Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Zu schnelle Bratwürste und zu frühe Transfers

Weshalb die Bratwürste im St.Galler Kybunpark an Transfers von jungen Fussballtalenten in eine ausländische Liga erinnern.
René Bühler
Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Kolumnist René Bühler (Bild: Benjamin Manser)

Im Kybunpark hat man sich daran gewöhnt, dass die Wurst aus dem heissen Wasser gezogen wird und danach nur noch angegrillt werden muss. Das erinnert an zu frühe Transfers von jungen Fussballern, denen eine längere Ausbildung im Stammverein und dem familiären Umfeld vergönnt blieb.

Aus Kapazitätsgründen ist dies wohl heute so nötig mit den Bratwürsten. Es soll ja auch so sein, dass man nicht nur wegen der Wurst und dem Bier ins Stadion geht. Die Zeiten haben sich auch geändert; im Espenmoos wurde noch von A bis Z durchgrilliert, aber der Fussball war ja auch noch langsamer, nicht viel schlechter, aber mit weniger Tempo, dafür mit mehr Identität. Eine richtig grillierte Bratwurst braucht seine Zeit, so wie dies auch ein junger Spieler braucht. Aber sind wir ehrlich, eigentlich ist die Bratwurst im Stadion nur dann wichtig, wenn das Spiel schlecht war und sie als Trost hinhalten muss. Kein Mensch spricht nach dem Spiel von der Wurst, wenn der Lieblingsverein überzeugt hat, und kein Zuschauer würde dem 17-jährigen St. Gallen-Talent Leonidas Stergiou seinen Abwehrfehler gegen den FC Luzern vorwerfen. Deshalb ist es auch gut, wenn ein junger Spieler in seinem Stammverein Fehler machen darf.

Nicht alle werden wie Mbabu

Es wird also nicht nur die Wurst aus dem Wasser gezogen, um keine Zeit zu verlieren, auch blutjunge Fussballer werden im Juniorenalter ins Ausland transferiert, ohne dass sie nur schon in der höchsten Schweizer Liga gespielt hätten. Und oft läuft die Sache dann nicht so gut ab wie aktuell bei Kevin Mbabu, der mit 18 Jahren nach England ging und sich aber erst zurück in der Schweiz auf sein heutiges Niveau hieven konnte. Auch er brauchte seine Zeit zur Reife, vor kurzem wurde er sogar zum besten Spieler des vergangenen Jahres gewählt. Tranquillo Barnetta war schon vor 15 Jahren eher ein Aussenseiter, als er zuerst seine KV-Lehre beenden wollte, bevor er zu Bayer Leverkusen ging, diesen Entscheid hat er wohl nie bereut.

Manchmal kann ein «grosser Vertrag» eine junge Karriere auch in Schieflage bringen. Das erlebt zurzeit das 19-jährige HSV-Supertalent Fiete Arp. Der U19-Nationalspieler hätte bereits letzten Sommer für viel Geld zum FC Bayern München wechseln können. Er hat sich aber zusammen mit den beiden Vereinen entschieden, noch ein Jahr in Hamburg zu bleiben, um sein Abitur abzuschliessen und seinen Stammverein wieder in die 1. Bundesliga zu schiessen. In der Zwischenzeit gehört der junge Hamburger aber nicht einmal mehr zum Kader der ersten Mannschaft des HSV. Er hat in dieser Saison in der 2. Bundesliga noch kein einziges Tor erzielt und spielt nun mit der zweiten Mannschaft in der Regionalliga. Man darf gespannt sein, wie sich seine Karriere entwickeln wird oder ob auch ihm schon zu früh «der Kopf verdreht wurde».

Unser Kolumnist
Unter der Rubrik «Querdenker» wirft René Bühler in unregelmässigen Abständen einen Blick auf das Sportgeschehen. Bühler ist Ehrenpräsident des FC Fortuna St.Gallen, Gründer des Hallenturniers Regiomasters und Herausgeber des Buches «Fussballjahre». (red)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.