Schweizerisches Rotes Kreuz Kanton Aargau

20 Jahre Jubiläum Tageszentrum SRK Aargau

Entlastung für Angehörige

SRK Kanton Aargau
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Seit rund 20 Jahren bietet das Tageszentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes Aargau in Aarau psychisch und physisch beeinträchtigten Personen einen Ort der Bewegung und Begegnung. Am Tag der offenen Tür haben viele interessierte Besucher die Möglichkeit genutzt und die Angebote des Tageszentrums genauer unter die Lupe genommen.

Im Tageszentrum des SRK Aargau werden Menschen mit neurologische Leiden oder Verletzungen des Nervensystems, z. B. nach einem Unfall oder Schlaganfall, betreut. Aber auch Menschen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung ihren gewohnten Alltag nicht mehr bewältigen können, finden im Tageszentrum Halt und Struktur. Rund 50 Menschen mit den unterschiedlichsten Behinderungen besuchen das Tageszentrum regelmässig. Der jüngste Besucher ist 18 Jahre alt, der Älteste 64. So unterschiedlich die Lebenssituationen und Beweggründe der Besucher, so vielfältig ist das Betreuungsangebot. Dabei gilt: Die Gäste können ohne Einschränkungen an allen Aktivitäten teilnehmen, müssen jedoch nicht. Vielmehr steht die Idee im Mittelpunkt, beeinträchtigten Menschen eine Alltagsstruktur zu geben, Möglichkeiten für Begegnungen zu bieten und Angehörige zu entlasten.

Von Fussball bis Literatur

Ein fünfköpfiges Betreuungsteam kümmert sich täglich um die Anliegen der Patienten. Es gibt ein breites Beschäftigungsangebot, das von Kulturgruppe, Musikgruppe bis zur Kochgruppe reicht. Ein Highlight des Tages ist das Gruppenturnen vor dem Mittagessen. „Die Bewegungsübungen sind für die Patienten notwendig, um ihre motorischen Fähigkeiten zu erhalten und zu verfeinern," erklärt Jos Den Hollander, Physiotherapeut, der seit 1990 im Auftrag des SRK Aargau täglich eine halbe Stunde mit den Besuchern des Tageszentrums turnt. Viele Besucher wüssten um die Wichtigkeit des täglichen Trainings, sie würden es alleine aber nicht konsequent umsetzen. „Deshalb sind die Turnstunden so wichtig. Ich achte während dieser halben Stunde vor allem darauf, dass die Patienten das machen, was sie können. Spielerisch und ohne Druck sollen die Gäste ihre Beweglichkeit trainieren: 10 Minuten Fussball am Schluss eignen sich dafür besonders, weil an diesem Spiel alle teilnehmen können, der Teamgeist gefördert wird und alle Spass daran haben."

Vom Rollstuhl aufs Velo
Die Besucher können am Vor- und Nachmittag Physiotherapie in Anspruch nehmen. „In Einzeltherapien oder Kleingruppen geht es für die Patienten darum, zu lernen, was sie noch nicht können." Dazu gehört die Koordination von Bewegungsabläufen, das Gefühl für Bewegungen allgemein, Lauftraining, Gleichgewichtsübungen und Sturzprophylaxe. Auch Marianne König, seit August 2010 als Ergotherapeutin für das Tageszentrum tätig, kümmert sich gezielt um den Aufbau und um den Erhalt motorischer und kognitiver Fähigkeiten der Patienten. „Viele der Besucher haben Konzentrationsschwierigkeiten und deshalb Probleme, Handlungsabläufe zu planen und in der richtigen Reihenfolge umzusetzen. Ich helfe ihnen dabei, ihre Handlungsfähigkeit zu verbessern." Physio- und Ergotherapie arbeiten eng zusammen: Bei einem der Besucher hat diese Zusammenarbeit ein wahres Wunder bewirkt: Nach einem schweren Töffunfall war er linksseitig fast völlig gelähmt und der Rollstuhl sein ständiger Begleiter. Mit eisernem Willen und gezieltem Training hat er es in nur drei Jahren geschafft, seine Bewegungen soweit zu verbessern, dass er heute mehrmals die Woche selbständig mit dem Fahrrad von zu hause ins 5km-entfernte Tageszentrum in Aarau fährt.

Vernetzte Entlastung für Angehörige

An der Abendveranstaltung zum Tag der offenen Tür betonten die eingeladenen Referentinnen die Bedeutung des Tageszentrums für die Entlastung pflegender Angehöriger. „Die Betreuung pflegebedürftiger Menschen kann sehr aufwendig und anstrengend sein. Viele pflegende Angehörige empfinden es als wertvolle Entlastung, wenn sie ihr Familienmitglied für ein paar Stunden in einer professionellen Einrichtung umsorgt wissen," erklärt Bea Wildhaber, Leiterin des Tageszentrums. Die Stadt Aarau hat die Regionale Informationsstelle Alter Aarau ins Leben gerufen, damit sich Interessierte an einer zentralen Anlaufstelle umfassend über alle bestehenden Hilfs- und Entlastungsangebote informieren können.„ Wir unterstützen die aktive Gestaltung sämtlicher Lebensaspekte," meint Béatrice Feusi dazu, „und wir suchen nach individuellen Lösungen. Diese finden sich selten in einem einzigen Anbieter. Es ist ratsam, sich ein Netzwerk zur Unterstützung aufzubauen, um die optimale Betreuung für Pflegebedürftige und Angehörige zu finden." Auch Pia Bürgin, Spitex Aarau, ist überzeugt von der Notwendigkeit der Vernetzung der einzelnen Institutionen, die sich betreuungsbedürftigen Patienten annehmen. Vor allem in Hinblick auf die zunehmende Überalterung der Gesellschaft werde es immer wichtiger, dass die verschiedenen Organisationen und Einrichtungen intensiver zusammenarbeiten. Das Tageszentrum sei eine gute Ergänzung zum Angebot der Spitex-Dienstleistungen. Die Schlussveranstaltung zum Tag der offenen Tür des SRK-Tageszentrums ist diesbezüglich ein weiterer Schritt in die richtige Richtung.

Flurina Hoffmann, SRK Aargau, 15.12.2010