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Bei St. Gallens Gegner Zürich kommt zuerst die Arbeit, dann die Kunst

Der FC Zürich erlebte zuletzt beim 0:4 gegen die Young Boys einen Dämpfer. Trainer Ludovic Magnin arbeitet den Auftritt selbstkritisch auf – und ist überzeugt, dass sich die Mannschaft heute gegen St. Gallen anders präsentieren wird.
Pascal Berger
Ludovic Magnin führt die Geschicke beim FC Zürich. (Bild: KEY)

Ludovic Magnin führt die Geschicke beim FC Zürich. (Bild: KEY)

Dies ist ein Artikel der «Ostschweiz am Sonntag». Die ganze Ausgabe lesen Sie hier.

Wie die Woche war? «Normal», sagt Ludovic Magnin, «wie eine Woche halt ist nach einer Ohr­feige.» Für den Trainer des FC Zürich gab es in diesen Tagen ­einiges aufzuarbeiten. Die Saison hatte mit einem 2:1-Sieg gegen Thun und vor allem einem 2:0-Triumph gegen die Grasshoppers optimal begonnen, aber dann kam der Sonntag, der Ausflug nach Bern und ein 0:4 gegen die Young Boys, das für einige Ernüchterung sorgte. Magnin sagt: «Wir haben gravierende Fehler in der Defensive gemacht.» Um selbstkritisch anzufügen:

«Ich sah das Team in seiner Entwicklung weiter als es wirklich ist.»

Der frühere Nationalspieler ist einer der jungen, aufstrebenden Trainer, und er möchte in seinem Beruf sein wie er es als Spieler war: offen, ehrlich, direkt. Das gelingt ihm ganz gut, seit er im Februar von der U21 auf den Chefposten der Profis befördert worden ist. Es käme ihm nicht in den Sinn, ein Spiel schönzureden und damit Ausreden zu suchen: «Ich will doch nicht lügen. Wenn aus einem Spiel etwas gemacht wird, das es nicht war, regt mich das enorm auf.»

Fleiss und Beharrlichkeit

Angetreten ist Magnin bei den Zürchern mit dem ambitionierten Ziel, nicht einfach erfolg­reichen, sondern auch schönen Fussball zu bieten, Unterhaltung. Wenn er gefragt wird, wie er das bewerkstelligen will, antwortet er stets: «Mit harter Arbeit.» Er glaubt daran, dass belohnt wird, wer fleissig und beharrlich ist, wer gedanklich schneller ist als der Gegner, wer in heiklen Situationen die richtige Lösung findet. Und dieses Denken hat er zu ­vermitteln, der Chef, der keine Selbstzweifel kennt und konsequent seiner Linie treu bleibt, weil bei ständigem Kurswechsel seine Glaubwürdigkeit bei den Spielern leiden könnte.

Ein erstes Ausrufezeichen setzte Magnin, als er mit Zürich Ende der vergangenen Saison den Cupfinal gegen die Young Boys in deren Stadion auf Kunstrasen gewann und eine wunderbare Vorstellung ablieferte. Nun ist eine Saison angebrochen, in der sich die Zürcher weiter der nationalen Spitze annähern wollen – ohne davon zu reden, gleich im Meisterrennen mitzumischen. Sie müssen an Stabilität zulegen, konstanter werden und mit ­Rückschlägen wie jenem beim amtierenden Meister umgehen. Da wurde ihnen vom Gegner eine Lektion erteilt, da hatten sie das Glück nicht mehr, das ihnen gegen Thun noch beistand – «es kippte auf die Seite der Young Boys, und das völlig zu Recht», sagt Magnin. Er hat seine Fussballer in diesen Tagen daran erinnern müssen, wie wichtig Basisarbeit ist.

Ich sah zu viele, die schön spielen wollten, aber nicht bereit waren, Arbeit zu verrichten, die es eben braucht.»

Für Magnin steht fest: «Wenn wir den Ball ­haben, darf und soll jeder ein Künstler sein. Aber wenn es ­darum geht, den Ball zurückzuerobern, muss auch jeder bereit sein, Aufwand auf sich zu nehmen.» Und beim Blick auf das Torverhältnis zieht er die Augenbrauen hoch: «Wir erhalten zu viele Treffer. Das ist auch eine Folge unserer Organisationsschwierigkeiten, die wir schnell beheben müssen.»

Spiel eins ohne den Torjäger

Fortan nicht mehr zur Verfügung steht Raphael Dwamena, der eigentlich angestellt war, um Tore zu erzielen. Der 22-jährige Ghanaer hat den Klub Richtung Spanien verlassen, er erhielt bei Levante einen Vierjahresvertrag. Vor einem Jahr wollte Dwamena bereits weg und war sich mit den Engländern von Brighton einig – der Transfer platzte aber, weil beim Spieler ein medizinisches Problem auftauchte. Magnin verübelt Dwamena seinen Weggang in keiner Weise, im Gegenteil:

«Auf diesen Zug musste er einfach aufspringen, vielleicht wäre sonst keiner mehr vorbeigefahren. Raphael hat mit dem gescheiterten Transfer zu Brighton keine unkomplizierte Geschichte hinter sich.»

Und während sich Dwamena bei seinem neuen Klub aus Valencia auf die Saison vorbereitet, die in einer Woche beginnt, geht es für Magnin und den FC Zürich in der Super League heute Sonntag mit einem Heimspiel gegen St. Gallen weiter – gegen eine Mannschaft, «die offensichtlich zwei Gesichter hat», wie es Magnin formuliert. Er erwartet folglich einen unberechenbaren Konkurrenten, der diese Qualität gleich zum Auftakt mit einem Sieg in Basel angedeutet hat.

Raphael Dwamena wechselt für sieben Millionen Franken nach Levante. (Bild: KEY)

Raphael Dwamena wechselt für sieben Millionen Franken nach Levante. (Bild: KEY)

Gleichwohl verbreitet Magnin Zuversicht. «Ruhig und sachlich bleiben», sagt er, «wir haben zweimal gewonnen, einmal deutlich verloren. Deswegen reagieren wir aber nicht gleich panisch. Wir können die Situation schon einschätzen. Es ist einfach wichtig, dass man die richtigen Schlüsse daraus zieht. Und ich gehe davon aus, dass meine ­Spieler das tun werden.»

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