Berufsschule Aarau

Bundesrätin Widmer-Schlumpf an der Berufsschule Aarau

An der Berufsschule Aarau wurden gegen 400 Berufslernende in der voll besetzten Aula von höchster Stelle kompetent informiert und erhielten von Bundesrätin Widmer-Schlumpf direkt Antworten auf ihre Fragen. Die bsa bereitete ihr einen herzlichen Empfang.

Marcel Siegrist
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Rektor Ueli Meyer begrüsste die Bundesrätin und gratulierte ihr auch zur Wahl als Schweizerin des Jahres. Solche Titel bedeuteten ihm zwar nicht allzu viel, allerdings sei dieses Mal die richtige Persönlichkeit gefunden worden. Beeindruckend sei, wie die Wahl zu Stande gekommen sei, und es verstärke die Anerkennung und die Hochachtung davor, was Eveline Widmer-Schlumpf - und vor allem, wie sie es geleistet habe.

Während des halbstündigen Referates herrschte in der Aula absolute Ruhe. Die Referentin konnte den Berufslernenden klar machen, dass es um ein Thema gehe, das vor allem die Zukunft der Jungen betreffe. Es gehe um die Beziehungen zum Ausland, zu unseren Partnern, und da sei nebst der Wirtschaft auch die Bildung betroffen und mit ihr die Anerkennung von Diplomen und auch Berufsabschlüssen. Die Stellung der Schweiz in Europa sei mit dieser Abstimmung zu definieren, mit allen Vor- und Nachteilen.

Die Zusammenarbeit mit den Umländern sei sehr gut, das zeige sich neulich vor allem auch im Bereich der Sicherheit. Die Schweiz liefere 60% ihrer Exporte in die EU, wo 490 Millionen Konsumenten seien. Die Schweiz könne ohne Arbeitskräfte aus dem Ausland im jetzigen Ausmass gar nicht funktionieren, und es seien dank der Freizügigkeit in unserem Lande 250'000 Arbeitsplätze geschaffen worden. Auch arbeiteten viele Schweizer im Ausland und seien auch dort angestellt.

Bundesrätin Widmer-Schlumpf zeigte die negativen Seiten auf, die das damalige EWR-Nein verursacht hat. Die Erfahrungen mit den Bilateralen I seit 1992 seien durchwegs positiv, die volle Freizügigkeit erfolge 2011/2014. Die befürchtete unkontrollierbare Immigration habe nicht stattgefunden, ebenso wenig wie das Lohndumping, und dies auch wegen der flankierenden Massnahmen. Im November/Dezember sei die Zuwanderung massiv zurückgegangen, dies zeige, dass der Markt spiele. Im Übrigen hätten die ausländischen Arbeiter, die jetzt eventuell Arbeitslosengelder bezögen, in den letzten Jahren 4 Milliarden in die AIV-Kasse einbezahlt.

Im Falle eines Neins wären die Bilateralen innerhalb eines halben Jahres hinfällig und müssten neu ausgehandelt werden. Dieses Aushandeln fände aber nicht wie letztes Mal mit 15 Staaten, sondern mit 27 Staaten statt, und das Resultat müsste einstimmig sein. Wie gross die Chancen diesbezüglich seien, könne man sich vorstellen, vor allem mit Ländern, die von der Schweiz abgelehnt worden seien.

Es gelang Bundesrätin Widmer-Schlumpf, den Jungen zu zeigen, dass wir in der Schweiz eine ausgezeichnete Ausbildung haben, dies vor allem auch in der Berufsbildung mit dem dualen System, um das wir allseits bewundert würden. Damit hätten wir auch im Ausland grosse Möglichkeiten, die wir uns nicht mit einem Nein verbauen sollten.

Auch die aus dem Publikum gestellten Fragen zu Schwarzarbeit, Numerus Clausus bei den Medizinern, dem Roma-Problem, einem Vollbeitritt der Schweiz zur EU usw. wusste die Magistratin überzeugend, sympathisch und sachlich sattelfest zu beantworten. Damit konnte sie bei vielen jungen Wählerinnen und Wählern nicht nur das Interesse wecken für Politik, sondern auch den Sinn für die Wichtigkeit des anstehenden Urnenganges. Die Stimmung, die der Rektor im Vorfeld des Anlasses auf 50/50 schätzte, vermochte die Referentin eindeutig in eine klare Ja-Mehrheit zu verwandeln.

Bunderätin E. Widmer-Schlumpf wurde ebenso herzlich und mit verschiedenen Aargauer Geschenken verabschiedet, wie sie begrüsst worden war. Die Berufslernenden diskutierten im Anschluss weiter mit Jungpolitikern der jungen SVP, FDP und SP unter der Gesprächleitung von Hans-Jörg Wäfler von der Aargauer Zeitung. Organisiert wurde dieser Anlass vom nationalen überparteilichen Komitee dabeibleiben.ch. Auch hier zeigte sich von weit links bis weit rechts eine befürwortende Haltung, nicht zuletzt, weil das Ja den Jungen den Weg nach Europa in vielfältiger Hinsicht vereinfacht. (Ume)