Kolumne

Zirkus statt Sport in Bern

Warum Don Nachbaur als neuer Cheftrainer des SC Bern passt.

Klaus Zaugg
Drucken
Teilen
Klaus Zaugg

Klaus Zaugg

Wie wichtig ist der Trainer? Puritaner sagen, der Trainer sei der wichtigste Arbeitnehmer. Weil es um den sportlichen Erfolg gehe. Moderne Manager neigen hingegen zur Auffassung, Hockey gehöre zur Unterhaltungsindustrie. Erfolge seien erwünscht, aber mindestens so wichtig sei gute Unterhaltung. SCB-Manager Marc Lüthi hat wie kein anderer die Balance zwischen Sport und Zirkus gefunden, in diesem Jahrhundert noch nie rote Zahlen geschrieben und sechs Titel geholt. Aber nun leben wir in unsicheren Zeiten. Bei den Spielern ist sparen schwierig, weil sie Verträge aus guten Zeiten haben. Sparpotenzial gibt es beim Trainer. Deshalb wird der 61-jährige Don Nachbaur (im Bild) neuer Cheftrainer des SC Bern. Der österreichisch- kanadische Doppelbürger arbeitet seit 1994 als Trainer und hat noch nie irgendetwas gewonnen. Die meiste Zeit war er im Juniorenhockey tätig, ein kurzes NHL-Gastspiel als Assistent endete mit der Entlassung und letzte Saison ist er bei Zvolen in der slowakischen Operettenliga gefeuert worden.

Kann so ein Mann tatsächlich SCB? Ja, weil er Unterhaltung kann. Don Nachbaur hat viel Selbstvertrauen, ist ein guter, charismatischer Kommunikator mit hohem Unterhaltungswert – und null sportlichen Referenzen. Letztlich hat SCB-Sportchefin Florence Schelling den Auftrag von Manager Lüthi umgesetzt und einen billigen Trainer mit hohem Unterhaltungswert engagiert, der dafür sorgt, dass es im Tempel «räblen» wird.

Nun kurz eine Polemik: Wenn wir den SCB als Hockey-Zirkus betrachten, dann ist die Rolle des Clowns entscheidend. Vermag der Clown das Publikum zu erheitern, sieht es zumindest eine gewisse Zeit gnädig über unsichere Trapezkünstler und furchtsame Raubtierbändiger hinweg. Zum ersten Mal ist im Zirkus SCB der Trainer der Clown. Ende der Polemik. Scheitert Don Nachbaur, dann ist dafür Marc Lüthi und nicht die Sportchefin zu kritisieren.