EVZ-Gegner Lugano ist auf dem Weg zurück zur Romantik

Nach einer stillen Revolution ist Lugano für den EV Zug ein gefährlicher Gegner geworden. Die Präsidentin Vicky Mantegazza hat diese Saison ein Zeichen gesetzt und am umstrittenen Trainer Greg Ireland festgehalten.

Klaus Zaugg
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Er bleibt mindestens bis zum Vertragsablauf am Saisonende an der Bande: der Kanadier Greg Ireland. (Bild: Samuel Golay/Keystone (Lugano, 7. Dezember 2018))

Er bleibt mindestens bis zum Vertragsablauf am Saisonende an der Bande: der Kanadier Greg Ireland. (Bild: Samuel Golay/Keystone (Lugano, 7. Dezember 2018))

Eishockey unter Palmen. Das Leben ist zu schön, um Meister zu werden. Seit 2006 hat Lugano keinen Titel mehr gewonnen. Aber zweimal die Playoffs verpasst. Und auch diese Saison zitterten die Tessiner bis zur zweitletzten Runde. Eigentlich sollte Lugano für die Zuger kein Problem sein. Eigentlich. In allen wichtigen Bereichen hat der EVZ die besseren Werte. Aber Statistiken aus der Qualifikation sind sehr oft in den Playoffs keine harte Währung und taugen nicht einmal mehr als Wechselgeld. Das hat Zug seit 1998 und Lugano seit 2006 immer wieder schmerzlich erfahren müssen.

In Lugano hat im Laufe dieser Saison eine sanfte, unspektakuläre Revolution vieles verändert. Präsidentin Vicky Mantegazza sichert nicht nur die finanzielle Existenz ab. Sie ist auch näher an der Mannschaft als alle anderen Vorsitzenden der Liga. Oft wird diese Nähe der Präsidentin zu den Spielern und Trainern als Grund für das Scheitern in den Titelkämpfen angeführt. Zu Unrecht. Sie sucht nicht, wie so viele Präsidenten und Besitzer von Sportunternehmen, das mediale Rampenlicht. Sie kümmert sich um das Wohl und Weh ihrer Angestellten, weil ihr die Kultur ihrer Hockeyfirma sehr wichtig ist.

Bekenntnis zum Chef

Das Spielerleibchen soll mehr sein als bloss eine Wettkampf­bekleidung. Wer es trägt, iden­tifiziert sich mit Lugano. Eine ­Verbundenheit über den guten Zahltag hinaus. Lugano als Hockeyunternehmen mit dem gegenseitigen Respekt und dem Zusammenhalt einer Familie – das ist die Vision der Milliardärin. So etwas tönt gut und sagt sich leicht. Gelebt wird diese Romantik im Sport des 21. Jahrhunderts eher seltener. In Lugano haben die Spieler über die Jahre gelernt, gut zu leben, ohne zu leiden und zu leisten. Stars und Trainer sind gekommen und wieder gegangen. Kein Erfolg, na und? Schuld ist immer der Trainer.

Doch diese Saison hat die Präsidentin ein Zeichen gesetzt: Trainer Greg Ireland ist nicht gefeuert worden. Obwohl es in Lugano mindestens so viele Gründe für eine Trainerentlassung gegeben hätte wie in Zürich. Der freundliche, bisweilen melancholisch wirkende Kanadier Ireland, der bei seinen Brandreden nach Niederlagen an Victor Giacobbo mahnt und wie kein anderer vor ihm auch die Stars mit Kritik nicht schont, steht nach wie vor und mindestens bis zum Vertragsablauf am Saisonende in Lohn und Brot. Dieses Bekenntnis zum Chef kommt einer stillen Revolution gleich. Kein einziger Trainer, der länger als eine Saison in Lugano gearbeitet hat, ist seit Einführung der Playoffs (1986) in Frieden gegangen. Alle sind gefeuert worden oder haben das Handtuch geworfen. Sogar Meister- und Finalmacher wie John Slettvoll, Jim Koleff, Larry Huras oder Doug Shedden.

Lugano ist immer wieder aufgestanden

Das «Grande Lugano», die Interessengemeinschaft von Jung­millionären, Börsenspezialisten und Immobilienkennern auf dem Weg zurück zur Romantik, zu den Grundwerten des Mannschaftssportes? Lugano eine verschworene Gemeinschaft, die in den Playoffs über sich hinauswächst? Ein Lugano, je normaler, desto besser? Genau das ist die Gefahr für Zug. Im Laufe dieser Saison ist Lugano nach Rückschlägen immer wieder aufgestanden. So wie eine richtige Mannschaft.

Lugano mag spielerisch kein «Grande Lugano» und nominell schwächer sein als die Finalteams von 2016 und 2018. 2016 ging der Final mit Cheftrainer Shedden gegen den SCB verloren, im letzten Frühjahr mit Ireland gegen die ZSC Lions. Die Transferbilanz des letzten Sommers war negativ. Mit Damien Brunner (zu Biel) und Philippe Furrer (zu Biel) haben zwei Titanen Lugano verlassen und mit Romain Loeffel (von Servette) ist nur ein grosser Spieler gekommen. Aber nach der stillen Revolution sind in Lugano Namen nur noch Buchstaben, die auf dem Dress aufgenäht werden.