Selina Büchel vor der Schweizer Hallenmeisterschaft: Zurück zu alter Schnelligkeit

Am Samstag startet Selina Büchel an der Schweizer Meisterschaft in St. Gallen. Nach der schwierigen Vorsaison ist die Toggenburgerin wieder zuversichtlich – und peilt im März das EM-Triple an.

Philipp Wolf
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Die neuen Impulse nach dem Trainerwechsel zeigen bereits Wirkung. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zürich, 30.08.2018))

Die neuen Impulse nach dem Trainerwechsel zeigen bereits Wirkung. (Bild: Marc Schumacher/Freshfocus (Zürich, 30.08.2018))

Grosse Teile von Selina Büchels vergangener Saison waren ein «Chnorz». Atemprobleme machten der 27-jährigen Mosnangerin zu schaffen, und an Bestleistungen war nicht zu denken. Nun, vor der Schweizer Hallenmeisterschaft im Athletik-Zentrum in St. Gallen, die morgen beginnt (siehe Kasten), ist die Ausgangslage für die 800-Meter-Läuferin eine ganz andere.

Büchels gesundheitliche Probleme sind passé. Zudem hat die Ostschweizerin im Herbst den Trainer gewechselt, um neue Impulse zu erhalten. Das funktioniert: «Da merke ich, wie ich im Kopf ganz anders bin. Ich bin aufmerksam, neugierig und versuche, mein Bestes daraus zu machen.» Etwa zur gleichen Zeit gab die zweifache Hallen-Europameisterin den Profistatus – den sie zweieinhalb Jahre lang innehatte – auf und begann, wieder stundenweise als Raumplanungszeichnerin zu arbeiten. Ihr Pensum beträgt rund zehn Stunden pro Woche.

Ist das nicht ein Widerspruch? Für neue Erfolge auf ­frische Reize setzen und gleichzeitig wieder ins Büro zu gehen? «Für mich passt es, das ist die Hauptsache», antwortet Büchel. Sie sieht im Arbeiten einen wertvollen Ausgleich zum Sport, ein willkommenes Zusatz­element neben Wettkampf und Erholung.

Schnell in die Saison gestartet

Betrachtet man Büchels erste ­Saisonresultate über 800 m, so scheinen sich die Veränderungen abseits der Bahn bereits bezahlt zu machen.

«Ich bin noch nie so schnell in die Hallensaison gestartet»

sagte sie nach dem Rennen im polnischen Torun, wo sie mit einer Zeit von 2:00,98 Minuten Vierte wurde. Erst zwei Mal ist Büchel in der Halle zuvor ­ über 800 m schneller gelaufen. ­Wenige Tage darauf wurde die Toggenburgerin Sechste im französischen Pas-de-Calais.

So schaut Büchel auch positiv und motiviert auf die kommenden Monate mit der Hallen-EM in Glasgow und der WM in Doha als Höhepunkte. Konkrete Saisonziele setzt sie sich dabei aber keine. «Schliesslich kann ich nur meine eigene Leistung beeinflussen», sagt die Ostschweizerin. Ob ein Rennen nach Büchels Gusto verläuft, hängt so gut wie nie alleine von der Frische ihrer Beine oder von der Umsetzung ihres Rennplanes ab. Zu viele ­andere Faktoren können ein Rennen in unvorhergesehene Bahnen lenken. Deshalb würden Platzierungsziele nur unnötigen Druck erzeugen, sagt Büchel.

Büchel will wieder unter zwei Minuten laufe

Gleichwohl plant sie, ihre Bestform Anfang März zu erreichen. Dann will Büchel in Glasgow ihren Hallen-EM-Titel zum zweiten Mal erfolgreich verteidigen – allem Argwohn gegenüber Zielsetzungen zum Trotz. Unabhängig von diesen Titelambitionen arbeitet die Toggenburgerin darauf hin, wieder unter zwei Minuten zu laufen. In der Halle gelang ihr das bisher noch nie, im Freien zuletzt vor knapp zwei Jahren – ihre Bestzeit von 1:57,95 ist bald vier Jahre alt. Büchel traut sich nach wie vor zu, diese Zeit zu unterbieten. Einen ersten Schritt zurück in Richtung Weltklassezeiten kann die Toggenburgerin morgen und am Sonntag vor heimischem ­Publikum machen.

Die Besten im Athletik-Zentrum

Am Samstag und am Sonntag gibt sich die Elite der Schweizer Leichtathletik an der Schweizer Hallenmeisterschaft im St. Galler Athletik-Zentrum die Klinke in die Hand. Hauptattraktionen im Feld der Frauen sind neben Selina Büchel, die über 800 Meter startet, Léa Sprunger, Europameisterin über 400 Meter Hürden, und Mujinga Kambundji. Die Waadtländerin Sprunger startet sowohl über 60 als auch über 200 Meter flach. Kambundji beteiligt sich am Rennen über 60 Meter. Über diese Distanz holte sie in der Halle vergangenes Jahr WM-Bronze. Grosse Abwesende ist die Andwiler Sprinterin Salomé Kora, die aufgrund einer Fussverletzung passen muss. Bei den Männern sticht Kariem Hussein aus dem Teilnehmerfeld heraus. Nach abgeschlossenem Medizinstudium wendet sich der Europameister über 400 Meter Hürden von 2014 weiter dem Spitzensport zu und startet in St. Gallen sowohl über 400 als auch über 800 Meter. Die Wettkämpfe finden morgen Samstag ab 15 Uhr und am Sonntag ab 11 Uhr statt. Angaben zum exakten Zeitplan der Meisterschaft finden sich online auf www.spitzen.sg. (pw)