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Kolumne

Ist das die Touristin von morgen?

Drei Handys, ein Tablet, mehrere Mikrofone und eine Fotokamera: Ist das bald die Standardausrüstung von Touristen, die die Zentralschweiz besuchen? Dieser Frage geht der folgende Beitrag aus unserer Kolumne «Mein Bild» nach.
Lucien Rahm
Eine übereifrige Reporterin berichtet live vom chinesischen Volkskongress. (Bild: Wu Hong/EPA/Keystone, Peking, 8. März 2019)

Eine übereifrige Reporterin berichtet live vom chinesischen Volkskongress. (Bild: Wu Hong/EPA/Keystone, Peking, 8. März 2019)

Vermutlich müssen auch wir uns in der Zentralschweiz bald an dieses Bild gewöhnen: Eine mutmassliche Touristin dokumentiert ihre Ferienerlebnisse mit fünf statt nur einer Kameralinse für die Lieben zu Hause. Denn langsam aber sicher begnügen sich Letztere nicht mehr mit banalen Fotografien, die womöglich bereits Stunden oder gar Tage alt sind. Sie wollen möglichst zeitnah beim Reisegeschehen dabei sein, das am besten aus unterschiedlichen Perspektiven zu sehen ist. Schliesslich bietet das Internet entsprechende Möglichkeiten. Sie nicht zu nutzen, wäre schade.

Der Reisende von heute kann sich also bald nicht mehr damit begnügen, hin und wieder einige Schnappschüsse schneebedeckter Berggipfel nach Hause zu senden, wenn er abends im Hotel endlich Zeit dafür findet. Die Berichterstattung sollte bereits während der Sightseeingtour stattfinden. Mindestens eines der drei Handys der Frau auf dem Bild dürfte also für die Liveübertragung auf Instagram oder Facebook im Einsatz stehen.

Ein weiteres Mobiltelefon dient vermutlich dem pausenlosen Erstellen von Selfies und das Tablet zeigt den Weg zur nächsten Sehenswürdigkeit auf.

Problematisch an dieser Entwicklung könnte aus Sicht der hiesigen Tourismusbranche sein, dass die Zentralschweiz irgendwann gar nicht mehr persönlich besucht werden muss. Wer sich die schönen Berge und Seen auch bequem von zu Hause aus realitätsnah zu Gemüte führen kann, spart sich die teure und distanzreiche Reise in die Schweiz vermutlich gerne. Allenfalls lässt sich dann noch mit kostenpflichtigen Livestreams Geld verdienen, die ein professioneller Touristendarsteller in entfernte Länder liefert.

Noch ist es jedoch nicht so weit. Die hier zu sehende Fotografie zeigt eigentlich keine Reisende, sondern eine Reporterin, die – nicht minder beachtlich – mit den zahlreichen mobilen Geräten live vom 13. Nationalen Volkskongress in China berichtet. Dass aus dem Kongress irgendwann ein Schwanenplatz oder Stanserhorn werden könnte, scheint aber irgendwie nicht abwegig.

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