Schweizerische Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren

Als die «Wagi Schlieren» den schnellsten Aufzug der Welt baute

Stefan Nidegger
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Schlieren Welterfolg Der Schlieren Aufzug im weltbekannten Atomium im Jahre 1958. Er war der schnellste Personenaufzug der Welt. Bild: Archiv SWS
Entwicklung aus Schlieren In der ehemaligen Wagi Schlieren wurde der Aufzug innert Rekortzeit Entwickelt und gebaut. Bild: Archiv SWS
Der Lifthistoriker im Wagi Museum Georges Peier kennt die Schlieren Aufzugsanlagen wie kein zweiter. Bild: HistoricSchlieren

1957 bekam die legendäre «Wagi Schlieren» den Zuschlag zum Bau eines Schnellaufzugs für die Weltausstellung 1958 in Brüssel. Entstanden ist in Rekordzeit der damals schnellste und modernste Personenaufzug der Welt: Für das Atomium. Made in Schlieren.

Aufzüge sind heute aus modernen Bauten kaum mehr wegzudenken. Heute gehört die Schweiz mit der in Ebikon LU ansässigen Schindler-Holding zur weltweiten Nr.2 im Segment des Aufzugs- und Rolltreppenbaus. Aber auch in Schlieren ZH wurde dereinst Liftgeschichte geschrieben, noch bevor die SWS zum Schindler-Konzern übertrat. Mit im Rennen um den Prestige-Auftrag war 1957 auch die US amerikanische Firma OTIS. Die Nummer 1 im Aufzugbau.

Fahrgeschwindigkeit: 5m/s. Der schnellste Aufzug der Welt

Das Atomium in Brüssel ist mittlerweile weltbekannt. Das hier aber einst 47 Jahre lang ein «Schlieren» Aufzug seinen Dienst tat, weniger. «Da es sich bei dieser Anlage um einen Prototypen handelte konnte nur beschränkt auf Erfahrungswerte und herkömmliche Komponenten zurückgegriffen werden, so entstand faktisch ein wortwörtlich neuer Aufzug», sagt Georges Peier, Lifthistoriker des neuen Wagi Museum in Schlieren.

Er dokumentierte den Aufzug über Jahre hinweg akribisch. Dank seiner Recherche, verfügt das Museum der Schweizerischen Wagons- und Aufzügefabrik AG Schlieren heute wieder über ein beinahe komplettes Dossier.

«Ich bin sehr dankbar, hat Georges Peier diesen grossen Aufwand betrieben, dank seiner Arbeit können wir die Geschichte des Aufzugs heute nahezu lückenlos wiedergeben», sagt Patrick Bigler, Leiter Historisches Erbe des Wagi Museum.

Mit einer Fahrgeschwindigkeit von 5m/s, war er damals ausserdem der schnellste Personenaufzug der Welt und eine Erfolgsgeschichte für den damaligen Liftbau in Schlieren.

Pionierarbeit aus dem Limmattal

Bereits am 12. September 1957 konnte der Getriebelose Antrieb der komplett immerhin 12t wog, 4m lang, 1,2m breit und 2m hoch war vom Prüfstand in Schlieren gehoben werden und auf die Reise geschickt werden. Am 28. Oktober 1957 wurde dann die Maschine komplett in einem Stück in einer nur zweistündigen Aktion vom Boden auf das Atomium an seinen zukünftigen Platz gehievt.

Am 17. April 1958 war es dann soweit und die Expo '58 öffnete ihre Tore. «Unser Vorzeige-Lift aus Schlieren hatte sich mit dem Ansturm von über 10'000 Personen am Tag zu bewähren was diesem Mühelos gelang», sagt Peier weiter. Bereits nach 4 Monaten konnten rund 1'000'000 Passagiere befördert werden. Auch der damals amtierende Bundesrat Paul Chaudet erwies dem Weltrekord-Aufzug aus Schlieren in Brüssel seine Ehre.

Der Aufzug im Atomium bleibt in Schweizer Hand

Die Originalantriebsmaschine aus Schlieren verübte ihren Dienst rund 47 Jahre lang bis sie 2005 durch einen neuen Antrieb ersetzt wurde. Die Steuerung selber wurde bereits 1983 altershalber ersetzt, wiederum durch eine Weltneuheit: Miconic V, eine zu der Zeit bahnbrechende neue Schindler-Entwicklung. «Schindler Belgien lud damals für diesen Event über 600 Personen zu einer "Probefahrt" ein, nebst Planern, Architekten und Generalunternehmern auch Prominenz wie mehrere Bürgermeister und Minister», fügt Peier an.

Die ausführliche Dokumentation von Lifthistoriker Georges Peier können interessierte auf der Homepage des Wagi Museum unter der Rubrik Aufzüge nachlesen.

www.historicschlieren.com