YB steht für Toleranz und Integration

Der FC Luzern empfängt morgen Samstag (19 Uhr) den Meister BSC Young Boys, der für Schlagzeilen sorgt in seinem Kampf gegen Homophobie.

Nicola Berger
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Die YB-Spieler jubeln mit Guillaume Hoarau (rechts), der gegen Basel das 2:0 erzielt hat.

Die YB-Spieler jubeln mit Guillaume Hoarau (rechts), der gegen Basel das 2:0 erzielt hat. 

Anthony Anex/Keystone (Bern, 26. Januar 2020)

Letzte Woche zeigten die Young Boys ihr Klublogo in den sozialen Medien mit einem Hintergrund in Regenbogenfarben, dem Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung. Es war eine politische Botschaft, ein Statement gegen Diskriminierung, kurz vor der Abstimmung über die Erweiterung der Antirassismusstrafnorm vom 9. Februar.

Es gibt im Profisport viel Scheinheiligkeit, was grosse Themen und die Politik angeht; für ein paar Likes auf den sozialen Medien verfasst fast jeder Verein ein paar sozialromantische Sätze, wenn es gerade opportun erscheint. Aber hinter dem Engagement von YB stehen mehr als leere Worte – der Klub setzt sich seit vielen Jahren für Toleranz ein. Im Herbst etwa lud YB in Zusammenarbeit mit dem linksalternativen Fantreff Halbzeit 150 Flüchtlinge zu einem Apéro und dem Besuch der Partie gegen Xamax ein.

Das Team ist frankofon und afrikanisch geprägt

Und dann ist es ja so, dass YB das beste Beispiel für gelungene Integration ist. Die Mannschaft des Meisters ist stark frankofon und afrikanisch geprägt. Es ist nicht lange her, da sorgte das für Irritationen – die «Berner Zeitung» etwa fragte den Präsidenten Hans-Peter Kienberger 2017, ob «die unsägliche Überlegung» eine Rolle spielen dürfe: dass es möglicherweise die Identifikation erschwere, wenn manchmal bis zu sieben dunkelhäutige Spieler auf dem Platz stehen. Weil solche Dinge den Stammtischrassisten auffallen. Und sie dann ein paar unappetitliche Sprüche klopfen können, wenn es nicht läuft.

Christoph Spycher kann sich daran noch erinnern, der YB-­Sportchef sagt: «Die Mentalität der Mannschaft wurde damals in Frage gestellt.» Die unterschwellig vorgebrachte Vorhaltung war: YB könne mit so vielen Spielern mit frankofonen und afrikanischen Wurzeln nichts gewinnen. «Ein Witz» sei das gewesen, sagt Spycher, «da wurden billige Klischees bedient.» Er wehre sich sowieso gegen Pauschalisierungen: «Es kommt auf den Spieler an, nicht die Hautfarbe oder die Nationalität. Nur weil einer beispielsweise ein Deutschschweizer ist, heisst das nicht, dass er härter arbeitet.»

Dank Erfolg gibt es keine Nörgler

Das Geschwätz ist ohnehin passé – wahrscheinlich nicht, weil die Gesellschaft im Jahr 2020 weiter ist als 2017. Aber weil YB mit diesem Kadermix so erfolgreich ist, sind die Nörgler ruhig. Die Berner befinden sich auf dem Weg zum dritten Meistertitel in Serie und haben gute Chancen, erstmals seit 1958 wieder das Double zu gewinnen.

Die Tore werden dabei mehrheitlich von Spielern mit Wurzeln in Afrika erzielt: Der Kameruner Jean-Pierre Nsame ist mit 16 Treffern der beste Torschütze der Liga. Neben ihm bereichern der Ivorer Roger Assalé, der auf der Insel La Réunion geborene Franzose Guillaume Hoarau und der Kameruner Nicolas Moumi Ngamaleu den YB-Angriff. Spycher sagt, diese Spieler würden Lebensfreude und eine gewisse Leichtigkeit ins Team bringen, das Kollektiv beleben. Spycher sagt auch: «Man kann nichts pauschalisieren. Es gibt bei uns auch Schweizer, die Stimmungskanonen sind.» Es spricht für YB, dass sich der Verein offen zu ­seinen Werten bekennt und für Toleranz und Integration einsteht.

Die beste Werbung für die Kraft dieser Attribute liefert der Klub mit seinem Produkt auf dem Rasen.