Tourenwagenfahrer Yannick Mettler hofft auf einen Werkvertrag

Autorennfahrer Yannick Mettler gibt weiter Vollgas: In diesem Jahr darf sich der Krienser gar interkontinentaler Champion nennen.

Stephan Santschi
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Yannick Mettler (links) mit Dexter Müller auf dem Podium in Le Castellet.

Yannick Mettler (links) mit Dexter Müller auf dem Podium in Le Castellet.

Bild: PD

Im Januar begann sie in Dubai, im November endete sie in Texas: Tourenwagenfahrer Yannick Mettler hat gerade die längste Saison seiner Karriere hinter sich gebracht. «Bei den vielen Rennen ist es nicht einfach, ein kurzes Resümee zu ziehen», sagt der 30-jährige Krienser und schmunzelt. Zunächst jedoch ein kleiner Rückblick ins Jahr 2018: Da hatte Mettler den bisher grössten Erfolg realisiert, indem er mit Heiko Eichenberg die VLN Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring in der GT4-Klasse gewann. Für ihn war es der erste Meistertitel im Autosport und ein Türöffner: «Der Titel bringt mir sehr viel Aufmerksamkeit und Glaubwürdigkeit. Jetzt geht das Karussell los», sagte er damals.

Yannick Mettler mit seinem Mercedes-AMG GT3 unterwegs in Le Mans.

Yannick Mettler mit seinem Mercedes-AMG GT3 unterwegs in Le Mans.

Bild: PD

Abgesetzt hat es ihn 2019 gleich an drei verschiedenen Stationen. Zum einen gelang Mettler der anvisierte Aufstieg in die GT3-Klasse, welche als Königsdisziplin vieler Langstreckenrennen gilt. An der Seite des Zürchers Dexter Müller bestritt er im Mercedes-AMG GT3 den Le Mans Cup. Hierbei handelt es sich um eine Serie mit sieben Rennen, die als Highlight einen Auftritt im Vorprogramm des 24-Stunden-Rennens von Le Mans bereithält. Insgesamt fuhren Mettler/Müller zweimal aufs Podest und landeten auf Gesamtrang fünf. «Leider hatten wir einen Ausfall zu beklagen, sonst hätten wir um Platz drei mitfahren können. Auch so gelang uns die Debüt-Saison aber über den Erwartungen.»

Hattrick auf dem Nürburgring

Hinzu kamen drei Siege bei fünf GT-4-Einsätzen auf dem Nürburgring – in jener Klasse also, die er letztes Jahr gewann. Mettler bestritt im Mercedes aber nicht mehr alle Rennen dieser Serie, sondern konzentrierte sich auf die Highlights. Dazu zählte das 24-Stunden-Rennen, das er nach 2017 und 2018 zum dritten Mal hintereinander gewann. 

«Dieser Hattrick ist ein ganz besonderer Erfolg, der bisher nur wenigen gelungen ist.»

Doch es folgte noch mehr: Mettler beteiligte sich auch an einer Tourenwagen-Meisterschaft, die sich aus den 24-Stunden-Rennen von Dubai, Portimão, Barcelona und Austin zusammensetzte. In einem VW Golf TCR der Autorama AG in Wetzikon gewann er an der Seite des Westschweizers Jérôme Ogay das erste Rennen in Dubai, später standen sie mit drei weiteren Teamkollegen auch in Portimão zuoberst auf dem Podest. Zwei dritte Plätze in Barcelona und Austin reichten schliesslich zum Gesamtsieg – Mettler und Co. durften sich «24h Series Intercontinental Touring Car Team Champion» nennen. Mettler und Ogay entschieden überdies auch die interkontinentale Fahrerwertung für sich.

Hochspannung im November

Das letzte Rennen in Austin Mitte November war dabei an Spannung kaum zu überbieten. Mettler sass als fahrerische Speerspitze sogar am Steuer von zwei verschiedenen Rennwagen, um die Chancen auf den Gesamtsieg zu erhöhen. Nach einem steten Auf und Ab, mit technischen Defekten im eigenen Team und bei der Konkurrenz sowie einer spektakulären Aufholjagd reichte es Autorama Motorsport schliesslich zum Gesamtsieg. «Zuweilen dachten wir, dass alles vorbei ist. Doch ein 24-Stunden-Rennen ist erst entschieden, wenn man nach 24 Stunden über die Ziellinie fährt», sagt Mettler.

Vorerst bleibt er ein Freelancer im Motorsport

Seine bisher beste Saison aus dem Vorjahr hat er damit bestätigen können, beide stuft er als gleich wertvoll ein. 2019 war besonders herausfordernd, weil er zwischen drei verschiedenen Rennserien, Teams und Fahrzeugen wechselte. «Ich bin stolz auf meine Leistung.» Mettler ist seinem Traum vom Vollprofi nochmals näher gerückt. «Ich habe dieses Jahr mein erstes Geld als Rennfahrer verdient, das war ein cooles Gefühl», sagt der Maschinenbauingenieur, der nebenbei als Coach tätig ist und an der Entwicklung von Rennsimulatoren mitarbeitet.

Vorderhand bezeichnet er sich selber weiterhin als «freischaffender Rennfahrer auf Auftragsbasis», ein Freelancer im Motorsport also, der auf Aufträge von Teams oder Fahrern angewiesen ist. Sorgt dies nicht für Unsicherheit? «Das gehört zum Leben eines Rennfahrers, das ganze Geschäft ist extrem dynamisch und hat natürlich auch Schattenseiten. Es gab aber schon schwierigere Zeiten, daher schaue ich positiv auf die nahe Zukunft», so Mettler.

Kommende Saison möchte er seine Leistungen bestätigen. Hauptziel ist der Aufstieg in die GT3-Klasse in der Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring. Dann könnte auch ein Werkvertrag bei einem Rennstall möglich werden. Zunächst möchte Mettler nach seiner bisher intensivsten Saison nun aber etwas zur Ruhe kommen.