Fussball
Königstransfer mit Leidensgeschichte: Demerali Saliu will endlich wieder angreifen

Zwei Jahre fiel er aus, nun steht er in der 1. Liga vor dem Comeback: Emmenbrücke-Captain Demerali Saliu.

Stephan Santschi
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Demerali Saliu (vorne), hier im Training, kann sein Comeback kaum erwarten.

Demerali Saliu (vorne), hier im Training, kann sein Comeback kaum erwarten.

Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 3. August 2022)

«Wenn er zurückkommt, ist er unser Königstransfer.» Meris Kazic, der Trainer des FC Emmenbrücke, kann das Comeback seines Captains kaum erwarten. Im September 2020, also vor bald zwei Jahren, zog sich Demerali Saliu einen Anriss des vorderen Kreuzbands zu. Auf Anraten der Ärzte entschied er sich für eine konservative Behandlung, ein paar Monate später verletzte er sich im Training aber zusätzlich am Meniskus. Und so kam er im Januar 2022 schliesslich doch unters Messer, «rückblickend hätte ich sofort operieren lassen sollen», sagt der 32-jährige Mittelfeldspieler heute.

Wenn der FC Emmenbrücke am Samstag mit dem Heimspiel gegen Solothurn (18 Uhr, Gersag) in die neue 1.-Liga-Saison startet, wird Saliu noch nicht dabei sein. Aktuell befindet er sich gemäss eigener Einschätzung bei 70 bis 80 Prozent seines Leistungsvermögens, am nächsten Montag absolviert er einen Belastungstest, anschliessend erfolgt die Standortbestimmung mit Sportmediziner Koni Birrer.

Logistiklehre statt Leistungssport

«Mit meinem ersten Einsatz rechne ich im September oder Oktober. Dann wird eine lange Leidenszeit zu Ende gehen. Es war meine erste Verletzung überhaupt.»

Das fussballerische ABC erlernte Saliu beim SC Kriens. Ohne jemals in einer U-Auswahl gespielt zu haben, schaffte er es ins Fanionteam, spielte unter Trainer Maurizio Jacobacci in der Challenge League. «Ich war als Junior klein, hatte es nicht einfach. Ich bin ein Kämpfertyp, hole das Maximum aus meinen Möglichkeiten heraus», erzählt der 1,78-Meter grosse Schweizer mit nordmazedonischen Wurzeln. Als Sechser oder Achter fungiert er als Taktgeber, geht hart in die Zweikämpfe, «wie ein Leader», bemerkt Saliu und Trainer Kazic betont: «Demko ist ein kompletter Mittelfeldspieler.»

Mit dem SC Kriens stieg der Linksfuss im Jahr 2012 im Rahmen der Liga-Reduktion aus der Challenge League ab, spielte eine weitere Saison in der Promotion League und beendete anschliessend seine Ambitionen im Spitzenfussball. Ein Angebot aus Schaffhausen schlug er aus, wechselte stattdessen nach Schötz und lancierte eine Logistiker-Lehre. Dreieinhalb Jahre spielte er in der 1. Liga, war Captain, doch als die Gelegenheit kam, sich zum Logistikfachmann weiterbilden zu lassen, stufte er die sportlichen Ansprüche ein weiteres Mal zurück. Im Winter 2017 wechselte Saliu zum FC Emmenbrücke, der damals nur in der 3. Liga spielte. «Das Projekt überzeugte mich.»

Lange verletzt und doch nie wirklich weg

Emmenbrücke setzte auf eine furiose Vorwärtsstrategie, und tatsächlich: Der einst stolze B-Ligist entwickelte sich vorzüglich, unterstützt von namhaften Zuzügen wie Tomislav Puljic oder Janko Pacar. 2018 gelang der Aufstieg in die 2. Liga, 2019 in die 2. Liga inter – mit Saliu als Leistungsträger. Auch die kürzliche Rückkehr in die 1. Liga erlebte er hautnah mit, trotz der Verletzung.

«Ich habe kaum ein Training verpasst. Ich sprach viel mit den Spielern, wollte sie nicht aus den Augen verlieren.»

An den Spielen leitete er das Einlaufen und unterstützte den Staff auf der Bank.

Saliu, der mit seiner Frau und seiner bald zweijährigen Tochter in Schachen wohnt, kann sein Comeback nun kaum erwarten. «Mit Emmenbrücke in der 1. Liga zu spielen, das war mein Ziel, als ich hierher gewechselt bin.» Wer seinen Ehrgeiz und jenen der Emmenbrücker Vereinsverantwortlichen um Präsident Franco Gulli kennt, ist aber nicht überrascht, dass das Projekt noch nicht abgeschlossen ist. Promotion League heisst der Gipfel der Bergbesteigung, «in zwei, drei Jahren wollen wir oben angreifen», sagt Demerali Saliu.