Er wirkte teils zögerlich, unsicher, mit Mühe beim Timing – so kennt man den Schweizer Goalie nicht.

So gesehen ist der Test noch nicht ganz ad acta gelegt. Wenngleich das für Sommer mit seiner Routine und grossen Klasse zu schaffen sein sollte: Es muss sich zeigen, ob er seine Ausstrahlung in den Trainings wieder zurückgewinnen kann. Oder ob der Nationaltrainer Kobel, den er doch ziemlich früh als Nummer zwei bestimmt hat, bringen muss.

Aus medizinischer Sicht alles gut bei Sommer

Medizinisch jedenfalls ist alles in Ordnung. Schmerzmittel nimmt Sommer für die Trainings keine – im Test gegen Ghana aber schon –, der Fuss schwillt nicht mehr an. So erzählt das Pierre-Etienne Fournier. Der Schweizer Teamarzt hat ihn intensiv begleitet in den vergangenen Wochen, stand in regelmässigem Austausch mit Mönchengladbach, dem Arbeitgeber. Fournier sagt: «Von uns hat Yann grünes Licht.»

Für das Team und noch mehr für den Staff gab es in der Zwischenzeit immer wieder zeitraubende Meetings mit der Fifa. Es ging um Schiedsrichter, Regeln, Briefings zu Katar, zur WM. Während des Turniers soll natürlich alles reibungslos verlaufen. Auch bei der Schweiz. Da ist die Klimaanlage in ihrem Fünfsternekomplex, die auf 23 Grad Celsius hochgeschraubt werden musste, um die Temperaturunterschiede von drinnen zu draussen auszugleichen, ein Luxusproblem.

Der Countdown läuft.