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Echte Freunde kosten 200 Stunden

Eine Studie der Universität Kansas zeigt auf, wie viele Stunden man im Zeitalter der Online-Friends und Follower in echte Freundschaften investieren muss.
Sabine Mezler

Egal, wie schnell sich die Zahl der Online-Freunde und -Follower erhöht, echte Freundschaften brauchen nach wie vor allem eines: Zeit. Wie viel genau, das hat jetzt der amerikanische Forscher Jeffrey Hall herausgefunden, der sich in zwei Studien der Universität Kansas der Frage gewidmet hat, wie viele Stunden man miteinander verbringen muss, um vom Bekannten oder Arbeitskollegen zum erweiterten Freundeskreis, Freund oder guten Freund zu avancieren.

Die Kurzfassung seiner Ergebnisse lautet 50, 90 und über 200 Stunden – wobei es fraglos nicht darum geht, diese Zeit ­lediglich im selben Raum oder sozialen Medium zu verbringen, wie der ausserordentliche Professor für Kommunikationswissenschaften betont.

Damit zwei sich finden braucht es vor allem eins: Zeit. (Themenbild: LZ Archiv)

Damit zwei sich finden braucht es vor allem eins: Zeit. (Themenbild: LZ Archiv)

In seiner ersten Studie wertete Hall die Antworten von 355 Amerikanern aus, die innerhalb der letzten sechs Monate in eine neue Stadt gezogen waren und sich dort auf die Suche nach neuen Freuden begeben hatten. Er bat sie, sich an Menschen zu erinnern, die ihnen seit ihrem Umzug begegnet sind, und daran, wie sich diese Beziehungen seither entwickelt haben. Wobei es vor ­allem darum ging, einen Zusammenhang zwischen der Intensität der Freundschaft, der Menge der miteinander verbrachten Zeit und die Art der gemeinsamen Aktivitäten herzustellen. In seiner zweiten Studie fragte er Studienanfänger seiner Universität nach den ersten beiden Studienwochen nach zwei Menschen, die sie seit Semesterbeginn kennen gelernt hatten, und evaluierte die Entwicklung der Beziehungen weitere vier und sieben Wochen später.

Aus den Ergebnissen beider Befragungen errechnete er, wie ­viele miteinander verbrachte Stunden es braucht, um gewisse Stadien der Freundschaft zu erreichen: eben jene rund 40 bis 60 Stunden, die einen flüchtigen zu einem guten Bekannten machen; rund 80 bis 100, die es braucht, um zu den Freunden zu zählen, und über 200 für eine echte Freundschaft.

Freunde zu gewinnen, gehört zu den Kernaufgaben

Aber auch wenn es ohne die investierte Zeit nicht geht, hilft nur die Zeit allein natürlich nicht, wie Hall klarstellt. «Man kann 400 oder 600 Stunden mit jemandem arbeiten, ohne dass daraus eine Freundschaft wird», so der Forscher. Um diese zu entwickeln, braucht es zunächst einmal eine gegenseitige Sympathie und dann die Entscheidung, Zeit auch ausserhalb des bisherigen Rahmens miteinander verbringen zu wollen. «Dieser sogenannte Kontext-Shift ist sehr wichtig und bedeutet beispielsweise, dass man mit dem Kollegen die Mittagspause verbringt, sich nach der Arbeit zum Sport verabredet oder am Abend etwas trinken geht.» Wobei die Geschwindigkeit der Freundschaftsbildung durch Kommunikation noch einmal erhöht werden kann. Hier spiele vor allem die Qualität der Unterhaltung eine Rolle: «Freunde lachen miteinander, haben tiefergehende Unterhaltungen und bleiben auf dem Laufenden, was das Leben des anderen angeht.» Die Übergänge zwischen den verschiedenen Freundschaftskategorisierungen seien dabei natürlich fliessend und auch je nach Kultur verschieden, betont Hall.

Die Gruppe der wirklich engen Freunde ist nach Halls Ergebnissen ein recht überschaubarer Kreis, dessen Bedeutung aber umso grösser ist: «Von diesen echten Freunden hat man höchstens 15 bis 20 im Leben», ist er überzeugt. Diese Freundschaften würden oft schon in jungen Jahren geknüpft und hielten häufig auch dann ein Leben lang, wenn man nur noch selten persönlichen Kontakt hat. «In diese Freundschaften hat man so viel positive Energie gesteckt, dass man sie einfach behalten will», so Hall.

Was durchaus eine gesunde Entscheidung sei, da diverse Studien einen Zusammenhang zwischen früh im Leben geknüpften Freundschaften und Glück im ­Alter herstellen. «Freunde zu gewinnen und Freundschaften zu pflegen, gehört zu den wichtigsten Aufgaben unseres Lebens – das bestätigen fast alle Menschen auf ihrem Sterbebett.» 200 Stunden gut investierte Lebenszeit also.

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