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Interview

«Ich wollte immer den gleichen Beruf haben wie mein Vater»

Kulturjournalist Michi Graber (34) weigerte sich lange, für dieses Interview befragt zu werden. Zu persönlich, meinte er. Dank dem Stück «Väter», in dem er mitspielt, hat der Luzerner seine Meinung geändert. Bedingung: Das Gespräch erscheint in der Du-Form.
Roger Rüegger
Bereitet sich auf sein erstes Theaterstück vor: Michi Graber beim Luzerner Theater. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 19. April 2018))

Bereitet sich auf sein erstes Theaterstück vor: Michi Graber beim Luzerner Theater. (Bild: Corinne Glanzmann (Luzern, 19. April 2018))

Michi Graber, warum ­bestehst du auf das Du?

Unter Kollegen duzt man sich. Ich hätte gegenüber einer Firma, in der sich gleichartige Bürogspändli siezen, ein grosses Grundmisstrauen. Ich verstehe zudem nicht, warum du mir am Töggelikasten du und in einem Interview plötzlich Sie sagst.

Dann soll dies ab jetzt gelten. In einem Stück am Luzerner Theater erzählst du ­Geschichten aus deinem Leben. Wer bist du?

Ich bin Michi, 34, und wohne seit kurzem in Ruswil. Viel mehr gibt es eigentlich nicht zu sagen.

Unsere Leser sind an dieser Stelle dein Publikum. Erzähl bitte, worum es geht!

Wir sind sechs Väter im Alter von 34 bis 72 Jahren, die über unser Leben und unsere Rollen in der Familie berichten.

Ausgerechnet. Du hast dich vehement gegen die Eitelkeitsparade gewehrt, wie du unser Interview nennst. Und jetzt gibst du auf einer Bühne intime Details preis?

Genau. Ich finde das auch völlig abwegig.

Was treibt einen Menschen, der sich als scheu bezeichnet und ungern im Mittelpunkt steht, ins Theater?

Im letzten Jahr wurde das erfolgreiche Stück «Mütter» gespielt. Dieses Jahr folgt «Väter». Erwin Koch, ein hervorragender Journalist, ermunterte mich in einem Mail dazu mitzumachen. Er ist ein Bekannter meines Vaters Hans, der auch bei unserer Zeitung arbeitet. Ich fühlte mich geschmeichelt, und so traf ich mich mal mit dem Produktionsteam um Regisseur Max Merker. Eigentlich habe ich auch das Gefühl gehabt, dass meine Geschichte zu langweilig für ein Theater sei – ich bin recht normal, finde ich zumindest. Dann ging es aber plötzlich schnell, und die Proben begannen. Irgendwie habe ich den Moment zum Absprung dann immer verpasst.

Als Journalist, der über 10 Jahre in unserer Redaktion tätig ist, weisst du immer etwas zu schreiben. Also hast du den Produzenten bestimmt gute Geschichten über dich aufgetischt. Als Kulturredaktor bist du sowieso nahe beim Theater.

Ich schreibe und produziere hauptsächlich über Musik. Geschichten über das Theater machen andere.

Dann wird unsere Kollegin Julia Stephan vielleicht eine Kritik schreiben?

Nein, die darf nicht. Die ist mir viel zu böse.

Also, ihr seid sechs Väter. Was ist der Inhalt des Stücks?

Wir richten auf der Bühne ein Kinderzimmer ein. Dazu erzählen wir unsere Geschichten. Episodenweise.

Nicht nur dekorativ rum­stehen auf der Bühne?

Nein, wir bauen ein richtiges Kinderbett zusammen. So kombiniert dieses Stück sogar zwei Dinge, die ich nicht kann: Möbel zusammensetzen und Theater spielen. Das ist eigentlich gemein. Aber ich mogle mich durch, indem ich einfach ein bisschen nebendran stehe und beschäftigt tue. Das kann ich ziemlich gut.

Also doch rumstehen?

In einer anderen Szene trinken wir dafür zusammen Bier. Das mag ich. Ich weiss allerdings noch nicht, ob es im Theater dann auch richtiges Bier ist. Ich hoffe es.

Was erzählst du da?

Zum Beispiel, wie meine Partnerin und ich erfuhren, dass ein Kind unterwegs ist. Und was die Kinder mit mir gemacht haben. Auch lamentiere ich ein bisschen darüber, dass ich finde, Väter sollten sich mehr in die Kinder­betreuung einbringen. Was eigentlich ein bisschen absurd ist.

Wieso?

Weil ich ausgerechnet jetzt diesen Anspruch an mich nicht einlösen kann. Seit Ende März bin ich voll in die Proben eingebunden. Durch den Tag gehe ich arbeiten, und am Abend probe ich. Während der Osterferien habe ich meinen Sohn John und meine Tochter Frieda einmal drei Tage am Stück nicht wach gesehen. Das hat mich geplagt. Eigentlich arbeite ich bewusst nur in einem 60-Prozent-Pensum, damit ich so viel Zeit wie möglich mit meinen Kindern verbringen kann.

Das kannst du dem Publikum genauso sagen. Geht es in dem Stück auch um deinen Vater?

Ganz am Rand. Ich habe viel von meiner Prägung von ihm übernommen. Ich wollte beispielsweise immer den gleichen Beruf haben wie er – den habe ich ja mittlerweile.

Bist du nervös eine Woche vor der Premiere?

Wahnsinnig. Ich habe schreck­liches Lampenfieber und bin eigentlich ganz schüchtern – auch wenn ich mir oft Mühe gebe, das ein wenig zu verstecken. Ich hoffe auch, dass ich da vom Theater profitiere. Dass ich diesbezüglich ein bisschen Selbstbewusstsein tanke. Auf jeden Fall ist es spannend zu erleben, wie aus dem Nichts ein Theaterstück entsteht. Bisher konnte ich mit Theater, ehrlich gesagt, nicht viel anfangen. Mittlerweile weiss ich: Das ist wie mit dem Tennis. Es sieht leicht aus, aber es steckt viel dahinter. Vielleicht müsste ich nach dem Theater mit Tennis loslegen.

Oder beim Theater bleiben. Würdest du dich wieder für die Rolle melden?

Ich mache nie mehr Theater. Wenn ich begriffen hätte, mit wie viel Aufwand das verbunden ist, hätte ich auch «Väter» nicht gemacht.

Du wolltest auch nie Auto­fahrer werden. Wir wissen, dass Du Fahrstunden nimmst!

Stimmt. Ich habe meiner Partnerin versprochen, dass ich sie beim dritten Kind ins Spital fahre. Ich habe noch vier Monate Zeit.

Premiere des Stücks «Väter» am Luzerner Theater ist am 27. April, 19.30 Uhr. www.luzernertheater.ch

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