Volleyball-NLA
Zweite Chance für Liam Sketcher: Der Ex-Coach von Volley Luzern will jetzt mit Schönenwerd Meister werden

Liam Sketcher führte Luzern vor einem Jahr als Trainer an die NLA-Spitze. Jetzt tut er dasselbe mit Schönenwerd.

Stephan Santschi
Merken
Drucken
Teilen
Liam Sketcher Anfang Februar bei einem Meisterschaftsspiel mit Schönenwerd.

Liam Sketcher Anfang Februar bei einem Meisterschaftsspiel mit Schönenwerd.

Jörg Ögerli

Es war ein Abgang durch die Hintertür im letzten Frühjahr, ohne offizielle Verabschiedung. Wegen der einsetzenden Coronakrise war die Volleyball-Saison abrupt beendet worden, woraufhin Liam Sketcher (38, Bild) nach drei Jahren die Schweiz verliess, um zu seiner Freundin nach Holland zu ziehen. «Es fühlt sich an wie ein unerledigtes Geschäft. Das ist sehr unbefriedigend», sagte der Trainer von Volley Luzern damals. Beim Zeitpunkt des Abbruchs standen sie nämlich im Cupfinal und im Halbfinal der NLA-Playoffs. Der Aussenseiter lehrte die Grossen das Fürchten, stand vor dem ersten Titel der Vereinsgeschichte.

Mittlerweile ist Liam Sketcher in die Schweiz zurückgekehrt und als ob es eine Fügung des Schicksals wäre, präsentiert sich die Ausgangslage für ihn ein Jahr später genau gleich: Erneut steht er im Cupfinal und im Playoff-Halbfinal, nicht mehr mit Luzern, sondern mit Volley Schönenwerd. Seit Ende 2020 trainiert er die Solothurner als Nachfolger des erfolglosen Bogdan Kotnik.

«Luzern kann Strukturen verbessern»

Sein Ex-Team aus Luzern befindet sich derweil im freien Fall, war in der Qualifikation Letzter und steht aus finanziellen Gründen vor dem Rückzug aus der NLA. «Das ist traurig», sagt Sketcher. «Dieser grosse Klub kann die Zeit nun aber nützen, um etwas aufzubauen und die Strukturen neben dem Platz zu verbessern. Ein NLA-Team zum Funktionieren zu bringen, ist ein grosser Job und sollte nicht in der Verantwortung von ein, zwei Personen liegen.»

Er selbst steht mit Schönenwerd vor einer kapitalen Woche. Am Samstag und am Mittwoch treffen sie im NLA-Halbfinal auf Chênois Genève, am übernächsten Samstag findet der Cupfinal gegen Jona statt. Doch weshalb ist Sketcher bereits wieder zurück in der Schweiz? «Wenn man in der aktuellen Zeit einen Job hat, ist es gut. Wenn nicht, sehr schwierig», erzählt er. In Holland und Belgien hatte er sich nach einer Traineranstellung umgeschaut, «der Markt allerdings war nicht geöffnet, niemand wollte Risiken eingehen». Als Schönenwerd anrief, war das Timing perfekt.

Die Rückkehr in die Schweiz bedeutet auch, dass er seine Zelte in Holland abgebrochen hat. Die Beziehung mit seiner langjährigen Freundin ging zu Ende. «Es war ein harter Entscheid, doch wir stellten fest, dass wir beide auf Dauer so nicht glücklich sein würden.» Die fehlende Aussicht auf eine Arbeit als Volleyballtrainer habe ihn belastet, während der Job seiner Partnerin im Gesundheitswesen der holländischen Regierung zu gut gewesen sei, um ihn aufzugeben.

Bemerkenswert: Bei Schönenwerd macht Liam Sketcher dort weiter, wo er vor Jahresfrist in Luzern aufgehört hat. Er führte sein Team, das nach fünf Niederlagen ins Schlingern geraten war, auf Siegeskurs, gewann im Januar und Februar acht Spiele in Serie. Wie in der Zentralschweiz setzt er auf Ruhe, Geduld und klare Anweisungen. «Wir können alle schlagen, nach oben gibt es kein Limit. Wichtig aber ist, dass man ein Team Erfolg haben lässt und es nicht zu stark unter Druck setzt.»

Zur Vorbereitung in die Quarantäne

Spass hatten die Solothurner mit den Ex-Luzernern Shonari Hepburn, Luca Ulrich und Christopher Frame zuletzt allerdings nicht. Vor zwei Wochen, just an dem Tag, als der Playoff-Halbfinal in Genf hätte beginnen sollen, erreichte das Team die Botschaft eines positiven Coronatests. Obwohl das betroffene Staffmitglied im Training eine Maske trug, mussten alle Spieler in Quarantäne, erst am letzten Sonntag kehrten sie in die Halle zurück. Dem einen oder anderen habe die Pause sogar gut getan, sagt Sketcher. In der auf zwei Spiele verkürzten Serie gegen die Genfer erwartet er ein sehr knappes Duell. Am wichtigsten ist ohnehin, dass er diesmal die Gelegenheit erhält, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Im Gegensatz zum Vorjahr.

NLA-Volleyball

Männer, Halbfinals. Hinspiel, Samstag, 19.30 Uhr: Schönenwerd (3. Qualifikation) - Chênois Genève (2.); Amriswil (1.) - Lausanne (4.); Endstand: 3:0. – Spiele um Plätze 5 bis 8 (best of 3). Samstag, 18 Uhr: Näfels (5.) - Luzern (8.); Stand: 1:1. Jona (6.) - Basel (7.); Endstand: 2:0.