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«Fall Boris»: Anklage wegen versuchten Tötungsdelikts

Eine Patientin hat in einer psychiatrischen Klinik einen Buben angegriffen. Jetzt muss sie sich vor Gericht dafür verantworten.
Kari Kälin
Im «Fall Boris» kommt es zu einem Prozess. ((Themenbild: (Pius Amrein))

Im «Fall Boris» kommt es zu einem Prozess. ((Themenbild: (Pius Amrein))

Seine Geschichte hat die Schweiz bewegt. Boris (Name geändert) landete nach einer Odyssee durch Sonderschulen, Heime und Kliniken Anfang 2017 in der geschlossenen jugendforensischen Abteilung der Universitären psychiatrischen Kliniken Basel (UPK). Dort erhielt er ärztliche Betreuung, Psychopharmaka und zahlreiche Therapien. Die Behandlung des damals 12-jährigen Buben kostete pro Monat 43 000 Franken.

Ende März 2017 kam es in der Klinik zu einem dramatischen Vorfall. Gemäss Recherchen dieser Zeitung würgte eine ältere Mitpatientin Boris mit einem Schal. Dessen Hals war dar danach voller Striemen, das Gesicht gezeichnet von Kampfspuren. Boris’ Mutter sprach von einem Mordversuch.

Die Oberjugendanwaltschaft des Kantons Zürich hat die Ermittlungen unterdessen abgeschlossen und die Mitpatientin wegen eines versuchten Tötungsdelikts angeklagt. Dies teilte Sprecherin Sarah Reimann auf Anfrage mit.

Der Prozess wird Ende November unter Ausschluss der ­Öffentlichkeit vor dem Jugend­gericht Bülach stattfinden. Das Verfahren läuft nach dem Jugendstrafrecht, weil die junge Frau beim mutmasslichen Angriff auf Boris noch nicht 18 Jahre alt war. Da sie sich auch für Delikte verantworten muss, die sie nach ihrem 18. Geburtstag begangen haben soll, wird sich die allfällige Strafe nach dem Erwachsenenrecht richten.

Angriffe von Patienten auf Mitpatienten sind selten

Die zuständige Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde(Kesb) sah damals keine andere Möglichkeit, als Boris in die UKP einzuweisen. Sie konstatierte eine Selbst- und Fremdgefährdung. Laut Arztberichten litt Boris an einem gestörten Sozialverhalten und an einer Bindungsstörung.

Sefika Garibovic, Expertin für Erziehung und Nacherziehung von Jugendlichen mit einer Praxis in Zug, kritisierte diesen Befund. Sie traf Boris mehrmals. Der Bub habe nicht ein psychiatrisches, sondern ein pädagogisches Problem. Er brauche nicht Medikamente, sondern Erziehung. Boris’ Mutter wehrte sich öffentlich gegen die psychiatrische Behandlung ihres Sohnes. Er sei gesund, die zahlreichen Therapien hätten ihn kaputtgemacht.

Unterdessen besucht Boris ein Internat. Es gehe ihm wieder besser, er benötige aber noch Zeit, um seine traumatischen ­Erlebnisse zu verarbeiten, sagt seine Mutter.

Dass Patienten oder Patientinnen Mitpatienten angreifen, passiere sehr selten, sagt Jan Kirchhofer, Sprecher der Universitären Psychiatrischen Kliniken (UPK) Basel. Durch eine engmaschige Betreuung versucht die UKP Basel seit jeher, solche Fälle zu vermeiden. Kirchhofer gibt aber auch zu bedenken: «In einer forensisch-psychiatrischen Klinik, wo Straffällige behandelt werden, kommt es zu mehr Konflikten zwischen Patienten als in einem gewöhnlichen Spital.»

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