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ZUG: Skiakrobat Noé Roth ist trotz Höhenflügen geerdet

Noé Roth (15) gehört zu den weltbesten Springern seines Alters, das Talent ist ihm von beiden Elternteilen in die Wiege gelegt worden. Der Baarer setzt dennoch nicht alles auf die Karte Sport.
Michael Wysssport@zugerzeitung.ch
Noé Roth (durch die Ski für das Sommertraining abgelichtet) ist ein Wettkampftyp. Bild: Werner Schelbert (Baar, 11. November 2016)

Noé Roth (durch die Ski für das Sommertraining abgelichtet) ist ein Wettkampftyp. Bild: Werner Schelbert (Baar, 11. November 2016)

«Er ist manchmal etwas schüchtern, sehr ehrgeizig und kann gut einordnen, was die sportlichen Ziele betrifft. Noé verfolgt realistische Ziele.» So beschreibt Mutter Colette Roth-Brand (49) ihren Sprössling. Der 15-Jährige Noé Roth, der im Chamer Röhrliberg die 3. Sek der Kunst- und Sportklasse besucht, hat seine Leidenschaft der Skiakrobatik verschrieben. «Ich spielte zuerst Fussball in Baar. Doch es war nicht die Sportart, die mich begeisterte.» Mehr behagte ihm das Kunstturnen. Beim TV Merenschwand fand der Sekundarschüler grosse Begeisterung. «Hier sind verschiedene Elemente wichtig. Eleganz, Dynamik und Akrobatik. Das ist ein facettenreicher Sport.» Beweglichkeit, Kraft, Körperbeherrschung, Mut und mentale Stärke sind tatsächlich wichtige Faktoren. Das Kunstturnen erleichterte ihm dann auch den Einstieg in die Ski­akrobatik, weil doch viele Parallelen erkennbar sind.

Dass der Weg von Roth vor fünf Jahren zu dieser Sportart führte, liegt auf der Hand. «Die Skiakrobatik wurde mir in die Wiege gelegt. Ich bin mit diesem Gen geboren», sagt der 15-Jährige lachend. Noé Roths Mutter gewann an den Olympischen Spielen in Albertville 1992 den Show-Anlass und erlebte 1998 in Na­gano mit der Bronzemedaille eines ihrer Karrierehighlights. Der schönste Moment der 13-fachen Weltcup-Siegerin war aber der Gewinn des Gesamtweltcups in der Saison 1995/96, wie sie selbst sagt. «Das ist natürlich immer in Erinnerung geblieben. Dort vollbrachte ich über mehrere Monate Leistungen auf einem hohen Niveau.» Auch der Vater Michel Roth (53), der im aargauischen Widen aufwuchs, ist in der Skiakrobatikszene ein Begriff. Er wurde in den 1990er-Jahren Europameister und ist seither auch Nationaltrainer der Schweizer Skiakrobaten. Der 53-Jährige gilt als einer der besten seines Fachs weltweit.

«Noé ist ein richtiger Wettkampftyp. Am Tag X ist er im Stande, die Bestleistung abrufen zu können», sagt der Vater über den Sohn. Colette Roth-Brand ergänzt: «Es braucht aber auch viel Wettkampfglück. Damit am Tag X alles stimmt, muss wirklich alles zusammenpassen.» Und das hat Noé Roth, der Vinto-Sportlehrling, kürzlich bewiesen. Im letzten Februar feierte er bei seiner ersten Teilnahme an einer Junioren-Weltmeisterschaft (Kategorie bis 19 Jahre) den grössten Erfolg seiner noch jungen Karriere. Er schaffte es als Dritter auf das Podest. Noé Roth erinnert sich gern und sagt: «Das war ein Moment, der sicher bleiben wird.» Mutter Colette Roth-Brand: «Es ist schön, dass Noé für seinen Aufwand, den er betreibt, auch belohnt wurde.» Der 15-Jährige wird nicht nur von seinem Vater Michel Roth, sondern auch seit vielen Jahren von Manuela Müller, der Nachwuchstrainerin des Verbandes, trainiert.

Auf den Spuren von Schönbächler

Während der Woche trainiert der Schüler im Durchschnitt über das Jahr berechnet rund 23 Stunden. Dazu kommen acht Wettkämpfe pro Saison in der Schweiz (Airolo) und im Ausland. Im Sommer trainiert er im Jumpin in Mettmenstetten, wo eines der modernsten Wasserschanzen-Trainingscenter der Welt steht. Dazu kommen in einem Fitnesscenter in Affoltern am Albis Krafttrainings. Das Projekt in Mettmenstetten wurde übrigens auf Initiative von Andreas «Sonny» Schönbächler realisiert. Der 50-Jährige mit Wurzeln in Zug wurde 1994 in Lillehammer Olympiasieger in der Skiakrobatik und löste in der Schweiz eine Welle der Begeisterung für diese Sportart aus, die heute «Aerials» genannt wird.

Dennoch zählt es nach wie vor den Randsportarten, wie Colette Roth-Brand immer wieder erlebt: «Wir kämpfen in den Medien um Akzeptanz. Diese Sportart wird leider zu wenig geschätzt und in der Öffentlichkeit wahrgenommen.» Gerade die Sponsorensuche gestaltet sich schwierig. «Ich werde von der Sporthilfe und meinen Eltern finanziell unterstützt. Ohne diese Unterstützung könnte ich diesen Sport nicht ausüben – schon gar nicht auf diesem Niveau», erklärt Noé Roth, der seine Faszination mit folgenden Worten darlegt: «Das Fliegen und Drehen in der Luft ist etwas Unbeschreibliches. Man muss es einfach selber erlebt haben.»

Er hat keine Vorbilder

Welche Ziele verfolgt das Jungtalent, das im B-Kader der Schweizer-Nationalmannschaft figuriert, für die in ­wenigen Wochen beginnende Saison (siehe Box)? «Ich will an der Junioren-WM in Italien einen Top-fünf-Platz erreichen.» Gleiches gilt für den Europacup (Kategorie offen). Idole und Vorbilder hat der 15-Jährige übrigens keine. «Ich gehe meinen Weg und verfolge meine eigenen Ziele. Sicherlich sind meine Eltern auch gute Beispiele für mich, und ich profi­tiere von ihren Erfahrungen. Sie sind trotz ihren Erfolgen immer auf dem Boden der Realität geblieben. Das ist wichtig auf dem Weg zum Erfolg.»

Noé Roth hat aber schon einen Traum, wie er sich entlocken lässt: «Wenn ich die Skiakrobatik eines Tages einmal für einige Jahre professionell ausüben könnte, wäre das sicher eine super Sache.» Sollte es nicht klappen, hat er in jedem Fall vorgesorgt. Mit der bald beginnenden KV-Ausbildung stehen ihm die Türen zur Berufswelt offen.

Michael Wyss

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