Telemark
Beatrice Zimmermann ist bereit für die Saison – Stefan Matter muss passen

Die kommende Telemark-Saison bringt für zwei Unterwaldner unterschiedliche Perspektiven.

Theres Bühlmann
Drucken
Teilen
Die Stanserin Beatrice Zimmermann strebt an den Weltmeisterschaften eine Medaille an.

Die Stanserin Beatrice Zimmermann strebt an den Weltmeisterschaften eine Medaille an.

Bild: Etienne Bornet/PD

Die Schweizer Telemark-Fahrer waren in der letzten Saison eine Macht. Sie gewannen zum fünften Mal in Folge die Nationenwertung und sechs weitere Kristallkugeln für Disziplinensiege. Mit der Walliserin Amélie Wenger-Reymond und dem Engelberger Stefan Matter sicherten sich zudem zwei Schweizer den Gesamtweltcup. Wegen der Coronakrise wurde im März auf den Weltcupfinal in Thyon (VS) verzichtet. Das vorzeitige Saisonende bedeutete dann die definitive Schlusswertung. Sechs Podestplätze, darunter drei Weltcupsiege, resultierten für den 33-jährigen Matter, der den Gesamtweltcup mit acht Punkten Vorsprung auf seinen Teamkollegen Bastien Dayer gewann und auch die Classic-Wertung für sich entschied.

Der Engelberger Stefan Matter.

Der Engelberger Stefan Matter.

Doch der Routinier aus Engelberg wird in der kommenden Saison bei Wettkämpfen fehlen. Matter zog sich im vergangenen März an der Schweizer Meisterschaften auf Melchsee-Frutt eine gravierende Knieverletzung zu. Zum Verhängnis wurde ihm ein Sturz beim Fun-Cross, bei dem am linken Knie beide Kreuzbänder und die Patellasehne rissen. In Mitleidenschaft gezogen wurden auch der Aussenmeniskus und die Innenbänder. «Der Heilungsprozess verläuft zufriedenstellend», sagt er. Matter macht Krafttrainings und Physiotherapie. «Ich stand auch schon auf den Skis, es wird von Tag zu Tag besser. Aber an Rennen ist in dieser Saison nicht zu denken», sagt der Athlet, der im Bereich Ski- und Snowboardservice in einem Engelberger Sportgeschäft tätig ist.

Matter im OK und als Betreuer unterwegs

Ganz ohne Stefan Matter muss der Telemark-Sport aber nicht auskommen. Er gehört als Coronabeauftragter dem OK an, welches die Schweizer Meisterschaften auf Melchsee-Frutt vom 19. bis 21. März organisiert. Da diese Titelkämpfe terminlich zwischen dem Weltcup-Final in Thyon (10. bis 13. März) und der Weltmeisterschaft in Mürren (23. bis 27. März) liegen, hoffen die Obwaldner Verantwortlichen, dass auch Weltcup-Fahrer aus anderen Nationen auf Melchsee-Frutt an den Start gehen. Matter sorgt dann also dafür, dass sie sich wohlfühlen. Der Engelberger wird auch an Weltcup-Rennen als Betreuer des Schweizer Teams mitreisen – eine wertvolle Unterstützung eines vierfachen Weltmeisters.

Zur sehr guten Schweizer Bilanz in der letzten Saison trug auch die Nidwaldnerin Beatrice Zimmermann bei. Vier Podestplätze an den Weltcup-Rennen brachten die 30-Jährige im Gesamtweltcup auf Platz 5, im Sprint auf Platz 3 und im Parallel-Sprint auf Rang 2. Ihr erklärtes Ziel sind die Weltmeisterschaften in Mürren, «und da will ich eine Medaille». Sie möchte an die Erfolge der letzten Saison anknüpfen, «noch einen drauflegen» und im Gesamtweltcup einen Podestplatz erreichen. Die Stanserin lancierte ihre Saison mit je zwei fünften Plätzen bei FIS-Rennen in Thyon am 10. Januar. Zufrieden zeigte sie sich mit dieser Bilanz nicht ganz: «Ich habe einen Podestplatz erwartet.» Allerdings testete sie noch Material, vor allem Schuhe. Mit dem Training begannen die Telemark-Fahrer im September auf Schnee in Saas-Fee. «Wir hatten super Bedingungen», erzählt Zimmermann. Um sich optimal auf die WM-Saison vorzubereiten, wurden auch spontane Abendtrainings eingeschoben. Im Schneegarten beim Sportzentrum Tourbillon in Sion zum Beispiel konnte das Startprozedere intensiv trainiert werden.

Zimmermann lässt sich nicht beirren

Bea Zimmermann übt den Beruf einer Gesundheits- und Bewegungsspezialistin mit eidgenössischem Fachausweis aus. Weil wegen Corona das Gym-Studio, in welchem sie arbeitet, geschlossen ist, werden die Kurse online angeboten und von ihr gemanagt. «Wenn es die Zeit zu lässt, übernehme ich sehr gerne auch das eine oder andere Training», sagt Zimmermann.

Der Saisonstart ist auf den kommenden Donnerstag in Bad Hindelang (Deutschland) terminiert. Vorgesehen sind zwei Sprints und zwei Parallel-Sprints, sofern die Coronakrise den Plan nicht durcheinander bringt. Abgesagt wurden die Rennen im slowenischen Krvavec von Ende Januar. Möglich, dass diese Rennen an einem anderen Ort neu angesetzt werden. Flexibilität ist in der Krisenzeit gefragt, auch bei den Telemarkfahrern. Aber die Stanserin lässt sich nicht beirren. «Wenn man etwas nicht ändern kann, bringt es nichts, sich darüber aufzuregen und so unnötige Energie zu verschwenden.»