«Zeitplan war zu euphorisch»: Wie Robert Hammig den eigenen Ultra-Trail erlebt hat

Robert Hammig plante den Lauf seines Lebens, wollte in 32 Stunden den Vierwaldstättersee über die Zentralschweizer Bergwelt umrunden. Der 39-jährige Surseer erklärt, weshalb er trotz Aufgabe zufrieden ist.

Interview: Stephan Santschi
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Der Surseer Robert Hammig musste den Ultra-Trail nach 153 Kilometer abbrechen.

Der Surseer Robert Hammig musste den Ultra-Trail nach 153 Kilometer abbrechen.

Bild: Pius Amrein

171 Kilometer, 10400 Höhenmeter. Wie erlebten Sie Ihren eigenen Ultra-Trail?

Robert Hammig: Leider habe ich ihn nicht ganz zu Ende gebracht. Ich schaffte es bis Kilometer 153, dann musste mich ein Kollege auf der Seebodenalp abholen.

Was ist passiert?

Ich machte auf der Rigi Scheidegg eine kleine Pause in einer Bergbeiz. Als ich dann wieder aufstand, um den Lauf fortzusetzen, zog ich mir im Gesässbereich eine Zerrung zu. Ich habe es zwar noch probiert, ich hätte die restlichen Kilometer auch gehen können. Doch das war es mir nicht mehr wert, die Gesundheit geht vor.

Nahmen Sie sich zu viel vor?

Nein, doch der Lauf war sehr lehrreich. Mein Zeitplan war zu euphorisch. Ich ging davon aus, dass alles optimal läuft. Bereits vor meiner Aufgabe war ich etwa vier, fünf Stunden im Verzug. Ich brauchte mehr und längere Verschnaufpausen als geplant.

Wie bewältigten Sie die Strapazen bis zur Aufgabe?

Der Beginn von Luzern über den Pilatus nach Dallenwil lief perfekt. Auf dem Risetenstock erlebte ich einen schönen Sonnenuntergang. Auf dem Weg nach Flüelen entluden sich die Batterien meiner Stirnlampe, sodass ich den Weg mit dem Handy beleuchten musste. Nach Flüelen kam nicht der Hammermann, sondern das ganze Abbruchunternehmen (lacht). Ich musste immer wieder stehen bleiben, mich zum Essen zwingen. Auf dem Klingenstock rannte eine Kuhherde auf mich zu, es war recht abenteuerlich.

Sind Sie trotz Aufgabe mit dem Lauf zufrieden?

Absolut. Wenn man in der Dunkelheit alleine unterwegs ist oder wenn es so heiss wie an der Rigi wird, denkt man immer wieder ans Aufhören. Trotzdem hätte ich den Lauf zu Ende gebracht, wenn ich mich nicht verletzt hätte. Ich geniesse, was ich geschafft habe. Und bin meinen Freunden für die Hilfe dankbar.

Was kommt nun?

Regeneration, etwas Aquafit oder eine Massage vielleicht. Laufen werde ich diese Woche wohl nicht (lacht).