Blasmusikorchester

Das gemeinsame Musikerleben

Das diesjährige Januarskonzert der Brugger Stadmusik stand ganz im Zeichen des Zusammenspannens zweier alteingesessener „Brugger Musikliebhabervereine", die sich - erstmals wieder seit 1947! - zum gemeinsamen Musizieren vereinigten: Orchesterverein und Stadtmusik.

Drucken
Teilen

Mag dies auch für einen Aussenstehenden als eine Selbstverständlichkeit erscheinen, darf nicht vergessen werden, dass es dazu galt, über den eigenen Schatten springen zu können, Konzessionen einzugehen und ... den andern als vollwertig einzustufen.

Dank der zwei engagierten Dirigenten, Peter Danzeisen und Markus Joho, kam es zu einem Programm, das auf alles Rücksicht nahm, handelte es sich doch bei den Musikern – ausser der Konzertmeisterin des Orchestervereins und dem Solooboisten der Stadtmusik – um lauter Amateure, deren technische Möglichkeiten es zu berücksichtigen galt. Um es gleich vorwegzunehmen: Das waghalsige Projekt wurde in allen Linien zu einem uneingeschränkten Erfolg. Programmgestaltung, Probenarbeit, persönlicher Einsatz eines jeden Musikers führten zu einem Ergebnis, das ein „Bravissimo" verdient.

Der auf den ersten Anblick imposante Orchesteraufbau liess zuerst befürchten, dass die Streicher vorne unten zum Vornherein auf verlorenem Posten sässen. Dass dem nicht so war, zeigte sich bereits in den „Antiche Danze et Arie, Suite 1" von Ottorino Respighi. Das neckische Frag- und Antwortspiel zwischen Streichern und Bläsern kam voll zur Geltung und zeugte auch von der immensen Probearbeit betreffend Rücksichtnahme auf den "andern" Klangkörper. Selbst in den Tuttistellen bestand Ausgeglichenheit, wovon die „Orchestrianer" hie und da nur träumen können, wenn sie sog. teure Profis zur Verstärkung engagieren müssen ... Nur das Cembalo war wohl ein wenig zu stark versteckt; man konnte es kaum wahrnehmen.

Bei der „Zwiefachen Symphonique" von Serge Lancen bemerkte man, dass sich die Musiker der Stadtmusik gleichfalls „Zuhause" fühlten, hatten sie das Werk schon einmal in der Originalfassung für Blasorchester aufgeführt. Das Hinzufügen von Streichern – durch Markus Joho geschickt integriert – zeigte das Werk in einem neuen, äusserst reizvollem Licht: Bayrische Ländlermusik mit rhythmischen Überraschungen vermischt mit Walzerseligkeit aus dem „Rosenkavalier", von allen hingebungsvoll dargebracht.

Mit den 4 Stücken aus den „Kinderszenen" op. 15 von Schumann – original für Klavier – befand man sich auf einem Scheideweg, wo man sich fragen musste: Kann man mit einem grossen Orchester die ironischen Feinheiten der Klavierfassung erzeugen? Lassen wir Robert Schumann persönlich zu Worte kommen, der im Jahre 1838, als er die Kinderszenen komponierte, schrieb: „Das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann." Auf alle Fälle: Die Stücke haben gefallen.

Nach der Pause warteten noch zwei grosse Brocken der Wiedergabe: Mussorgskys „Eine Nacht auf dem Kahlen Berg" sowie die Ouverture „Russische Ostern" von Rimsky-Korsakow. Beide Werke gehören sozusagen zum Stammrepertoire aller grossen Sinfonieorchester, d.h. Vergleichsmöglichkeiten sind zu Hauf vorhanden. Drum sei hier den beiden Dirigenten ein besonderes Lob ausgedrückt: Obschon sie sicher im Hinterkopf die Originaltempi ticken hörten, liessen sie sich, sofern es die eigene Nervosität erlaubte, nicht davon beeinflussen und wählten die einem Amateurorchester angemessenen Tempi. Und siehe: Es entstanden Wiedergaben, die sich mehr als nur hören liessen. Vielleicht ein bisschen schwerfälliger, ein bisschen lauter, aber jedermann voll konzentriert dabei, kaum Patzer, in vollstem Einsatz bis zum letzten Fortissimoakkord.

Sicher wird dieses Konzert allen noch lange in Erinnerung bleiben. Die Musiker können stolz sein auf das, was sie vollbracht haben. Und die Zuhörer können mit der Sicherheit nach Hause gehen, einem Musikerleben beigewohnt zu haben, das sich nicht ohne weiteres wiederholen lässt.

Nicht vergessen seien hier die den Stadtmusikkonzerten eigenen Vereinsbräuche, von Begrüssung, den immer sehr aufschlussreichen Einführungen in die einzelnen Werke durch Peter Kress und die am Samstag erfolgte Ernennung zum Ehrendirigenten von Peter Danzeisen. (msc)