Surfen
Geduld hat sich ausgezahlt: Die Surf-Queen setzt sich die Krone auf

Die Urner Speedsurferin Heidi Ulrich holt sich in Namibia den langersehnten dritten Weltrekord.

Walter Rudin
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Für Heidi Ulrich hat sich in Namibia ein Traum erfüllt.

Für Heidi Ulrich hat sich in Namibia ein Traum erfüllt.

Bild: Jaco Wolmarans (Lüderitz, 25. November 2022)

Kann man mit fast 100 km/h auf einem Surfbrett über das Wasser rasen? Möglich ist das nur in ganz flachem Wasser ohne jegliche Wellen und in einer Gegend, in der es sehr viel Wind gibt. Speed-Profis aus aller Welt reisen dafür nach Afrika und lassen sich in Lüderitz, Namibia, mit Baggern am Sandstrand eigens dazu einen Kanal ausgraben, um hier Speed-Rekorde aufzustellen.

Die Urnerin Heidi Ulrich ist eine der wenigen Frauen, die sich dem Speedsurfen verschrieben hat. Die ehemalige Beachvolleyballerin kam erst als 27-Jährige durch ihren Freund Christian Arnold zum Surfsport, legte dann aber gleich richtig los. Ein Jahr später war sie bereits an den ersten Wettkämpfen anzutreffen und spezialisierte sich schnell. Nicht Slalom, Foil, Wave oder Freestyle interessierte sie, ihr Herz schlug ganz klar für Tempo: für Speedrennen.

Schreckmoment bei der Anreise

2019 hatte sie die verrückte Idee, drei Weltrekorde zu brechen. In einer Crowdfunding-Aktion kamen für das Projekt «Weltrekordjagd» 25000 Franken zusammen. Beim Event Prince of Speed erzielte sie den Weltrekord über die nautische Meile noch im selben Jahr. Den Weltrekord über eine Stunde brach sie kurze Zeit später ebenfalls in Frankreich gleich beim ersten Versuch. Nur mit dem dritten Rekord, der Königsdisziplin über 500 Meter, wollte es bisher nicht klappen. Und den kann man eben nur im ausgebaggerten Kanal in Namibia knacken. 2019 hatte Ulrich dort den Rekord knapp verfehlt. Dann kam die coronabedingte Zwangspause. Jetzt sollte ein neuer Versuch unternommen werden.

Ende Oktober reiste Ulrich nach Namibia. Einen Monat wollte sie sich hier für Rekordversuche Zeit lassen. Bereits bei der Anreise gab es einen Schreckmoment. Kurz vor der Ankunft am Zielort Lüderitz brach sie sich einen Finger. Davon liess sie sich aber nicht aus der Ruhe bringen. «Was dich nicht tötet, macht dich nur stärker, surfen ist trotzdem möglich», postete sie in den sozialen Medien. Dann begann das grosse Warten, wochenlang gab es zu wenig Wind, der Windwinkel war nicht optimal oder der Kanal zu krabbelig. Nicht einfach, die Motivation über eine so lange Zeit aufrechtzuerhalten.

Auf den letzten Drücker

In der dritten Woche die ersten Lichtblicke: Mit 49,3 Knoten (91,3 km/h) hatte sie eine neue Höchstgeschwindigkeit für Frauen erreicht. Aber es gelang immer noch nicht, den 500-m-Rekord zwischen den offiziellen Gates zu brechen. Die Zeit schien davonzurennen, die Hoffnung sank. Doch am zweitletzten Tag klappte es. Mit 47,14 Knoten, also fast 90 km/h, legte Ulrich ihren Traum-Run hin und konnte den alten Rekord von Zara Davis aus dem Jahr 2017 um 0,7 Knoten verbessern. Damit hat sich Heidi Ulrichs grosser Traum erfüllt, sie ist «World’s fastest woman on open water», die schnellste Frau über alle Disziplinen.