Handball
Zu viel diskutiert, zu wenig gespielt: Die Stanser Handballer «verlieren» einen Punkt

Der BSV Stans will in die NLB-Finalrunde. Beim 26:26-Remis gegen Biel lassen die Nidwaldner aber einen wichtigen Punkt liegen.

Stephan Santschi
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Der Stanser David Riederer (am Ball) ist in Bedrängnis.

Der Stanser David Riederer (am Ball) ist in Bedrängnis.

Bild: Manuela Jans-Koch (Stans, 1. Mai 2021)

Am Ende mussten die Nidwaldner froh um das Remis sein. Erst 18 Sekunden vor Schluss traf Janis Lang zum 26:26-Ausgleich, im letzten Angriff des Spiels kamen die Bieler trotz einer 7:6-Überzahlsituation nicht mehr zum Abschluss. Zufrieden war Andy Gubler, der Trainer des BSV Stans, trotzdem nicht, «wir haben einen Punkt verloren», stellte er klar. Schliesslich will er mit seinem Team in die Finalrunde der Top 6. Zwei Spieltage stehen noch aus, dann wird die NLB in eine Finalrunde mit sechs und eine Klassierungsrunde mit acht Teams aufgeteilt. Der Stanser Rückstand auf den Strich beträgt zwar nur einen Zähler, Kreuzlingen hat aber eine Partie weniger absolviert. «Gegen Biel hätten wir siegen müssen», monierte Gubler.

Eigentlich waren die Stanser gut aus der langen Pause gekommen, die Partien gegen Möhlin (32:26) und Baden (31:31) bewegten sich auf einem ansprechenden Niveau. Gegen die unangenehmen Bieler kamen sie aber nicht auf Touren. Anstatt sich auf ihr Tempospiel zu besinnen, passte sich Stans dem langsamen und eher behäbigen Konkurrenten an. «Wir haben zu viel diskutiert, uns zu stark über Nebenschauplätze aufgeregt», bemerkte Gubler. «Wir starteten schwerfällig ins Spiel, wir haben nicht gezeigt, was wir können», fand Aufbauer und Abwehrchef Roger Scherer.

Regisseur Skrebsky Dutra sorgt für Schreckmoment

Und so entwickelte sich ein zerfahrenes Kräftemessen mit zwei Angriffsreihen, die sehr unsicher agierten. Tore entstanden mehr nach Fehlern und Zufälligkeiten als nach schön durchdachten und konsequent ausgeführten Spielzügen. Entsprechend ausgeglichen war das Skore, mit mehr als zwei Treffern führte kein Team, zur Pause hatte Stans mit 13:11 knapp die Nase vorne. Nach dem Seitenwechsel ereignete sich ein Malheur, welches die Wende zu Ungunsten der Nidwaldner einzuleiten schien. In der 37. Minute rutschte der brasilianische Spielmacher Fernando Skrebsky Dutra aus, blieb mit Schmerzen am Boden liegen und musste ausgewechselt werden. Stans geriet in der Offensive aus dem Tritt, verspielte eine 16:14-Führung, lag nach 45 Minuten mit 16:20 zurück. Dann kehrte Skrebsky Dutra zurück, er hatte sich im Adduktorenbereich nur eine Überdehnung zugezogen. So konnte der 28-Jährige die Aufholjagd seiner Equipe in der Schlussphase dirigieren.

Stans deckte nun solide, verfügte mit Noah Ineichen über einen guten Goalie (Abwehrquote: 43 Prozent) und profitierte von den Bernern, die etwas gar früh in den Verwaltungsmodus schalteten. Wie bescheiden die Qualität weiterhin war, symbolisierte jeweils eine Unzulänglichkeit auf beiden Seiten. In der 47. Minute ermöglichte Biel dem Gegner mit einem Wechselfehler eine doppelte Überzahl, Stans spielte im darauffolgenden Angriff den Ball mit einem ungenauen Pass ins Aus. Bis zum Schlusspfiff blieb die Partie spannend, einen Sieger hätte sie allerdings nicht verdient gehabt.

Am nächsten Samstag gastiert Stans bei Chênois Genève, ehe das Heimspiel gegen Stäfa die Vorrunde komplettiert. Obwohl die Ausgangslage schwierig ist, haben die Nidwaldner den Sprung in die Top 6 nicht abgeschrieben. «Wir haben es zwar nicht mehr in der eigenen Hand, sind auf Schützenhilfe angewiesen. Gegen starke Gegner sehen wir aber immer gut aus, in Genf wird man ein anderes Stans auf der Platte sehen», kündigt Gubler an.

Trainer Gubler geht, Scherer tritt zurück

Ende Saison wird Gubler den Verein nach vier erfolgreichen Jahren verlassen. «Ein Tapetenwechsel ist sinnvoll. Das, was ich zu sagen hatte, habe ich dem Team vermittelt», erklärt er. Im Kader kommt es zu einem Umbruch, so wird unter anderen Roger Scherer seine Karriere im Alter von 28 Jahren beenden. «Ich hatte viele Verletzungen, letztes Jahr kam noch ein Bandscheibenvorfall dazu. Wenn es immer irgendwo zwickt, ist man nicht mehr mit der gleichen Freude dabei», erzählt Scherer, der auch eine Handvoll Aufgebote bei A-Ligist Kriens-Luzern im Palmarès stehen hat.