Zuger nehmen sich gegen Ambri-Piotta selber aus dem Spiel

Der EV Zug verliert beim Tabellenletzten Ambri-Piotta 2:3 nach Verlängerung. Trotzdem ist eine Aufwärtstendenz ersichtlich.

René Barmettler aus Ambri
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Die Entscheidung: Ambris Dominic Zwerger trifft zum 3:2, Goalie Luca Hollenstein und Carl Klingberg haben das Nachsehen.

Die Entscheidung: Ambris Dominic Zwerger trifft zum 3:2, Goalie Luca Hollenstein und Carl Klingberg haben das Nachsehen.

Bild: Samuel Golay/KEY (Ambri, 8. Dezember 2019)

Wenn am Ende die Ambri-Fans «La Montanara» singen, wird einem warm ums Herz. Für die Gäste bedeutet dieses Lied jeweils nichts Gutes: Es ist das Siegerlied der Leventiner. Zug verlor nach 82 Sekunden in der Verlängerung, Siegtorschütze war Dominic Zwerger. Es war das Ende einer aufwühlenden Begegnung mit vielen Emotionen und Strafen. «Wir zeigten nicht unser bestes Spiel», sagte EVZ-Stürmer Yannick Zehnder hinterher. Die Zuger nahmen sich quasi selber aus dem Spiel. «Wegen der vielen Unterzahlsituationen mussten wir viel mehr laufen.»

Die Zuger offenbarten auch ungewohnte Schwächen bei der Puckkontrolle. Das lag auch an der schlechten Eisqualität, viele Furchen verhinderten, dass die Gäste ihr gewohntes Kombinationsspiel aufziehen konnten. Als Ausrede für die Niederlage mag dieser Umstand indes nicht herhalten. Die Zentralschweizer kamen auch so zu zahlreichen Chancen. «Es war ein Auf und Ab der Emotionen und Torchancen. Unsere Linie hatte viele hochkarätige Gelegenheiten. Weil wir diese nicht nutzten, wurde es ein enges Spiel», nahm EVZ-Stürmer Lino Martschini diese Niederlage auch auf seine Kappe.

Prügelnder Goalie und eine 2:0-Führung Ambris

Vor der Partie zeigten sich die Ambri-­Fans in der Curva Sud von ihrer besinnlichen Seite: Sie präsentierten ein Transparent «Nein zum Nazitum» und «Für eine Welt voller Farben».

Das Spiel begann auf recht bescheidenem Niveau mit vielen Fehlern. Als in der 5. Minute EVZ-Goalie Luca Hollenstein hinter das Tor fuhr, um einen Puck unter Kontrolle zu bringen, ging auch das schief. Er schaffte es nur noch mit dem rechten Bein zum weiteren Pfosten zurück. Robert Sabolic drückte die Scheibe im dritten Anlauf hinter die Linie – jedenfalls sahen das die Schiedsrichter nach langem Videostudium so – 1:0. Grégory Hofmann hatte bald darauf eine Grosschance zum Ausgleich. Solche Gelegenheiten lässt der Liga-­Topskorer in der Regel nicht aus. Nicht an die Regeln halten mochte sich auch Ambri-Goalie Benjamin Conz. Weil er der Ansicht war, Jan Kovar sei ihm zu fest auf die Pelle gerückt, übte er Selbstjustiz an ihm aus und erhielt prompt eine Vierminutenstrafe, die gemäss Regelbuch ein Feldspieler für ihn absitzen musste. An diesem zweiten Adventssonntag war es mit der Besinnlichkeit nun nicht mehr weit her. Eine halbe ­Minute nach der Rauferei bei Ambris Gehäuse knöpfte sich Yannick-Lennart Albrecht den Tessiner Verteidiger Igor Jelovac vor. Nach dieser Prügelei bekamen die beiden ebenfalls je vier Minuten aufgebrummt. 22 Strafminuten sprachen die Unparteiischen in diesem Startdrittel aus.

Die Gemüter beruhigten sich nach der Pause nur bedingt, die Partie blieb hektisch. In der 25. Minute schloss Ambris Torskorer Matt D’Agostini einen Konter zum 2:0 ab, Hollenstein liess den Schuss durch die Schoner passieren. Während Martschini und Hofmann in diesem Spielabschnitt beste Chancen ungenutzt liessen, war mit Oscar Lindberg ein anderer Zuger erfolgreich: Ein harmlos scheinender Rückhandschuss fand den Weg ins Tor zum 1:2 aus Sicht der Zentralschweizer (32.).

Die Zuger finden sich in der Defensive immer besser zurecht

Wenig später war für den Tessiner Goalie Conz Feierabend, er verletzte sich bei einer Aktion, in der viel Verkehr vor seinem Gehäuse herrschte. Daniel Manzato nahm seinen Platz ein und erhielt sofort viel zu tun. Doch der Ausgleich wollte nicht fallen, Hofmann vergab eine gute Chance eine Sekunde vor der Sirene.

Im Schlussdrittel schwächten sich die Zuger in den ersten sechs Minuten gleich drei Mal mit kleinen Strafen. Den Leventinern gelang indes kein weiteres Tor. In der 51. Minute schlugen die Gäste dann ein weiteres Mal zu: Raphael Diaz traf in Überzahl zum 2:2. Der EVZ-Captain traf in den letzten sieben Meisterschaftsspielen jedes Mal.

Der EV Zug hat nun die Hälfte der Qualifikation absolviert. Für Zehnder sind die Erwartungen einigermassen erfüllt worden. «Diese waren zu Recht sehr hoch. Die Tendenz zeigt dank der letzten sechs Spiele nach oben. Erfreulicherweise kommen wir nun in der Defensive besser klar.» Das tönt viel versprechend, und Zehnder betonte: «Es muss weiter in diese richtige Richtung gehen, um unsere eigenen hohen Erwartungen zu erfüllen.»

Ambri-Piotta – Zug 3:2 (1:0, 1:1, 0:1, 1:0) n. V.

5721 Zuschauer. – SR Lemelin/Hungerbühler, Schlegel/Wolf.  – Tore: 5. Sabolic (D’Agostini) 1:0. 26. D’Agostini 2:0. 32. Lindberg (Klingberg, Zehnder) 2:1. 51. Diaz (Martschini/Ausschluss Dotti) 2:2. 62. Zwerger (Ngoy) 3:2 . – Strafen: 8-mal 2 Minuten gegen Ambri-Piotta, 12-mal 2 plus 10 Minuten (Simion) gegen Zug. – Ambri-Piotta: Conz/Manzato (ab 37.); Fora, Dotti; Plastino, Fischer; Ngoy, Jelovac; Fohrler, Pinana; Trisconi, Goi, Bianchi; D’Agostini, Flynn, Sabolic; Rohrbach, Müller, Zwerger; Neuenschwander, Dal Pian, Mazzolini. – Zug: Hollenstein; Schlumpf, Zgraggen; Diaz, Zryd; Thiry, Alatalo; Morant; Martschini, Kovar, Hofmann; Klingberg, Lindberg, Zehnder; Simion, McIntyre, Meyer; Langenegger, Albrecht, Leuenberger. Bemerkungen: Ambri-Piotta ohne Kneubühler, Kostner, Incir, Upshall, Novotny, Payr und Hofer. Zug ohne Bachofner, Stadler, Schnyder, Thorell und Senteler (alle verletzt). – Leuenberger (7.) und Conz (37.) verletzt ausgeschieden. – Time-out Ambri-Piotta (57.).