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Mikaela Shiffrin: Mit der Zuverlässigkeit eines Roboters

Mikaela Shiffrin dominiert zurzeit den Weltcup nach Belieben. Nach dem Super-G gewinnt sie auch den Parallelslalom von St. Moritz.
Claudio Zanini, St. Moritz
Auch im Parallelslalom eine Macht: Mikaela Shiffrin (rechts) im Final gegen Petra Vlhova. (Bild: Jean-Christophe Bott/Key (St. Moritz, 9. Dezember 2018))

Auch im Parallelslalom eine Macht: Mikaela Shiffrin (rechts) im Final gegen Petra Vlhova. (Bild: Jean-Christophe Bott/Key (St. Moritz, 9. Dezember 2018))

Die Disziplin ist sekundär geworden. Wenn ein Skirennen ansteht, ist Mikaela Shiffrin (23) ­Favoritin. Früher dominierte sie nur die technischen Disziplinen, heute so gut wie alles. Von bisher neun Rennen gewann sie fünf. Erstmals siegte sie in dieser Saison auch im Super-G. Das war vor einer Woche in Lake Louise. Um den Nachweis zu liefern, dass dem Erfolg nichts Zufälliges anhing, gewann sie am Samstag auch im Super-G von St. Moritz.

Am Sonntag folgte der Parallelslalom, ein Format, das in der letzten Saison in Courchevel erstmals im Frauen-Weltcup durchgeführt wurde. Der Weltverband will mit Parallelevents die ­Attraktivität des Skisports ankurbeln. Man könnte aktuell noch so packende Wettbewerbe erfinden, die Spannung würde sich in Grenzen halten, weil die Siegerin schon vor dem Rennen praktisch feststeht. Als der Parallelslalom im Frauen-Weltcup in der letzten Saison erstmals ausgetragen wurde, gewann Shiffrin im Final gegen Petra Vlhova.

St. Moritz war am Sonntag die zweite Station, die den Wettbewerb durchführte. Die Finalistinnen waren dieselben. Bereits am Vormittag war Shiffrin die Schnellste der Qualifikation. Vor dem Final habe sie in die Augen ihrer Gegnerin geschaut. «Ich habe gemerkt, dass sie mich unbedingt schlagen wollte.» Und was hatte Shiffrin daraufhin gemacht? «Ich musste die Inten­sität steigern.» So einfach ist das.

Doch Shiffrin ist sich bewusst, dass auch bei einer Ausnahmeathletin die Bäume nicht in den Himmel wachsen können. Am Samstag nach ihrem Super-G-Sieg sagte sie deshalb: «Mit ­jedem Sieg wächst das Selbstvertrauen. Aber ich weiss, dass das nicht für immer bestehen bleibt.» Insbesondere der Wechsel auf die Slalomski für Sonntag dürfte schwierig werden, mutmasste sie. Es schien mehr ein Versuch, die Erwartungen zu dämpfen. Denn so schwierig ist dieses ­Umdenken für eine Athletin wie Shiffrin nicht. Angesprochen auf diesen Wechsel sagte Wendy Holdener am selben Tag lakonisch: «Ich ziehe die langen Ski ab und nehme die kurzen.»

Komplimente an Gisin, Spende an Ogi

Um die Dominanz aufrechtzuerhalten, sieht das Team um ­Mikaela Shiffrin, in dem Mutter Eileen die Zügel in den Händen hält, eine kluge Saisonplanung vor. So will man auf die kommenden Speedrennen in Gröden verzichten, damit ihr im intensiven Januar nicht die Luft ausgeht. Angesichts des grossen Vorsprungs in der Gesamtwertung kann man sich eine Auszeit gönnen.

Bei aller Überlegenheit legt Shiffrin eine gewisse Bescheidenheit nicht ab. Angesprochen auf die Leistungen von Michelle Gisin, die in der Gesamtwertung den zweiten Platz belegt, sagte sie: «Es macht grossen Spass, ihr zuzusehen. Sie ist für mich eine Konkurrentin in jeder Disziplin. Sie lacht viel, ist immer glücklich.» Als Shiffrin im September Roger Federer bei einem Termin eines gemeinsamen Sponsors traf, schrieb sie auf Instagram: «Ich bin fast gestorben und konnte kaum sprechen.» Subtrahiert man die schnell ins Extreme abdriftende amerikanische Art, ist der Kern der Aussage immer noch sympathisch. Und nach ihrem Sieg im Parallelslalom von St. Moritz verkündete sie bei der offiziellen Pressekonferenz, sie würde das Preisgeld der Stiftung «Freude herrscht» von Adolf Ogi spenden. Die Stiftung fördert die Sportbegeisterung bei Kindern.

Es scheint kaum Schwachpunkte zu geben bei Shiffrin. Sie selbst kennt solche aber offenbar. «Es ist nicht immer alles perfekt. Manchmal ist es besser, nur 99 Prozent zu geben und weniger Risiko zu nehmen.»

Die Aussage lässt nur den Schluss zu, dass auch Shiffrin vor dem Start Zweifel kennt, dass sie menschlich ist. Nur sieht man auf der Piste nichts ausser einer Fahrerin, die mit der Zuverlässigkeit eines Roboters arbeitet.

Der Steigerungslauf von Holdener

Die Qualifikation eines Parallelslaloms sollte Wendy Holdener im Normalfall problemlos überstehen. Doch der Tag begann in St. Moritz nicht wunschgemäss. Sie beging technische Fehler, agierte bei den schlechten Verhältnissen am Vormittag angespannt. Das Resultat war ein enttäuschender 31. Rang. «Ich hätte nach dem Quali-Lauf nicht gedacht, dass ich am Nachmittag nochmals fahren würde», sagte die 25-Jährige.

Da die besten 32 den Sprung in die K.-o.-Runde schafften, reichte es noch, um im Wettbewerb zu bleiben. Allerdings musste Holdener gegen eine Slalomgrösse antreten: Frida Hansdotter, die Zweite der Qualifikation. Doch Holdener kam ins Rennfieber. Gegen die Olympiasiegerin aus Schweden konnte sie im ersten Lauf des Sechzehntelfinals vorlegen, im zweiten Durchgang schied Hansdotter dann aus.

Es folgte ein Steigerungslauf, der die Schwyzerin bis in den Halbfinal trug. Dort unterlag sie Petra Vlhova, die Zweite der Slalomwertung. Nur zwei Hundertstelsekunden war die Slowakin schneller. Im kleinen Final setzte sich Holdener schliesslich gegen die Österreicherin Katharina Liensberger souverän durch und wurde Dritte. Vom ersten Podestplatz der Saison erhofft sie sich einen positiven Effekt. «Jetzt bin ich wieder drin. Ich hoffe, ich kann den Flow nun mitnehmen.»

Michelle Gisin entschied sich erst nach der Absage der Frauenrennen von Val d’Isère für einen Start im Parallelslalom. Die Engelbergerin wurde 45. in der Qualifikation und verpasste damit den Cut deutlich. «Es war eine schwache Darbietung», sagte Gisin. Dass ihr das Training in dieser Disziplin fehlt, wurde deutlich. Denn entgegen der Bezeichnung ist der Wettbewerb näher bei einem Riesenslalom als einem Slalom. Zwar fahren die Athletinnen mit Slalomski, allerdings durch Riesenslalomtore.

Nebst Holdener standen zwei Schweizerinnen in der K.-o.-Runde: Die Nidwaldnerin Carole Bissig und die Urnerin Aline Danioth. Bissig unterlag im Sechzentelfinal der späteren Finalistin Vlhova, Danioth verlor gegen die Slowenin Marusa Ferk. (kza)

Freut sich nach der enttäuschenden Qualifikation über ihren dritten Rang: Wendy Holdener. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St. Moritz, 9.12.2018))

Freut sich nach der enttäuschenden Qualifikation über ihren dritten Rang: Wendy Holdener. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (St. Moritz, 9.12.2018))

Parallelslalom

St. Moritz. Weltcup der Frauen: 1. Shiffrin (USA). 2. Vlhova (SVK). 3. Holdener (SUI). 4. Liensberger (AUT). 5. Haver-Löseth (NOR). 6. Brunner (AUT). 7. Mielzynski (CAN). 8. Dürr (GER). 9. Gallhuber (AUT). 10. Truppe (AUT). 11. Mugnier (FRA). 12. Curtoni (ITA). 13. Gritsch (AUT). 14. Remme (CAN). 15. Ferk (SLO). 16. Holtmann (NOR). – Ferner: 23. Danioth (SUI). 29. Bissig (SUI). 30. Hansdotter (SWE). – In der Qualifikation gescheitert: 33. Stoffel (SUI). 43. Chable (SUI). 45. Gisin (SUI). – 52 gestartet, 48 klassiert, 32 für K.o.-Läufe qualifiziert.

Final: Shiffrin s. Vlhova (0,11 Sekunden). – Um Platz 3: Holdener s. Liensberger (0,26). – Halbfinals: Shiffrin s. Liensberger (0,56). Vlhova s. Holdener (0,02). – Um Platz 5: Haver-Löseth s. Brunner. – Um Platz 7: Mielzynski s. Dürr. – Viertelfinals: Shiffrin s. Haver-Löseth. Liensberger s. Mielzynski. Vlhova s. Brunner. Holdener s. Dürr. – Achtelfinals: Shiffrin s. Holtmann. Haver-Löseth s. Gritsch. Mielzynski s. Mugnier. Liensberger s. Truppe. Brunner s. Ferk. Vlhova s. Remme. Dürr s. Gallhuber. Holdener s. Curtoni. – Sechzehntelfinals mit Schweizer Beteiligung: Ferk s. Danioth. Vlhova s. Bissig. Holdener s. Hansdotter.

Gesamtwertung (nach 9 von 39 Rennen): 1. Shiffrin (USA) 689. 2. Gisin (SUI) 296. 3. Vlhova (SVK) 276. 4. Mowinckel (NOR) 264. 5. Schmidhofer (AUT) 253. 6. Holdener (SUI) 245. – Ferner: 9. Gut-Behrami (SUI) 160.

Slalom (nach 3 von 8 Rennen): 1. Shiffrin 300. 2. Vlhova 240. 3. Holdener 145. – Ferner: 10. Gisin 71.

Nationen (nach 16 von 81 Wertungen): 1. Österreich 2885 (Männer 1303+Frauen 1582). 2. Schweiz 1920 (941+979). 3. Norwegen 1389 (817+572). 4. USA 1059. 5. Italien 1018. 6. Frankreich 929.

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