Laufsport
Beim Obwaldlied gibt’s Gänsehaut: Der Sarnen Halbmarathon lässt den Emotionen freien Lauf

Der neunte Switzerland Marathon light um den Sarnersee begeistert Läuferinnen, Läufer und das Publikum.

Jörg Greb
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Vera Josephine Landtwing, die Halbmarathon-Siegerin bei den Frauen.
16 Bilder
Die Läuferinnen und Läufer auf der 10-Kilometer-Strecke.
Viktor Röthlin und Dario Cologna, der den Halbmarathon auf dem 29. Platz beendet mit einer Zeit von 1:20.
Selina Burch gewinnt den 10-Kilometer-Lauf.
Sieger des Halbmarathon Männer, Seare Weldezhegi.
Viktor Röthlin klatscht alle Läufer im Ziel ab
Impressionen des Swiss Light Marathon Sarnen. Im Bild: Publikum kurz vor dem Ziel
Impressionen des Swiss Light Marathon Sarnen. Im Bild: Publikum kurz vor dem Ziel
Publikum kurz vor dem Ziel
Publikum kurz vor dem Ziel
Gratulationen nach dem Zieleinlauf
Tobia Sievert gewinnt den 10-Kilometer-Lauf.

Vera Josephine Landtwing, die Halbmarathon-Siegerin bei den Frauen.

Bild: Boris Bürgisser (Sarnen, 4. September 2022)

Viktor Röthlin strahlt. Er, der frühere Marathon-Europameister und Organisator des grössten Obwaldner Volkssportanlasses, konnte auf der Sportanlage Seefeld in viele lachende und entspannte Gesichter blicken. Und diese Begeisterung übertrug sich hinter der Ziellinie auch auf ihn:

«Das tut dem Herzen gut, und es zeigt sich Dankbarkeit und Stolz.»

Nach den beiden Austragungen mit den Einschränkungen und den kanalisierten Emotionen, konnte der Switzerland Marathon light mit seinen fünf Rennformaten – Halbmarathon, 10 km, 5 km, Klassenevent und Kinderrennen wieder im gewohnten Rahmen durchgeführt werden. Oder anders gesagt: mit Publikum, kompaktem Zeitplan und dem gebührenden Feiern der Besten.

Akustisches Highlight im Wald

Geboten hat der Switzerland Marathon light das, was die Volksläufer populär macht: gemeinsames Sporttreiben, erleben, einteilen, sich miteinander messen und nicht zuletzt den 1:1-Vergleich mit den Besten und identischen Voraussetzungen. Und er bot an der Spitze der Hauptprüfung über die Halbmarathon-Strecke von 21,1 km Ausmarchungen von hoher Qualität mit einem Dominator zuvorderst, dem Eritrea-Zürcher Seare Weldezhegi. Einen engen und harten Fight um den Tagessieg gab es bei den Frauen zwischen der Baselbieterin Vera Landtwing und Einheimischen Doris Nagel-Wallimann zu sehen. Zu besonderen Glückgefühlen kam die Frauensiegerin. Vera Landtwing, die Violin-Lehrerin aus Therwil, führte diese auf ihren Sieg und ihre Zeit zurück. Um 3:20 Minuten verbesserte sie ihre bisherige Bestmarke über die Distanz. «Genial, gigantisch und fantastisch dieses Erlebnis und diese Zeit», sagte sie, «das beweist mir, was sich mit Freude und effektivem Training auch als Späteinsteigerin erreichen lässt.» Die mittlerweile 39-Jährige war auf Anraten des Arztes erst mit 30 zum Laufen gestossen.

Rang zwei bei den Frauen erkämpfte sich die gleichaltrige Doris Nagel-Wallimann – ebenfalls mit einer Top-Zeit: 1:23.32. «Streng, aber wunderschön», bilanzierte sie. Als Höhepunkt erlebte sie das Waldstück bei Kilometer 14. Das «Obwald-Lied» ertönte da aus diversen Lautsprechern. Bei ihr erzeugte das «Gänsehaut und ganz tiefe Emotionen». Erinnert sah sich die Erfolgsverwöhnte aus Hünenberg an ihre Herkunft:

«Meine Eltern stammen aus Obwalden, bei diesem Jodel spürte ich, woher ich komme.»

Der Olympiasieger mit angezogener Handbremse

Bei den Männern setzte sich Serane Weldezhegi in der mässigen Siegerzeit von 1:07:46 durch. Im Vergleich: Der Streckenrekord steht seit 2015 bei 59:54 (Edwin Koech/KEN). Der Exil-Eritreer aus Zürich musste aber nicht lange nach einer Erklärung suchen: «Ich war schon nach wenigen Metern allein, und bald konnte ich zurückschauen und ich entdeckte niemanden mehr hinter mir.»

Anfänglich drückte er aufs Tempo und versuchte im Alleingang eine Top-Zeit zu realisieren. Dann aber «wurde es immer schwieriger, und schliesslich beschränkte ich mich auf den Sieg.» 3:09 Minuten nahm er dem zweitplatzierten David Keller ab, 3:17 dem dritten Florian Vogel, dem einstigen Weltklasse-Mountainbiker.

Viktor Röthlin und Dario Cologna, der den Halbmarathon auf dem 29. Platz beendet mit einer Zeit von 1:20.

Viktor Röthlin und Dario Cologna, der den Halbmarathon auf dem 29. Platz beendet mit einer Zeit von 1:20.

Bild: Boris Bürgisser

Und Aufsehen erregte auch Dario Cologna. Der Ende Winter abgetretene Langlauf-Vierfach-Olympiasieger ging aufgrund einer eben erst überwundenen starken Erkältung nicht ans Limit. Mit 1:20:43 Stunden lief er als 28. ein. Sein Herbstziel, den London Marathon von Anfang Oktober mit der ambitiösen Zielzeit von 2:30 Stunden, will der Routinier mit den Trainingsplänen von Viktor Röthlin dennoch nicht anpassen: «Ich war Sportler und peile diese ambitiöse Marke an.» Aber klar für ihn: Ihm steht noch einiges an Lauftraining bevor – «und ob ich’s schliesslich schaffe, kann ich nicht abschätzen».