Handball
Nach wichtigen Ausfällen ist beim HC Kriens-Luzern die zweite Reihe gefordert

Fabian Böhm fällt bis Ende Jahr aus. Nun muss Kriens-Luzern in der Breite stärker werden – ein erstes Mal morgen gegen Suhr Aarau.

Stephan Santschi
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Der Krienser Fabian Böhm (rechts) erlitt einen Anriss des Innenbands am linken Knie.

Der Krienser Fabian Böhm (rechts) erlitt einen Anriss des Innenbands am linken Knie.

Bild: Pius Amrein (Kriens, 11. September 2022)

Es ist kein Kreuzbandriss, das ist die gute Nachricht, dennoch wird Fabian Böhm bis Ende Jahr ausfallen: Am Donnerstag zog er sich im Auswärtsspiel gegen GC Amicitia Zürich bei einem Ausrutscher einen Anriss des Innenbands im linken Knie zu. Ohne den Abwehrchef und linken Aufbauer mussten die Krienser Handballer mit dem Skore von 28:29 die erste Niederlage der QHL-Saison hinnehmen. «Wir waren schlecht, allen voran ich. Das war meine bisher schwächste Leistung in Kriens, ich spielte mit zu wenig Energie, Ideen und Freude», erklärt Andy Schmid.

Dass er die Hauptschuld des Misstritts in Zürich auf sich nimmt, ehrt den 39-jährigen Spielmacher und unterstreicht die ausserordentliche Führungsrolle, die er bei den Zentralschweizern seit seiner Rückkehr einnimmt. Tatsächlich war Schmid nicht auf seinem gewohnten Level, und doch darf der Gesamtauftritt der Mannschaft nicht derart abhängig von der Tagesform ihres Superstars sein. «Handball ist keine One-Man-Show», betont HCKL-Trainer Peter Kukucka und spricht eine klare Forderung aus:

«Andere Spieler müssen mehr geben, mehr zeigen.»

Die letzte Saison wirkt nach

Genau daran kränkelt der HC Kriens-Luzern. Schmid, Böhm und Kreisläufer Marin Sipic, die Toptransfers des letzten Sommers, haben die Mannschaft auf ein neues Level gehoben. Ausser dem 37:27-Heimsieg vor einer Woche gegen Wacker Thun schoss sie aber keinen Gegner aus der Halle, «zehn von elf Mal hatten wir grosse Mühe, das habe ich so nicht erwartet», gesteht Schmid. Den Eindruck, dass er etwas überspielt wirkt, stellt er nicht in Abrede. «Körperlich ist meine Verfassung okay. Ständig am Kabel ziehen zu müssen, ist aber schon anstrengend.»

Zwar wussten die Krienser schon vor dieser Spielzeit, dass sie in der Breite nicht derart stark besetzt sind wie die Kadetten Schaffhausen. Trotzdem hängt zu viel an Schmid, Böhm und Sipic, vor allem die zweite Reihe setzte bisher zu wenig Akzente, liess Entschlossenheit und Selbstvertrauen vermissen. Dimitrij Küttel, der Neuzuzug aus Schaffhausen, ist noch nicht richtig in Kriens angekommen. Und der Stamm des Teams, das vergangene Saison auf dem schwachen sechsten Platz landete, scheint mit Ausnahme von Milos Orbovic die Probleme weiter mit sich herumzutragen.

Nächste Spiele sind «tricky, aber wertvoll»

Während Moritz Oertli (Rückraum Mitte) wegen Hüftproblemen erst 2023 zurückerwartet wird, stagnieren Tim Rellstab (linker Aufbau) und die Abwehrspezialisten Aljaz Lavric und Gino Delchiappo. Die Flügel Wanner (fällt mit Muskelverletzung aus), Idrizi, Schlumpf und Langenick sind unzureichend ins offensive Kollektiv integriert. Goalie Rok Zaponsek fehlt es in entscheidenden Momenten an der Ausstrahlung. Und so ist nachvollziehbar, wenn Schmid die restlichen sieben Meisterschaftsspiele in diesem Jahr ohne Böhm zwar als «tricky», auf lange Sicht aber als «wertvoll» bezeichnet.

Hierzu muss indes jeder Akteur mehr Verantwortung übernehmen. Eine erste Gelegenheit bietet sich am Sonntag, wenn Suhr Aarau in der Krauerhalle (17 Uhr) gastiert. Wie die Zürcher sind auch die Aargauer ein unangenehmer Kontrahent.

«Nun geht es darum, zu den Basics zurückzukehren, nicht schön zu spielen, sondern Handball zu arbeiten», sagt Schmid, und mit Blick auf seine Baisse in Zürich hält er fest:

«Der November war bei mir oft ein Monat, wo es nicht so lief, das gehört dazu.»

Dass er sich herauskämpfen kann, hat er in seiner grossartigen Karriere etliche Male bewiesen.